
FOTO: KAPUZINER
Aufarbeitung: Fokus auf Betroffene und Prävention
Die Kapuziner nehmen ihre Verantwortung im Zuge der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle ernst. Im Fokus stehen die Betroffenen und eine konsequente Präventionsarbeit.
In der aktuellen Studie des Bistums Passau zum Thema Missbrauch ist wieder einmal deutlich geworden: Der Schutz der Institution Kirche ist über Jahrzehnte von den Verantwortlichen über das Wohl der Betroffenen gestellt worden. Durch Missachtung des Leids und eine Kultur des Schweigens haben auch die Kapuziner Schuld auf sich geladen. „Wir blicken mit Entsetzen und Scham auf das unsägliche Leid und bitten die Betroffenen um Entschuldigung“, sagt Br. Helmut Rakowski, Provinzialminister der Deutschen Kapuzinerprovinz.
Der Orden hat die ihn betreffenden Fälle im Passauer Bericht bereits aufgearbeitet. Die Kapuziner haben aktiv auf Leitungsebene der Untersuchung in Passau zugearbeitet und dem Forschungsteam seine vorhandenen Unterlagen zur Verfügung gestellt. Im in der Studie erwähnten Fall Norbert Weber haben die Kapuziner im Jahr 2021 gemeinsam mit der Diözese Passau den Missbrauchstäter öffentlich benannt und nach weiteren Betroffenen gesucht.
Im Jahr 2011 hat der Kapuzinerorden eine systematische Aufarbeitung der Missbrauchsfälle für das gesamte deutsche Provinzgebiet in Auftrag gegeben und ein Gutachten erstellen lassen. Die Kernaussagen dieser Studie sind auf der Internet-Seite des Ordens veröffentlicht.
„Wir als Orden haben in den Folgejahren die Kritik und Anregungen dieses Gutachtens umgesetzt und Interventionsprozesse sowie Präventionsstrukturen erarbeitet. Dabei richten wir den Blick vor allem auf die Betroffenen des Missbrauchs. Nie wieder darf das Ansehen der Institution über das Leid des Einzelnen gestellt werden“, sagt Br. Helmut Rakowski.
Die Deutsche Kapuzinerprovinz hat alle von der Deutschen Bischofskonferenz erlassenen und von der Deutschen Ordensoberenkonferenz für ihren Anwendungsbereich adaptierten Leitlinien übernommen und zur Anwendung in der eigenen Ordensprovinz beschlossen. Zu diesen Leitlinien gehört auch das Verfahren zur Anerkennung des Leids im Ordensbereich. „Wir ermutigen Betroffene von Übergriffen und Missbrauch durch Ordensmitglieder, sich bei den ordensexternen Ansprechpersonen zu melden“, sagt Bruder Helmut.
Einher ging die Aufarbeitung mit Präventionsmaßnahmen im Orden. Es gilt die Präventionsrahmenordnung der Bischofskonferenz, die unter anderem einen Verhaltenskodex enthält und regelmäßige, verpflichtende Schulungen vorsieht. „Uns ist es ernst mit Prävention und Aufarbeitung“, bekräftigt Br. Marinus Parzinger, Präventionsbeauftragter und gewähltes Mitglied des Provinzrates. „Wie wir Kapuziner uns in der Vergangenheit verhalten haben, das war falsch. Daraus haben wir Schlüsse gezogen. Wir arbeiten daran, uns mit klarer Haltung, transparenten Prozessen und dem glaubwürdigen Fokus auf die Betroffenen das Vertrauen wieder zu erarbeiten.“ Mehr zum Thema Prävention, Missbrauch und Grenzüberschreitungen lesen Sie in einem aktuellen Interview mit Br. Marinus.
