
Ich bin Engelbert (mein Taufname) und erblickte im Jahre 1953 als der Zweitjüngste von acht Brüdern und einer Schwester, das Licht der Welt. Mein Vater war Dachdecker und meine Mutter Hausfrau.
Als ich fünfzehn war, brach ich zum Entsetzten meiner Eltern, das Gymnasium ab und begann als angelernter Nachseher in einer Stickerei Geld zu verdienen. Dies benötigte ich, um mich als junger Mann frei zu fühlen, ausgehen zu können und die ersten Erfahrungen mit Frauen, vor allem durch das Tanzen, zu sammeln. Mein Jugendtraum war ein eigenes Haus für Frau und vier Kinder zu haben.
Mit achtzehn erkrankte ich so schwer, dass ich mich dem Tode nahe fühlte. Sieben Monate im Lungenkrankenhaus und anschließend sechs weitere in Arbeitsunfähigkeit mit noch einem weiteren Jahr Invalidität, brachten meine damaligen Männerwerte zum Einsturz.
Ich entwickelte eine regelrechte Wut gegen Gott, der mir, wie ich glaubte, mein Leben missgönnte, ja ich fühlte mich wegen der vielen „Todsünden“, die ich laut Kirchenmoral begangen habe, von ihm bestraft. Mit diesem Gott und mit solch einer Kirche wollte ich nichts mehr zu tun haben.
Fragen wofür lebe ich, wozu bin ich auf der Welt, was soll der ganze Sch....? Was nützt mir das ganze Geld, was die Frauen, wenn ich nicht einmal die Puste für Sex habe, brachten mich in innere Bedrängnis, die ich keinesfalls nach außen zeigte.
Auf meiner Suche nach halbwegs plausiblen Antworten, wandte ich mich sonderbarerweise an die Kapuziner. Diese waren mir von Kindheitstagen sympathisch, auch wenn ich trotz strenger religiöser Erziehung nichts mit Gott, Kirche und Kapuzinerorden am Hut hatte. Erstaunlicherweise hörte ein Bruder geduldig, meine zum Teil übertriebenen, Schilderungen an. Das Einzige was mir vom damaligen Gespräch geblieben war, war seine Ermutigung dran zu bleiben und weiterhin auf meine innere Stimme zu hören. Er meinte, dass Gott mir was sagen möchte.
Nach weiteren Gesprächen mit den Kapuzinern fasste ich im März 1973 den Entschluss, mir mehr Zeit für meine Frage: „Gibt es dich Gott, wenn ja, wer bist du und was habe ich mit dir zu tun?“ einzuräumen und wählte für meine nächste Lebensetappe die Ordenslandschaft der Kapuziner.
Ehrlich gesagt, diese sogenannten Brüder wirkten auf mich schon sonderbar. Bei manchen hätte ich mich nie getraut über mein Leben zu sprechen, so weltfremd wirkten sie auf mich, dennoch gab es welche unter ihnen, die mich ernst nahmen und mich ermutigten angstfrei weiter zu fragen.
Mir gefiel es, dass ich nicht nur Gespräche führte, sondern auch selber in der Gemeinschaft Hand anlegen durfte. Ich übernahm Teilverantwortung in der Wäscherei und in der Pflege eines kranken, alten Bruders. Parallel dazu, verspürte ich einen Hunger nach unvergänglichen Werten, die mir durch keine Krankheit genommen werden können.
Die Spiritualität des Franziskus von Assisi, sein Einsatz für Menschen am Rand der Gesellschaft und der Kirche, seine Friedenshaltung und sein geschwisterlicher Umgang mit der Schöpfung, sprachen mich irrsinnig an, so als wäre sie für mich zugeschneidert.
Dies veranlasste mich, mich verbindlich in die Gemeinschaft der Kapuziner einzulassen. Ich machte die Erfahrung, dass Kapuziner sein mein ganzes Mann sein erfasste: meine Sinnlichkeit, meine rationale Fähigkeit, meine Gefühle und mein spirituell-religiöses suchen.
Konkret bedeute dies, dass ich Dank der Ordensgemeinschaft in der franziskanischen Haltung, die Ausbildung zum diplomierten Gesundheits-und Krankenpfleger absolvierte. Ab 1978 pflegte ich Suchtkranke, HIV-Infizierte und AIDS-Kranke.
In Heidelberg besuchte ich die klinische Krankenhausseelsorge-Ausbildung besonders für die erwähnte Klientel, einschließlich Suizidgefährdeter.
Später kam der Dienst in einer Wohngemeinschaft für HIV-Infizierte der Diözesanen Caritas hinzu.
Nachdem ich mich im Jahr 2000 aus dem öffentlichen Dienst verabschiedete, nahm ich die dreijährige Ausbildung zum pastoralpsychologischen Berater und Begleiter war.
Als Minderbruder Kapuziner (OFMCap), so der offizielle Name der Kapuziner, habe ich eine Vorliebe für Menschen die sich in Gesellschaft und Kirche zu einer Minderheit bzw. einer Randgruppe zählen. Mit ihnen in Berührung zu stehen und von ihrem Leid berührt zu werden, ist mir in meinem sozialen Einsatz oberste Priorität. Kraft dafür schöpfe ich aus der Stille, dem Gebet, aus dem Wort Gottes (Bibel) und den Sakramenten, sowie im brüderlich offenen Austausch. Zu den Brüdern in Feldkirch stehe ich am nächsten, zusammen bilden wir die Kapuzinergemeinschaft Feldkirch/Gauenstein.
Br.Engelbert
Gauenstein
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Fax +43 - 5556 - 73134
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