
FOTO: KAPUZINER/RAKOWSKI
Einladung zum Genuss und Aufruf zur Verantwortung
Fast 100 Pflanzen wachsen im kleinen Garten der Kapuziner in Alassio. Bruder Remo Lupi (63) pflegt sie mit Leidenschaft. Die Pflanzen sind eine Einladung, die Schönheit der Schöpfung zu genießen. Gleichzeitig rufen sie zur Verantwortung gegenüber der Schöpfung auf.
Das kleine Kapuzinerkloster im italienischen Alassio liegt direkt am Strand. Die Stadt, an der ligurischen Riviera zwischen Genua und Nizza gelegen, ist ein Touristenmagnet, seit vor 150 Jahren die Briten den Ort für sich entdeckt haben. Hier, wo sich im Sommer die Einwohnerzahl verachtfacht, hat ein Kapuziner die Außenanlagen des Klosters in ein kleines Paradies verwandelt.
Bruder Remo Lupi ist Laienbruder, 63 Jahre alt und aktueller Guardian der Klostergemeinschaft. Seine religiösen Bücher sind bekannt in Italien. Im Jahr 2007 hat er hier sein Projekt „Sonnengesang“ verwirklicht. In 160 Blumentöpfen wachsen fast 100 verschiedene Pflanzen und Kräuter, deren Farben und Duft die vorbeiziehenden Touristen verzücken. Alles ist fein säuberlich mit der lateinischen botanischen Bezeichnung versehen, die Töpfe tragen außerdem Schilder mit dem italienischen Namen. Mittendrin eine Tafel mit dem Text des Sonnenliedes, das der heilige Franziskus vor 800 Jahren verfasst hat. Br. Remo ist überzeugt: „Die Bewahrung der Schöpfung ist der einzige Weg, wenn wir eine Zukunft haben wollen!“
Für Br. Remo Lupi sind seine Pflanzen ein Lächeln für alle, die an dem Klösterchen vorbeiziehen: „Die Menschen erzählen mir, dass sie sich beim Anblick der schönen Blumen entspannen.“ Der Kapuziner verbringt täglich mehrere Stunden in seinem Gärtchen, um die Pflanzen zu gießen, Blätter zu entfernen und trockene Blüten wegzuschneiden. Gelegenheit, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Die einen erbitten gärtnerische Ratschläge, die anderen kommen über die religiösen Impulse ins Gespräch, die er angebracht hat. Manchmal zeigt er dann seinen Gesprächspartnern das Kreuz, das er aus einem Ficus benjamina geformt hat. Oder er erklärt den Namen der Passionsblume, den Jesuiten Anfang des 17. Jahrhundert geprägt haben sollen, weil man in der Blüte die Dornenkrone Jesu erkennen kann und die Nägel, mit denen er ans Kreuz geschlagen wurde. Je nach Jahreszeit gibt es unterschiedliche Pflanzen zu sehen und zwischen der Pracht der Natur entdecken die Vorbeigehenden immer neue Impulse, die sich auf kleinen Tafeln verbergen.
In seinem Büchlein „Mutter Erde, Bruder Sonne, Schwester Wasser – Reflexionen zur Bewahrung der Schöpfung“ (hier auf italienisch) erinnert Br. Remo dran, dass der heilige Franziskus inspiriert war, „von der Bibel, dem Buch des Wortes Gottes, und von der Schöpfung, dem Buch der Taten Gottes“. Der Poverello von Assisi lehrt uns, so schreibt er, alle Geschöpfe zu respektieren, denn sie begleiten unser Leben und öffnen uns die Augen für die Schönheit der Schöpfung.“
Zum 800. Jubiläum des Sonnengesangs, den Franz von Assisi 1225 verfasst hat, strahlt der Garten von Bruder Remo Lupi besonders. „Die Blumen verschönern unser Leben: äußerlich wie innerlich.“
Text: Br. Helmut Rakowski
