
FOTO: KAPUZINER/KIÊN HÓANG LÉ
BR. SIEGFRIED HUBER
1934–2025
Br. Siegfried Huber in München gestorben
Am 1. September ist Br. Siegfried Huber in München-Nymphenburg verstorben. Der Kapuziner und Priester wurde 1934 geboren und lebte unter anderem in den Klöstern in München und Altötting.
Br. Siegfried wurde am 18. Oktober 1934 als erstes Kind der Eheleute Ludwig und Mathilde Huber in Resch am Holz, Gemeinde Halsbach geboren. Wie sein Vater erhielt er bei der Taufe den Namen Ludwig. Mit seinen sieben noch folgenden Geschwistern wuchs er im beschaulichen Halsbach auf, schon früh vertraut mit dem Milchfuhrunternehmen, das sein Vater betrieb.
Nach dem Besuch der Grundschule kam er in das Kapuzinerseminar Burghausen als Seminarist, wo langsam und unter Ringen, wie er bekundete, der Entschluss reifte, Kapuziner zu werden. „Will Gott das wirklich?“, so fragte er sich damals, „das kann er doch nicht von mir verlangen, aber ich kann ja Gott nicht einfach einen Korb geben, also wenn Gott das will, dann mache ich das auch, dann kann es schon nicht so verkehrt sein“, so sagte er sich ermutigend als junger Abiturient und so trat er am 29. August 1956 in Laufen in den Kapuzinerorden ein.
Mit der feierlichen Profess am 30. August 1960 versprach er seine ewige Bindung an den Kapuzinerorden und wurde am 29. Juni 1962 in Eichstätt zum Priester geweiht. Nach Beendigung der pastoralen Ausbildung kam er 1964 zunächst als Seminarpräfekt nach Regensburg, danach in gleicher Funktion von 1966 bis 1970 ins Kapuzinerseminar nach Burghausen. Als Präfekt der jungen Seminaristen war es ihm schon damals ein Anliegen, mit den jungen Buben etwas gemeinsam zu machen, um sie von der Freude des Glaubens begeistern zu können. Den Zugang fand er in der Freude an der Musik und am Musizieren, was ihn Zeit seines Lebens begleiten sollte.
Im September 1970 hieß es für ihn dann nach München, St. Joseph, als Kaplan zu gehen. Zuerst mit gemischten Gefühlen: er als Kind vom Land in einer Großstadt. Ganze 19 Jahre war er dort Kaplan, so lange wie keiner je vor und nach ihm. In dieser Aufgabe ging er ganz und gar auf. Er gründete zuerst einen Kinderchor, aus dem später ein Jugendchor mit Band wurde, der weit über die Stadt München hinaus bekannt wurde und sehr gefragt war. Zahlreiche Gottesdienste, Andachten und Auftritte selbst auf Campingplätzen bis hin nach Kärnten waren die Folge. Zur modernen rhythmischen Kirchenmusik für junge Leute kamen ebenso bayrische Volks- und Stubenmusik ins Repertoire. Veröffentlichte Musikproduktionen kamen zunächst in Form von Schallplatten und Musikkassetten, dann als CD auf den Markt, wovon er gut 40.000 Stück verkaufen konnten. Der Erlös ging an soziale Zwecke.
Im Jahre 1989 wurde er dann als Wallfahrtsseelsorger nach Altötting versetzt, wo seine zweite große Schaffenszeit sich ankündigte. Weiterhin mit seiner Musik und seinem Gesang die Menschen begeisternd, wurde unter seiner Regie als Kustos der Wallfahrt das Jugendübernachtungshaus in St. Magdalena in Betrieb genommen. Den Menschen zugewandt traf man ihn auf dem Kapellplatz, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen.
Im Juni 1998 hieß es erneut Abschied von Altötting zu nehmen. Ausgezeichnet mit dem Ehrenring der Stadt Altötting ging es erneut nach München, um nunmehr als Pfarrer von St. Joseph den Menschen zu dienen, wo er freudig wieder begrüßt wurde. „Haben Sie ein Arbeitskonzept für Ihre neue Aufgabe?“, so wurde er gefragt. Seine Antwort, die bereits eigentlich alles über ihn sagt, war diese: „Wichtig ist, dass ein Seelsorger seine Gemeinde und die Menschen liebt und das im täglichen Umgang mit ihnen auch bezeugt. Dann ist die Arbeit kein Stress, sondern Freude.“ Diese Freude am Leben lebte er mit seiner Gemeinde, die er auf ganz vielfältige Weise in zahlreichen Initiativen verwirklichte.
Eine beginnende Parkinsonerkrankung hatte zur Folge, dass er 2009 seinen Dienst als Pfarrer aufgeben musste und er kehrte nach Altötting zurück, wo er weiterhin als Wallfahrtsseelsorger fungierte und er 2012 sein goldenes Priesterjubiläum in großer fröhlicher Runde feiern konnte. Die Verschlechterung seines gesundheitlichen Zustandes brachte es mit sich, dass er sich Ende 2014 entschied, auf die Pflegestation ins Kloster nach Münster zu ziehen. Soweit es seine Gesundheit erlaubte, war er auch dort noch im Beichtsprechzimmer tätig und nahm rege am Konventsleben teil. Durch die Auflösung der dortigen Pflegestation kam er am 10. Mai 2022 nach München Nymphenburg, wo er sich rasch wieder eingewöhnte und liebevoll bis zum Schluss gepflegt wurde. Er freute sich über jeden Besuch aus seinem weiten Familien- und Bekanntenkreis, den es hier gab.
Br. Siegfried war den Menschen in Freude und Liebe zugewandt. Durch seine humorvolle, leutselige Art, sein musikalisches Talent und sein großes, offenes Herz für die Nöte und Sorgen der Menschen, konnte er viele Menschen begeistern, ermutigen und erfreuen, bis zu seinem Ende. Er konnte gut und schnell Kontakt zu Menschen aufnehmen, so dass ein jeder merken konnte: Hier ist ein Seelsorger, der ist wie Du und Ich, ein Mensch, der die Menschen liebt und gerne mit ihnen den Weg teilt. So lebte er seinen Glauben und sein tiefes Vertrauen an den geheimnisvollen Gott und gab von ihm Zeugnis. Sein Leben war geprägt vom Psalm 150: „Lobt Gott mit Harfe und Zither, lobt ihn mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel! Alles, was atmet, lobe den Herrn.“
Br. Siegfried Huber wurde auf dem Kapuzinerfriedhof an der Basilika in Altötting begraben.
