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FOTO: Wolf­gang Terhörst

BR. MICHAEL WIES

ist Jahr­gang 1982 und wur­de in Coes­feld in West­fa­len gebo­ren. Er lebt als Kapu­zi­ner im Kapu­zi­ner­klos­ter St. Kon­rad in Altötting. 

26. Febru­ar 2026

Br. Michael in Altötting: Durchatmen, schauen und hören

Seit Anfang des Jah­res lebt Br. Micha­el Wies in Alt­öt­ting. Der Kapu­zi­ner kommt aus Frank­furt und fin­det sei­ne inne­re Ruhe im Glau­bens­le­ben – und mit einem beson­de­ren Hobby.

Bru­der Micha­el Wies redet schnell, denkt schnell und han­delt schnell. Und er weiß es. „Ich bin Frank­fur­ter Tem­po gewohnt“, erklärt Br. Micha­el mit Ver­weis auf die ver­gan­ge­nen elf Jah­re mit­ten in der hes­si­schen Groß­stadt, wo das Kapu­zi­ner­klos­ter Lieb­frau­en liegt. Im Juni­o­rat, als Aus­zu­bil­den­der sei­nes Ordens hat­te er 2014 begon­nen und zum Schluss die Ver­ant­wor­tung als Lei­ter des Klos­ters selbst, der Obdach­lo­sen-Ein­rich­tung Fran­zis­kus­treff samt der gleich­na­mi­gen Stif­tung getra­gen. Br. Micha­el hat viel bewegt in der schnell­le­bi­gen Finanzmetropole.

Doch nun wird sich der jun­ge Kapu­zi­ner (43) ein wenig umge­wöh­nen müs­sen. Seit Anfang des Jah­res ver­stärkt er die Gemein­schaft im Alt­öt­tin­ger St. Kon­rad-Klos­ter – und hat schnell gemerkt, dass in der baye­ri­schen Pro­vinz die Uhren etwas lang­sa­mer gehen. „Ich muss mich jetzt echt in Geduld üben“, gibt Br. Micha­el zu – aber auch, dass es ihm gut­tue nach den Frank­fur­ter Jah­ren. Er genie­ße die Stil­le und die Regel­mä­ßig­keit der Gebets‑, Essens- und Ruhe­zei­ten in St. Kon­rad: „Ich mer­ke jetzt deut­lich, wie mein Kör­per erst­mal run­ter­fährt“. Und er folgt damit der wohl­mei­nen­den Wei­sung sei­nes Ordens­obe­ren Br. Hel­mut Rakow­ski: „Bru­der Micha­el, bit­te hin­hö­ren, zuhö­ren, lang­sam“. Er sol­le sich in Ruhe ein­ar­bei­ten und die Brü­der­ge­mein­schaft kennenlernen.

Dafür ist er dank­bar, denn als frisch ernann­ter Vize-Prä­ses im SLW Bay­ern soll er nach und nach Prä­ses Br. Mari­nus Par­zin­ger in der Lei­tung der Kin­der- und Jugend­hil­fe­stif­tung mit ihren bay­ern­weit 1100 Mit­ar­bei­tern in acht Ein­rich­tun­gen und 37 Stand­or­ten ent­las­ten. Der Auf­trag sei anders als in Frank­furt, „und der Ort ist ganz anders, die Kul­tur ist anders – da ist es schon ganz gut, wenn ich jetzt ein biss­chen durch­at­men kann, ein wenig schau­en und hören.“ Das gilt auch für die Klos­ter­ge­mein­schaft, in der er sich gera­de ein­lebt, wo die älte­ren Mit­brü­der ihm einen Ver­trau­ens­vor­schuss gege­ben und in den Haus­vor­stand gewählt haben. In St. Kon­rad über­nimmt Bru­der Micha­el Mit­ver­ant­wor­tung für Pfor­ten­dienst, Sakris­tei, Küche und Hep­doma­dar­dienst (Vor­be­ter). Er kön­ne zwar als „Jung­spund“ neue Per­spek­ti­ven, neu­en Schwung ins Klos­ter­le­ben brin­gen, wol­le aber signa­li­sie­ren: „Hey, ich bin jetzt hier kein Unru­he­stif­ter, aber viel­leicht berei­chern wir uns gegenseitig!“

Auch wenn Br. Micha­el sehr ger­ne in Frank­furt war und dort beruf­lich wie pri­vat bes­tens ver­netzt – gezö­gert hat er beim Anruf des Pro­vin­zi­als nicht. Ver­set­zun­gen gehör­ten einer­seits zum Kapu­zinerle­ben dazu und die Auf­ga­be in Alt­öt­ting mit dem SLW bie­te ihm ande­rer­seits neue span­nen­de Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten in sei­nem Spe­zi­al­ge­biet Stif­tungs­we­sen. Bes­tens vor­be­rei­tet dafür ist Br. Micha­el ohne­hin: Berufs­aus­bil­dung als Bank­kauf­mann, Stu­di­um des Sozi­al­we­sens an der Katho­li­schen Hoch­schu­le Müns­ter (Abschluss Diplom-Sozi­al­ar­bei­ter und Diplom-Päd­ago­ge) sowie jede Men­ge prak­ti­sche Erfah­rung samt Aus­lands­ein­satz auf den Phil­ip­pi­nen wäh­rend der Ordensausbildung.

Dabei war kei­nes­wegs vor­pro­gram­miert, dass er ein­mal Ordens­bru­der wer­den wür­de. Er sei zwar in einem katho­li­schen Eltern­haus auf­ge­wach­sen und tief ver­wur­zelt in der Spi­ri­tua­li­tät sei­nes Geburts­or­tes Coes­feld im west­fä­li­schen Müns­ter­land mit der Ver­eh­rung des Hei­li­gen Kreu­zes und der seli­gen Anna Katha­ri­na Emme­rich sowie jah­re­lang enga­giert als Mess­dien­erlei­ter – habe aber eigent­lich nach der Berufs­aus­bil­dung eine Fami­lie grün­den und Kin­der bekom­men wol­len. Die Wen­de kam wäh­rend einer Jugend­wall­fahrt ins fran­zö­si­sche Vézelay 2006, wo Micha­el Wies die Bio­gra­fien des hei­li­gen Fran­zis­kus und der hei­li­gen Kla­ra ken­nen­ge­lernt habe. „Nach die­ser Pil­ger­rei­se habe ich gemerkt, dass mich die­se Such­fra­ge des hei­li­gen Fran­zis­kus nicht mehr los­ge­las­sen hat: Wor­aus lebe ich?“

War­um er am 4. Okto­ber 2007 schließ­lich bei den Kapu­zi­nern ein­ge­tre­ten ist? „Ich wuss­te im Her­zen, wenn ich mich aus­ein­an­der­set­ze, dann mit der fran­zis­ka­ni­schen Spi­ri­tua­li­tät“, erklärt Bru­der Micha­el. Fran­zis­kus und die Armut, der Rand der Gesell­schaft: „Das ist mein Leib- und Magen­the­ma. Gerech­tig­keits­fra­gen, die haben mich immer fasziniert.“

Er möch­te nun erst ein­mal in Alt­öt­ting Fuß fas­sen, aber mit der Zeit ger­ne Akzen­te set­zen in der Lebens­be­glei­tung und ‑bera­tung für Men­schen, die nach fran­zis­ka­ni­schen Wer­ten suchen. Er sei jeder­zeit ansprech­bar: „Ich glau­be, ich bin ja erkenn­bar“, betont Br. Micha­el mit Ver­weis auf sei­nen Habit, die kapu­zi­ni­sche Ordens­tracht. Die­se trägt er sehr kon­se­quent: „Ja, ich habe da eine Sendung.“

Aus­gleich fin­det der jun­ge Kapu­zi­ner beim Fahr­rad­fah­ren, schwim­men oder wan­dern: „Ich bin ger­ne in der Natur“. Bru­der Micha­el ist sehr gesel­lig, ger­ne unter Men­schen, genießt aber auch die ruhi­gen Momen­te: „Ich habe die letz­ten Wochen viel gele­sen, Musik gehört und ein­fach viel Tee getrun­ken.“ Wobei wir bei sei­ner gro­ßen Lei­den­schaft im Pri­va­ten wären: Tee. Er genießt ihn nicht nur, son­dern beschäf­tigt sich seit eini­gen Jah­ren inten­siv mit den Urpflan­zen des Tees in sei­nen Anbau­ge­bie­ten. Und wenn Bru­der Micha­el dann sei­ne Mit­brü­der auf einen Tee­nach­mit­tag ein­lädt, ver­bin­den sich Gelas­sen­heit und Gesel­lig­keit auf wun­der­ba­re Weise.

Text und Foto: Wolf­gang Ter­hörst. Der Bei­trag ist zuerst im Pas­sau­er Bistumsblatt/Altöttinger Lieb­frau­en­bo­te erschienen. 

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