
FOTO: Französische Kapuziner
BR. JEAN DAMASCÈNE DE LA JAVIE
wurde 1890 im französischen La Javie geboren. 1924 legte er seine ewigen Gelübde als Kapuziner ab, 1928 wurde er zum Priester geweiht. Er starb 1979.
Br. Jean Damascène de la Javie: Mut und Hoffnung in Kriegszeiten
Im zweiten Weltkrieg mussten hunderttausende Franzosen als Zwangsarbeiter in Nazi-Deutschland arbeiten. Mutige Priester wie der Kapuziner Jean Damascène de la Javie (1890–1979) standen ihnen heimlich zur Seite – unter Lebensgefahr.
Am 13. Dezember 2025 wurden fünfzig Franzosen von der katholischen Kirche feierlich als „Märtyrer des Apostolats” anerkannt, weil sie während des Zweiten Weltkriegs die Strapazen des Zwangsarbeitsdienstes („Service du travail obligatoire“, STO) bis zum höchsten Opfer ertragen hatten. Ein bewegender Anlass, an dem ich auch an meinen Kapuziner-Mitbruder Jean-Damascène de la Javie denken musste. Auch er war seinerzeit mit der Erfahrung des STO konfrontiert und teilte in Stille, Treue und Hingabe das Schicksal so vieler Männer, die von der Geschichte geprüft wurden und die ihrem Gewissen bis zum Ende treu blieben.
Dieser Pflichtarbeitsdienst, also die im Jahr 1943 vom Vichy-Regime eingeführte Zwangsrekrutierung und Deportation französischer Arbeiter nach Nazi-Deutschland, bleibt eines der größten Traumata der französischen Geschichte. Es war eine brutale Entwurzelung, die vom französischen Staat nach dem Vorbild des Militärdienstes eingeführt wurde und junge, wehrfähige Männer der Jahrgänge 1920, 1921 und 1922 zwang, in Deutschland zu arbeiten.
Fast 300.000 Franzosen im Alter von 19 bis 25 Jahren wurden auf diese Weise zum Dienst eingezogen. Die Verweigerung zog schwere Strafen nach sich: Geldstrafen, Freiheitsstrafen oder Repressalien gegen die Familie. Um sich der STO zu entziehen, musste man untertauchen, sich gefälschte Papiere beschaffen und sich auf Hilfsnetzwerke stützen.
Kirchliches Leben im Verborgenen und unter Lebensgefahr
Insgesamt wurden etwa 600.000 Franzosen Opfer verschiedener Formen von Zwangsarbeit. Unter den Rekrutierten bildete sich nach und nach ein kirchliches Netzwerk. Da diese Männer nicht dem Kriegsrecht unterlagen, hatten sie eine gewisse Autonomie. Ein verborgenes, aber sehr reales kirchliches Leben organisierte sich, das weder offiziell anerkannt noch formell verboten war. Diese Aktivitäten weckten natürlich die Besorgnis der Nazi-Behörden, da sie sich ihrer Kontrolle entzogen und einen Nährboden für spirituellen und ideologischen Widerstand bildeten.
Im Dezember 1943 wurden alle katholischen Aktivitäten unter den „Zivilarbeitern” offiziell verboten. Eine deutsche Verordnung schrieb die Eliminierung aller Personen vor, die eine religiöse Mission unter französischen Arbeitern ausübten. Von da an befanden sich die nach Deutschland geschickten Priester, die mit ihrer Soutane über den Schultern die zur Zwangsarbeit verpflichteten Arbeitern begleiteten, in Lebensgefahr.
Diejenigen, die durchhielten, wurden einige Monate später verhaftet, verurteilt und ermordet. Zu ihnen zählen auch die fünfzig Märtyrer des Apostolats, von denen bereits die Rede war. Die Aussagen der Überlebenden zeugen von ihrer unerschütterlichen Treue zu den Entscheidungen, die sie dazu gebracht hatten, ihren Brüdern im Pflichtarbeitsdienst zu dienen und trotz der allgegenwärtigen Todesgefahr ihrem Engagement treu zu bleiben.
Jean Damascène de la Javie: eine Berufung, geprägt von Prüfungen
In diese Geschichte fügt sich der Werdegang des Kapuziners Jean Damascène de la Javie ein, den man anhand seiner eigenen Schriften und den Zeugnissen seiner Mitbrüder nachvollziehen kann. Er wurde am 27. November 1890 in La Javie als Alfred Buisson in eine christliche Familie geboren und wuchs in einem kinderreichen Haushalt auf, in dem Arbeit und Glaube den Alltag bestimmten.
Nach dem Besuch der Schule und einer Sekundarschulausbildung, während der er oft wegen seiner Ausrutscher zurechtgewiesen und sogar bestraft wurde, trat er im August 1914, noch nicht einmal sechzehn Jahre alt, ins Noviziat ein. Da er als zu jung angesehen wurde, wurde er aufgefordert, „in der Welt zu warten”, und nahm verschiedene Jobs an, um Erfahrungen zu sammeln: unter anderem als Straßenbahnangestellter und Hafenarbeiter.
Im März 1917 trat er in das 111. Infanterieregiment ein, wurde im Kampf verwundet und diente anschließend in Marokko, bevor er 1918 endgültig in das Noviziat in Lyon eintrat. Und so wurde er zum „Bruder Jean Damascène de la Javie“. Der junge Ordensmann legte 1924 seine ewigen Gelübde ab und wurde 1928 in der Trappistenabtei von Aiguebelle zum Priester geweiht. Sein apostolisches Leben konzentrierte sich auf Gemeindemissionen, Exerzitien und die Verbreitung des Franziskaner-Drittordens, wobei er gleichzeitig seine Leidenschaft für Geschichte und Archive pflegte.
Der Zweite Weltkrieg bedeutet dann einen entscheidenden Bruch in seinem Leben. 1940 zum Militärdienst einberufen, versucht er vergeblich, den Dienst im Büro zu vermeiden, um an die Front zu kommen. Er wird an die Somme geschickt, erlebt Feuer, Niederlage und Flucht, bevor er im Sommer 1940 in sein Kloster in Clermont zurückkehrt.
Zwangsarbeit und Seelsorge in München
Dort nimmt er sofort seinen Dienst wieder auf, wird jedoch 1942 nach Marseille versetzt. Als er zu einer Mission in die Ardèche geschickt wird, kommt es zu einem Gespräch mit einem Jesuitenpater, der seinen Wunsch äußert, als Arbeiter eingestellt zu werden und als illegaler Priester mit den zum Arbeitsdienst eingezogenen Männern zu gehen.
Diese Gespräche überzeugen ihn schnell davon, dass man die in Deutschland arbeitenden Franzosen nicht ohne geistliche Hilfe lassen sollte. „Meine Mitbrüder ermutigten mich. Am 3. Mai legte ich dem Provinzialminister mein Vorhaben in einem Brief dar, und er antwortete am 7. Mai und drückte seine Freude darüber aus: Ich bewundere Ihren Mut und bin gerne bereit, Ihnen bei der Verwirklichung Ihres Vorhabens zu helfen, das Heldentum erfordert.“
Am 26. Juli geht es los: Ausgestattet mit einem Celebret, das seine bürgerliche Identität bestätigte, erscheint er in weltlicher Kleidung im Büro für freiwillige Anstellungen. Man zögert, ihn wegen seines zu niedrigen Blutdrucks aufzunehmen, aber ein befreundeter Arzt schaltet sich diskret ein. Am 8. August kommt Br. Jean nach München, zum Kapuzinerplatz, wo ihn die Firma Metzeler für die Herstellung von Synthesekautschuk einstellt. Seine Aufgabe ist es, Stoffstreifen für Reifen zuzuschneiden.
Br. Jean Damascene ist im französischen Lager untergebracht, eine halbe Stunde Fußweg von seinem Arbeitsplatz entfernt. Als Teil eines Teams, das mal tagsüber, mal nachts im Einsatz war, gerät er mehrfach unter Beschuss. Anfangs kann er nur sonntags die Messe lesen und beichtet auf Latein bei einem deutschen Priester. Doch bald entdecken seine Kameraden, dass er Priester ist, einer von ihnen fällt ihm um den Hals mit den Worten: „Und ich bin vom Franziskanerorden!“
Der Lagerleiter vertraut ihm daraufhin die Sozialhilfe und die Bibliothek an. So entdeckt er weitere heimliche Priester, darunter Pater Santer, einen Assumptionisten, der ihn mit der von Abbé Rodhain organisierten heimlichen Seelsorge in Verbindung bringt. Seine Aufgabe besteht darin, Beichten abzunehmen, Einzelunterricht im Katechismus zu erteilen und Messen zu organisieren. Zu Weihnachten, um Mitternacht, predigt er auf Französisch, nachdem er einige Worte in ihrer Sprache an die anwesenden Italiener gerichtet hat.
Messe feiern in zerstörten Kirchen
Bald wird er auch außerhalb des Lagers die Messe feiern, in den Krypten der Kirchen, deren Oberbauten durch Bombenangriffe zerstört wurden. Oft werden sie durch Fliegeralarm unterbrochen, und in solchen Fällen erteilt er manchmal kollektive Absolutionen. Er vergisst auch einen Kollegen nicht, der zum Arbeitsdienst eingezogen wurde, aber weit von ihm entfernt ist; er tröstet ihn durch seinen Briefwechsel.
Dann drängen ihn seine Arbeitskollegen, die Firma Metzeler zu verlassen und Krankenpfleger in der Klinik Maria-Theresa zu werden. Diese Klinik wird von Nonnen geführt, die ihm helfen, Lebensmittelpakete den in Dachau inhaftierten Bischof von Clermont zu packen. Er kann nun regelmäßig Religionsunterricht geben, Exerzitien organisieren und Erwachsenentaufen durchführen. Darüber hinaus wird er zum Seelsorger der Jugendbaustellen ernannt. Er besucht französische Krankenhauspatienten, wofür er einen offiziellen Passierschein erhalten hat.
Inmitten all dieser apostolischen Arbeit sieht er am 30. April die amerikanischen Panzer anrollen, während weiße Tücher aus den Fenstern hängen. Er wird zum Seelsorger der Rückführungsmission ernannt und trägt wieder das Ordenskleid.
Am 7. Juni ist er zurück in Marseille. Die Kommunisten im Repatriierungszentrum wollen ihn erschießen, weil er freiwillig nach Deutschland gegangen ist. Er wird wütend, schreit, schlägt mit der Faust auf den Tisch und fordert die Ehrenlegion, einen Verdienstorden. Am Ende sind seine Ankläger so sehr unterlegen, dass ihnen nichts anderes übrigbleibt, als ihn an die Militärsicherheit zu überstellen. Dort wird alles geregelt. Er erhält allerdings nicht das rote Band der Ehrenlegion, sondern er muss sogar die in Paris erhaltene Prämie von 1000 Francs zurückzahlen, da er weder deportiert noch zur Arbeit verpflichtet wurde. Die Seelsorge für Kriegsgefangene stellt ihm zwei Monate später eine Bescheinigung aus, aus der hervorgeht, dass er im Rahmen des Widerstands nach Deutschland gegangen war und dort wirksame Arbeit in der geheimen Seelsorge für Deportierte geleistet hatte.
Die Zeit der stillen Fruchtbarkeit
Ab 1945 nahm Pater Jean-Damascène seine Tätigkeit als Prediger und seinen Dienst im Orden wieder voll auf. Er war nacheinander in Marseille bei Familien, dann in Bastia und schließlich in Besançon tätig. Er war damals 74 Jahre alt. Sich selbst treu bleibend, war er weiterhin von vorbildlicher Strenge: pünktlich in der Einhaltung der Regeln und streng in seiner Lebensweise. So schlief er auf einem provisorischen Bett aus drei Brettern, die auf Böcken lagen, trug Sandalen mit Holzsohlen und bewahrte sogar in einer Ecke seiner Zelle, getreu der Kapuziner-Tradition, ein Bündel Rebholz als Kissen auf, das für sein Begräbnis vorbereitet war. Seine letzte Predigtreise unternahm er im Alter von 76 Jahren nach Saint-Étienne-de-Lugdarès. Von da an widmete er sich hauptsächlich der Restaurierung und Organisation der Klosterbibliothek.
Allmählich verschlechtert sich sein Gesundheitszustand. Der Arzt diagnostiziert eine besorgniserregende Herzschwäche und schreibt ihm eine radikale Verlangsamung des Lebensstiles vor: etwa ein Ende der strengsten Vorschriften, eine obligatorische Ruhepause und die Akzeptanz eines bequemeren Bettes. Der Ordensmann gehorcht zwar, nimmt sich jedoch einige Freiheiten heraus, insbesondere lange Gebetszeiten im Chor und Besuche in der Bibliothek. Gegenüber seinen Mitbrüdern bewahrt er sich seine spritzige Schlagfertigkeit, auch wenn man merkt, dass seine Energie nachlässt.
Am 8. Juli 1979 kommt unsere Schwester Tod zu ihm. Damit endet der Lebensweg eines Mannes und eines Kapuzinerbruders, der wie die von der Kirche anerkannten Märtyrer des Apostolats eine unauffällige, aber unerschütterliche Treue verkörpert. Eine Heiligkeit des Alltags, die im Gehorsam gegenüber dem Gewissen und in der Selbsthingabe geschmiedet wurde.
Br. Jean Damascene starb nicht im strengen Sinne als Märtyrer, aber er erlebte etwas, das man als inneres und freiwilliges Martyrium bezeichnen könnte: das Martyrium des bewussten Risikos, des freiwilligen Verzichts, der täglichen Konfrontation mit Angst, Einsamkeit und Unverständnis, aus Liebe zu den Seelen, die seiner Fürsorge anvertraut waren.
Vorbild an Mut und Klarheit
Sein Heldentum hat nichts Spektakuläres. Es entspringt weder Ideologie noch Romantik, sondern einer evangelischen Klarheit: Not erkennen, die spirituelle Dringlichkeit erkennen und ohne Berechnung reagieren. Mit seiner Entscheidung, als illegaler Arbeiterpriester nach Deutschland zu gehen, hat er eine Tat vollbracht, in der Geschichte, Glaube und menschliche Freiheit zusammenkommen. Durch sein Vorbild erinnert er daran, dass kein System, wie unterdrückerisch es auch sein mag, die Würde des Menschen nehmen oder den Durst nach Sinn und Transzendenz vollständig ersticken kann und darf.
Und so gehören die Prüfungen des STO, das Zeugnis der Märtyrer des Apostolats, aber auch das einfache und aufrichtige Leben unseres Bruders Jean Damascène de la Javie keineswegs der Vergangenheit an, sondern bleiben Orientierungspunkte für uns Kapuziner des 21. Jahrhunderts wie auch für alle Männer und Frauen unserer Zeit. Sie ermahnen uns, wachsam gegenüber Angriffen auf die Freiheit des Menschen zu bleiben, das Vergessen als einen zweiten Tod abzulehnen und die Prüfungen von gestern zur Quelle der Klarheit, des Mutes und der Hoffnung von heute werden zu lassen.
Autor: Br. Jean-Marcel Rossini, französischer Kapuziner
Übersetzung: DeepL, Bearbeitung und Kürzung: Tobias Rauser
