
FOTO: KAPUZINER/ANITA LEDERSBERGER
BR. PAULUS TERWITTE
ist seit 1978 Kapuziner. Zurzeit leitet er die Kapuzinergemeinschaft in Münster.
Dem Leben vertrauen: Mit Segen und Freiheit in das neue Jahr
Was brauche ich wirklich? Nicht Kontrolle, sondern Hingabe. Neuanfang beginnt dort, wo Vertrauen wächst und Leichtigkeit eingeübt wird. Ein Impuls von Br. Paulus Terwitte.
Neujahr ist für mich kein klarer Schnitt, sondern ein leiser Übergang. Ich spüre, wie viel vom Alten noch bleibt: Gedanken, Müdigkeit, Dankbarkeit. In diesen Tagen hilft mir Franziskus. Er hätte nicht gefragt, was ich mir vornehme, sondern was ich wirklich brauche. Oft ist die Antwort einfach: weniger Ballast, mehr Vertrauen.
Ich habe gelernt, dass Leichtigkeit nicht einfach ist. Sie will eingeübt werden. Franziskus ging leicht, weil er auf Gott so vertraute, dass seine Hände nicht verkrampft festhalten mussten. Er war fest in seinem Herrn Jesus verankert. Seine Liebe macht frei, den Wandel zum Neuen zu leben.
Stärke gewinne ich nicht, indem ich alles kontrollierend bewahren will, sondern indem ich mich hingebe – an den Tag, an das, was möglich ist, an die Brüder, die mir anvertraut sind, denen ich mich anvertraue.
Heute leben. Jeden Tag als Neutag begehen, festlich wie Neujahr. Das ist für mich franziskanisch: dem Leben vertrauen, auch wenn der Weg unklar ist und ich tastend vorangehe.
„Der Herr segne dich und behüte dich“ (Num 6,24). Dieses Wort nehme ich mit in dieses neue Jahr. Kein Auftrag zum Handeln, sondern eher eine Luft, die mich atmen lässt und stärkt, neu zu werden.
