„Früher kam immer einer nach“:

10.11.2012

In Dieburg geht die jahrhundertealte Ära der Kapuziner zu Ende

Auf das Jahr 1650 geht die Gründung der ersten Niederlassung der Kapuziner in Dieburg zurück. Jetzt wird der Konvent im Minnefeld aufgelöst. Die Wege der vier Brüder trennen sich.

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Die vier Ordensleute im Klostergarten von links: Pater Joachim Wrede, Pater Berthold Oehler (Guardian), Bruder Friedhelm Bielefeld, Pater Eckehard Krahl. Zum Konvent gehört noch als externer Bruder Pater Mathias Doll, der in Schmerlenbach bei Aschaffenburg als Pfarrer tätig ist und nicht auf dem Bild ist. Foto: Rebecca Keller
© Kirchenzeitung

In zwei Wochen verabschieden sich Pater Berthold Oehler, Pater Joachim Wrede, Pater Eckehard Krahl und Bruder Friedhelm Bielefeld in einer Vesper aus Dieburg. Anfang des Jahres hat es die Kapuzinerprovinz so entschieden: Die Ordensmänner verlassen Dieburg und unterstützen künftig andere Konvente. Der Kapuzinerkonvent St. Joseph in München wird als nächstes aufgelöst. Zwei weitere Schließungen sind geplant. „Wenn früher einer wegging, kam immer einer nach", sagt Pater Berthold, Guardian (Leiter) des Dieburger Konvents. Heute kommt keiner mehr.

Waren es Ende der 50er Jahre noch 850 Kapuziner in Deutschland, sind es heute gerade noch 150. Der Nachwuchsmangel führt bei den Kapuzinern zu tiefgreifenden Veränderungen. Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es zurzeit nur vier Novizen. Die „Bindung auf Lebenszeit" sei das größte Hindernis, „eine existenzielle Angst, die man ernst nehmen muss", so Pater Berthold. In der Schweiz gebe es bereits ein Modell „Kloster auf Zeit".

Seit 362 Jahren sind die Kapuziner Teil der Dieburger Identität, die Bürger eng mit dem Kloster verbunden. Der Odenwaldclub und die Kolpingfamilie haben sich um den Klostergarten gekümmert. Doch wie geht es mit den Männern weiter? Jeder von ihnen wird an einem anderen Ort eingesetzt. Pater Berthold wird Wallfahrtsseelsorger in Altötting. So richtig kann sich der 61-Jährige seine neue Aufgabe noch nicht vorstellen, überwiegt doch zurzeit noch der Abschiedsschmerz. Pater Eckehard geht am weitesten weg. Der 76-Jährige zieht nach Salzburg und wird im Noviziat eingesetzt. Für ihn ist das „in Ordnung", er freut sich darauf, auch wenn der neue Dienst „sehr fordernd" sein wird. Bruder Friedhelm (58) wird seine langjährige Aufgabe als Pförtner und Zuständiger für die Sakristei beibehalten und nun im Wallfahrtsort Zell im Schwarzwald ausüben. Für Pater Joachim erfüllt sich ein Lebenstraum: Er wird als Einsiedler in die Klause Klus Eddessen bei Paderborn ziehen.

(Von Rebecca Keller),Kirchenzeitung Glaube und Leben, 7. November 2012

 
 

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