
FOTO: KAPUZINER/ANITA LEDERSBERGER
BR. MICHAEL WIES
lebt als Kapuziner in Altötting. Dort unterstützt er Arbeit des SLW Bayern als Vize-Präses.
Demokratie braucht Orte der Begegnung
Unsere Demokratie steht vor großen Herausforderungen! Br. Michael Wies, Kapuziner in Altötting, sagt in seinem Standpunkt, warum wir mehr offene Räume für den Zusammenhalt brauchen.
Der Mensch ist auf Gemeinschaft angelegt. Einen wichtigen Rückhalt unserer Gesellschaft bilden Vereine und Verbände. Gleichzeitig verändern sich die öffentlichen Debatten. Studien zeigen, dass viele Menschen ihre Meinung nicht mehr offen äußern, obwohl gerade sie unsere Gesellschaft mitprägen.
In einer Zeit, in der vieles vermarktet und verwertet wird, brauchen wir zweckfreie Räume der Begegnung. Orte, an denen Menschen zusammenkommen, miteinander ins Gespräch kommen und Gemeinschaft erleben können.
Echte Orte für Begegnung und Austausch!
Die Welt ist unser Kloster, und wir Kapuziner teilen unsere Gaben und die uns anvertrauten Räume, um zu einer geschwisterlichen Welt beizutragen. Im Klostergarten St. Konrad gibt es eine Brücke über einen Bach. Dort gibt es einen Ort, der immer wieder zu einem Raum der Begegnung wird.
Zahlreiche Vereine und Verbände nutzen diese Infrastruktur für Sommerfeste, Gespräche und gemeinschaftliche Begegnungen im Geist franziskanischer Gastfreundschaft. Genau darum geht es: Räume zu öffnen, die dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen.
Vereine, Verbände und Stiftungen verdienen unsere Unterstützung. Sie stärken den Zusammenhalt und fördern das Miteinander. Auch das ist ein kleiner franziskanischer Beitrag für unsere Gesellschaft.
Nebenbei erfahren wir im Kloster, was unsere Gäste im Alltag bewegt. Wir hören zu, lernen andere Perspektiven kennen und bauen Brücken zwischen Menschen. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag für unsere Demokratie.
Für mich zeigt das: Es lohnt sich, die Türen zu öffnen und andere einzuladen. Davon profitieren am Ende alle. Die Idee des gemeinsamen Hauses und der universellen Geschwisterlichkeit gehört zum Kern franziskanischen Denkens. Sie im Alltag konkret werden zu lassen und immer wieder neu mit Leben zu füllen, bleibt unsere gemeinsame Aufgabe.
