Interview

FOTO: SLW/GERHARD BERGER

Br. Erich Geir

wur­de 1945 in Navis (Tirol) gebo­ren und ist seit 1966 Kapu­zi­ner. Im Jahr 1975 wur­de er zum Pries­ter geweiht. Br. Erich lebt im Kapu­zi­ner­klos­ter in Innsbruck. 

15. Janu­ar 2026

Mit Leib und Seele Gottes Gärtner

Br. Erich Geir trug über Jahr­zehn­te für den Kapu­zi­ner­or­den Ver­ant­wor­tung. Im Inter­view spricht der öster­rei­chi­sche Kapu­zi­ner über ein Leben im Dienst Got­tes und sei­ne Lei­den­schaft fürs Berg­stei­gen und Gärtnern. 

Das ver­gan­ge­ne Jahr 2025 war ein beson­de­res Jahr für Sie, Br. Erich: Zum einen hat sich am 27. Juli Ihr Pries­ter­ju­bi­lä­um zum 50. Mal gejährt, zum ande­ren stand am 22. Sep­tem­ber der 80. Geburts­tag im Kalen­der. Wel­ches Datum bedeu­tet Ihnen mehr?

Br. Erich Geir: Das Geburts­da­tum ist natür­lich sehr wich­tig, denn sonst wäre ich ja nicht auf der Welt (lacht). Aber in mei­ner lebens­lan­gen Sehn­sucht, Men­schen für Jesus zu begeis­tern, bedeu­tet mir die Pries­ter­wei­he fast noch mehr.

Sie sind als Sohn einer Berg­bau­ern­fa­mi­lie in Navis und Schmirn auf­ge­wach­sen. Wel­che Rol­le spiel­te Reli­gi­on in Ihrer Kindheit?

Eine sehr wich­ti­ge! Mei­ne Oma hat mich schon als klei­nen Buben oft in die Kir­che mit­ge­nom­men. Dort hat mir sehr impo­niert, wie der Pfar­rer vor­ne am Altar die Mes­se mit so viel Leben gefei­ert hat. Die­ses Bild tra­ge ich noch immer in mir, es hat die­se Sehn­sucht nach Gott in mir geweckt, die mir stets geblie­ben ist.

Wann war Ihnen klar, dass Sie Ihr Leben in den Dienst Got­tes stel­len wollen?

Mit 14 bin ich mit dem Zug nach Matrei gefah­ren und habe auf der Fahrt einen Kapu­zi­ner getrof­fen, der mich gefragt hat, was ich denn machen will, wenn ich mit der Schu­le fer­tig bin. Als ich ihm erzählt habe, dass ich tat­säch­lich vor­ha­be, Pries­ter zu wer­den, hat er mich ein­ge­la­den, das Kapu­zi­ner­se­mi­nar in Bre­genz zu besu­chen. Die­ser Ein­la­dung bin ich gefolgt. Und bald war mir klar: Die­se Begeg­nung war kein Zufall, sie war eine Fügung.

Sie sind im Jahr 1966 in den Kapu­zi­ner­or­den ein­ge­tre­ten. Die Kapu­zi­ner ste­hen für eine arme Kir­che und für das Bestre­ben, den ganz nor­ma­len Men­schen bei­zu­ste­hen und Mut zu machen. Was gibt Ihnen die­ses Credo?

Ich ver­eh­re den Hei­li­gen Fran­zis­kus sehr – wegen sei­ner Lob­prei­sung der Schöp­fung und wegen sei­ner gro­ßen Men­schen­lie­be, die auch mir so wich­tig ist. Man muss die Men­schen mögen und Rück­sicht und Nach­sicht haben mit ihren Feh­lern. Per­fek­tio­nis­mus erzeugt nur Stress und ist ver­steck­ter Egoismus.

Hat­ten Sie eigent­lich jemals einen ande­ren Berufswunsch?

Ja! Ich wäre auch gern ein Gärt­ner gewor­den. Bis heu­te lie­be ich Blu­men und ver­schen­ke sie auch oft. Und wenn ich in ein gro­ßes Glas­haus kom­me, dann sehe ich sofort, wel­che Blu­men welk sind und Was­ser brau­chen. Dafür hab‘ ich eine Gabe!

Auf gewis­se Art sind Sie ja ein Gärt­ner gewor­den. Sie sehen und spü­ren, wel­che Men­schen Pfle­ge und Zuge­wandt­heit brau­chen. Also: wen Sie „gie­ßen“ müssen.

Ja, das stimmt. Ich spü­re, wenn Men­schen in Not sind. Wenn Kin­der in Not sind, geht mir das beson­ders nahe. Das führt mich auch zu mei­ner ursprüng­li­chen Begeg­nung mit dem slw, dem Kin­der­hilfs­werk der Kapu­zi­ner in Inns­bruck, wo ich vor knapp 60 Jah­ren zum ers­ten Mal als Feri­en­be­treu­er in der Buben­burg aus­ge­hol­fen habe. Und seit­her bin ich dort hän­gen geblieben.

Seit­her haben Sie in die­sem Kin­der­hilfs­werk ver­schie­dens­te Posi­tio­nen beklei­det – etwa als Seel­sor­ger. Was bedeu­tet Ihnen die­se Tätigkeit?

Das slw hilft mit, die leib­li­chen Wege der Barm­her­zig­keit zu leben und sich mit gan­zer Kraft für Teil­ha­be und Inklu­si­on ein­setzt. Mir per­sön­lich war und ist die Arbeit mit Men­schen, die nicht auf der Son­nen­sei­te leben, immer ein gro­ßes Anlie­gen. Bei mei­ner Tätig­keit im slw habe ich erfah­ren, dass vie­le die­ser Men­schen in der Reli­gi­on Hil­fe fin­den – und die­se Sehn­sucht nach Gott kann ich ein wenig stillen.

Höre ich rich­tig her­aus, dass Ihnen Ihre Auf­ga­be als Seel­sor­ger am meis­ten bedeutet?

Ja! Ganz beson­ders wich­tig ist mir, die Men­schen in ihren Her­zen zu tref­fen. Dabei hilft mir der Satz von Papst Fran­zis­kus, der in mir stets wach ist. „Geht hin­aus an die Rän­der!“, hat er gesagt. Und an die­sen Rän­dern befin­den sich auch Men­schen mit Behin­de­run­gen oder Men­schen, die aus dem Nest gefal­len sind. Für sie will ich da sein!

Sie gehen nicht nur hin­aus an die Rän­der, son­dern als lei­den­schaft­li­cher Berg­stei­ger, Klet­te­rer und Ski­fah­rer auch hin­auf in die Höhe. Was geben Ihnen die Berge?

Da möch­te ich Alt-Bischof Rein­hold Ste­cher zitie­ren, von dem fol­gen­der Spruch stammt: „Vie­le Wege füh­ren zu Gott. Einer über die Ber­ge.“ Die Ber­ge sind für mich eine Her­aus­for­de­rung, sie ermög­li­chen mir eine haut­na­he Begeg­nung mit der Natur. Für mich gibt’s nichts Schö­ne­res, als auf einem Gip­fel zu ste­hen und die­se Weit­sicht zu erle­ben, die einer Befrei­ung gleich­kommt und die einen näher zu Gott bringt.

Mit 80 Jah­ren schaut man sicher ein Stück weit zurück im Leben. Gibt es etwas, das Sie bereuen?

Ja, es gab Momen­te, von denen ich mir heu­te den­ke, dass ich nicht „gscheit“ gehan­delt habe. Und wo ich mir Vor­wür­fe mache, weil Men­schen wegen mir viel­leicht nicht zu Gott gefun­den haben oder sich von der Kir­che ent­fernt haben. Wenn man älter wird, beginnt man ganz auto­ma­tisch, das Leben zu ord­nen – und da muss ich ganz selbst­kri­tisch sagen, dass ich sicher auch Feh­ler gemacht habe.

Mit 80 darf man auch nach vor­ne schau­en. Wel­che Gip­fel wol­len Sie noch erklimmen?

Ich wün­sche mir, dass ich noch mög­lichst lan­ge mobil blei­be – sowohl kör­per­lich als auch geis­tig. Und dass ich nach wie vor in der Seel­sor­ge mit und bei den Men­schen sein kann, um ihnen einen fro­hen Glau­ben vor­zu­le­ben und zu ver­kün­den. Ich will ihnen zei­gen, dass Reli­gi­on eine sinn­vol­le Lebens­hil­fe sein kann. Dafür bren­ne ich – auch mit 80.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Das Inter­view führ­te Chris­tia­ne Fasching für „fide­lis“, das Maga­zin des slw in Inns­bruck

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