Oktavian Schmucki

Br. Oktavian Schmucki


Der Mitbruder aus der Schweizer Kapuzinerprovinz durfte am 8. Januar 2007 seinen 80. Geburtstag begehen. Er hat ihn würdig im Kreis seiner Angehörigen dort gefeiert, wo er vor 80 Jahren das Licht der Welt erblickte: in Rieden im Kanton St. Gallen. Seine Eltern hießen Viktor Schmucki und Josephine Zahner. Im Frühjahr 1942 ging er ins Kapuzinerkolleg in Appenzell, wo er das Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur trat er im September 1947 ins Noviziat der Kapuziner ein und trägt nun seit 60 Jahren das typische braune Ordenskleid mit weißem Strick. Philosophie studierte er in Stans, Theologie dann in Solothurn und wurde am 6. Juli 1952 zum Priester geweiht.


Auf Anordnung des Provinzials begab er sich nach Rom, wo er sich in franziskanischer Geschichte und Theologie spezialisieren sollte. Dafür schrieb er sich an der Theolog. Fakultät der Gregoriana ein und machte 1955 das Lizentiat. Noch während seiner Forschungen für die Doktorarbeit erhielt er 1956 vom damaligen Generalminister Benignus von Sant’Ilario Milanese die Obödienz, ans Historische Institut der Kapuziner zu übersiedeln, wo er sofort in die Mitarbeit an der Collectanea Franciscana und Bibliographia Franciscana einbezogen wurde – eine stille Arbeit, der er bis heute treu geblieben ist.


Trotz seiner neuen Aufgabe gelang es ihm, 1959 seine Doktorarbeit abzuschließen und erfolgreich zu verteidigen; sie trägt den Titel: „Die Christusfrömmigkeit des hl. Franziskus von Assisi“. Ein Großteil dieser These erschien in einer Artikelfolge und dann auch als Buch unter dem Titel Das Leiden Christi im Leben des hl. Franziskus (Rom 1960); weitere Artikel zum Beten, zur Nachfolge Christi, zur Weihnachts-, Eucharistie- und Passionsfrömmigkeit des Poverello folgten.


1964 trat die Wissenschaft zeitweise in den Hintergrund, weil P. Oktavian zuerst zum Mitglied, dann zum Sekretär jener Kommission ernannt wurde, welche ein Schema für neue Konstitutionen erarbeiten sollte. Nachdem er sich dieser Mühe entledigt hatte – er machte nie einen Hehl daraus, dass ihn weder diese Arbeit noch das Ergebnis erfreute – konnte er sich wieder seinen Studien widmen: nachdem er die dornige Frage der Stigmatisation geklärt zu haben glaubte (sie ist jüngst wieder neu aufgebrochen), schrieb er vor allem über die eremitisch-kontemplative Tradition im Minderbrüder- und namentlich dann im Kapuzinerorden. In den 60er und 70er Jahren nahm er an zahlreichen Kongressen teil und referierte über die Krankheiten des hl. Franziskus, über die Anfänge des III. Ordens und über die Schicksale von Kapuzinerbibliotheken. Dieses letzte Thema verbindet er seit seiner Rückkehr in die Heimat im Jahr 1997 mit der „staubigen“ Praxis: Er ist Provinzbibliothekar und hat die leidige Aufgabe, überzählige Bibliotheken zu veräußern oder zusammenzuführen...


1972 wurde er Hauptredakteur der wichtigen internationalen Zeitschrift Collectanea Franciscana und blieb es für 16 Jahre, bis zum Jahrgang 57 (1987). In diesen Jahren hatte er schon einen Blick geworfen auf die von Vorgängern unvollendet gebliebene Fidelis-Bibliographie. Ihr wandte er sich nun mit ganzer Kraft zu, besuchte in den Ferien viele Bibliotheken Europas und reihte Titel an Titel. Als er im Oktober 1997 nach 41 Jahren das Historische Institut in Rom verließ, um in seine Heimatprovinz zurückzukehren, nahm er unter anderem auch dieses reiche Material zu Fidelis mit. Er arbeitete in Luzern weiter daran und konnte endlich im Jahr 2004 seine unzähligen Mühen gekrönt sehen in einem über tausendseitiges Werk, das auch von der Bebilderung und Ausstattung her des hl. Fidelis und seines Bearbeiters würdig ist.


Oktavian wäre nicht Oktavian, wenn er sich nach dem Fidelis-Buch zur Ruhe gesetzt hätte. Seine Hauptsorge ist jetzt die neue Ausgabe des Kapuziner-Lexikons, wofür er sehr viele Stichworte und Kurzartikel übernommen hat. Daneben oder vielleicht sogar in erster Linie ist er aber auch Seelsorger, der sich gerne auf Aushilfen schicken lässt oder im Kloster Wesemlin denen die Beichte abnimmt oder ein gutes Wort schenkt, die zum Gnadenbild der Muttergottes in der Klosterkirche ihre Zuflucht nehmen.

Mögen dem lieben Mitbruder noch viele Jahre im Kreis der Brüder, im Dienst der Kirche und der Wissenschaft beschieden sein.


Leonhard Lehmann


Ehrung als Franziskusforscher, www.ofmcap.org


 



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