Symposium Madrid 4-8. November 2009


Br. Mauro Jöhri eröffnet das Symposium der Kapuziner


Kapuziner Westeuropas wollen sich neu positionieren
"Kein Taliban-Katholizismus" - "Franziskus steht den Menschen von heute nahe"

Madrid, 08.11.2009 (KAP) Die Kapuziner in Westeuropa wollen sich theologisch und gesellschaftlich neu positionieren. Bei einer am Sonntag zu Ende gegangenen Symposion der westeuropäischen Kapuziner-Provinzen wurde bekräftigt, dass die Säkularisierung eine Herausforderung darstelle, den eigenen Glauben und die franziskanische Spiritualität zu vertiefen.

Die Mehrzahl der Katholiken lebe auf der Südhalbkugel und viele Gläubige im "Westen" seien auf der Suche nach einer klaren katholischen Identität: Das betonte zu Beginn des Symposions der US-amerikanische Religionsjournalist John Allen. Er riet den Kapuzinern dringend davon ab, Kurs auf einen "Taliban-Katholizismus" zu nehmen, der alle Antworten schon wisse und diese durchzusetzen versuche. Die Kapuziner sollten im Gegenteil eine starke "Spiritualität der Gemeinschaft" leben. Darin sieht Allen ihre Zukunft in Westeuropa.

Kontrovers wurde anschließend die Frage nach der katholischen Identität diskutiert. Nach der Analyse aktueller religionssoziologischer, theologischer und franziskanischer Studien stand für die meisten Kapuziner fest, dass man aktiv und mit einer positiven Sichtweise "in der Gegenwart leben" wolle. Dabei riet Generalminister P. Mauro Jöhri den Kapuzinern, dass sie künftig wieder vermehrt in "Zelten" statt in "festen Institutionen" zu Hause sein sollten. Die Kapuziner müssten heute zu einem sozialen und kirchlichen Standortwechsel bereit sein, da die neue religiös-spirituelle Suche postmoderner Menschen fern der Institutionen ansetze.

Der Franziskusforscher und Provinzvikar der Schweizer Kapuzinerprovinz, P. Niklaus Kuster, betonte, dass Franziskus den heutigen Menschen sehr nahe sei. Der populäre Heilige habe zuerst selber in der Gottesferne gelebt; erstaunlicherweise sei er in seiner langen Suchbewegung in keinem der damaligen religiösen "Kompetenzzentren" fündig geworden. Vielmehr habe er in der Begegnung mit einem Aussätzigen und mit Gott seinen Lebensstil als Laie in der Kirche gefunden. "Eine Liebe zur Welt und eine ganzheitliche Spiritualität sind Zeichen von Franziskus, wie sie auch von heutigen Menschen gesucht werden", legte der Franziskusforscher seinen Mitbrüdern nahe.

Mehrere Themen kristallisierten sich beim Symposion heraus, die in Zukunft von den westeuropäischen Kapuzinerprovinzen vertieft werden sollen: Es brauche eine franziskanische Auseinandersetzung mit der Säkularisierung, auch der ordensinterne Klerikalismus müsse angegangen werden. P. Willi Anderau, Regionaloberer der deutschsprachigen Schweiz, meinte: "Das ist eine Aufgabe, die vor allem wir Priesterbrüder zu leisten haben".

kathweb.at, 8. November 2009


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