Interview

FOTO: KAPUZINER/LEDERSBERGER

BR. ALEXANDER SCHRÖTER

wur­de 1984 in Ham­burg gebo­ren. Seit 2019 ist er Kapu­zi­ner, zur­zeit lebt er in Salz­burg. Im Okto­ber 2025 leg­te Br. Alex­an­der sei­ne ewi­gen Gelüb­de als Kapu­zi­ner ab.

27. Dezem­ber 2025

„Die Liebe ist am Ende das entscheidende Maß“

Glück, Gehor­sam und Gemein­schaft: Br. Alex­an­der Schrö­ter hat sich ent­schie­den, sein Leben als Kapu­zi­ner zu leben. Was ihn antreibt, sagt er im Gespräch auf kapuziner.org. 

Sie haben vor eini­gen Jah­ren mal gesagt: „Gott möch­te, dass wir glück­lich sind.“ Sind Sie das: glücklich?

Br. Alex­an­der Schrö­ter: Ja, ich bin glück­lich. Ich füh­le einen Zustand der Zufrie­den­heit. Ich bin erfüllt von dem, was ich tue, habe mei­nen Platz gefun­den – auch als Kapuziner.

Sind Sie frei?

Ja, Frei­heit gehört dazu. Ich glau­be, dass wer glück­lich sein will, auch frei sein muss. Damit ist natür­lich eine inne­re Frei­heit gemeint – nicht ein Dienst­plan oder sons­ti­ge Din­ge im Zusam­men­le­ben mit ande­ren Men­schen, die einen immer beschrän­ken. Mei­ne Erfah­rung ist: Da, wo ich mit Gott in Kon­takt kom­me und wach­se, da ent­steht eine inne­re Frei­heit, die mich trägt.

Sie haben im Okto­ber 2025 die ewi­gen Gelüb­de als Kapu­zi­ner abge­legt, dar­un­ter auch Gehor­sam geschwo­ren. Ist das kein Wider­spruch zur Freiheit? 

Nein, das sehe ich nicht so. Natür­lich for­dern mich mei­ne Gelüb­de auch her­aus, das ist ganz nor­mal. Aber ich erle­be es gera­de anders­rum, und das gilt auch für das The­ma Gehor­sam: In mei­nem Leben als Kapu­zi­ner kann ich Din­ge los­las­sen, die mich inner­lich unfrei gemacht haben. Vie­le der Din­ge in mei­nem frü­he­ren Leben haben ver­hin­dert, dass ich inner­lich wach­se. Ich füh­le mich heu­te viel, viel frei­er und leben­di­ger als vor zehn Jahren.

Wie wür­den Sie Ihre Got­tes­be­zie­hung beschreiben?

Chris­tus ist die Lie­be mei­nes Lebens. Die Bezie­hung zu ihm ist ein Weg und ein Aben­teu­er. Denn ich weiß nicht, was in der Zukunft pas­siert. Die größ­ten Aben­teu­er mei­nes Lebens erle­be ich nicht, wenn ich auf Welt­rei­se gehe, son­dern in die Stil­le, in die Bezie­hung mit Gott. Wenn ich mich von ihm füh­ren las­se. In die­sem Dia­log gibt es kei­ne Regeln. Außer, dass es ohne die Stil­le und das Gebet nicht geht. Ich kann für mich sagen: Wenn ich mein Herz öff­ne, macht Gott den Rest.

Lie­be ist ein gro­ßes Wort.

Ja, aber das Wort trifft es genau. Mei­nen Weg mit Chris­tus, den kann ich nur aus Lie­be gehen. Es geht nur, weil ich mich in sei­ner Lie­be gebor­gen weiß. Lie­be ist am Ende des Tages das ein­zig wirk­lich ent­schei­den­de Maß. In der Bezie­hung zu Gott, aber auch mit allen ande­ren Men­schen und in dem was ich tue.

Wie haben Sie Ihre Beru­fung gefunden?

Das war vor unge­fähr sie­ben Jah­ren in einer Zeit, in der Gott plötz­lich weg war und ich ihn nicht mehr wahr­ge­nom­men habe. Da habe ich gemerkt: Ich kann und will kein Leben ohne ihn füh­ren. Mir ist klar gewor­den, was mir die Berüh­rung mit Gott bedeu­tet. Es ging nicht mehr ohne. Da habe ich ent­schie­den: Gott soll ab sofort an ers­ter Stel­le stehen.

Die Ent­schei­dung für ein Ordens­le­ben, wie kam es dazu?

Ich habe mich gefragt, was heißt die­se Lebens­ent­schei­dung für Gott für mich kon­kret? Recht schnell war klar: Für mich könn­te das ein Ordens­le­ben sein. Nach dem ers­ten Schock, denn ich bin eigent­lich ein Sicher­heits­typ, bin ich auf­ge­bro­chen. Ich habe Exer­zi­ti­en gemacht und mir Gemein­schaf­ten ange­schaut. Dass es die Kapu­zi­ner gewor­den sind, war für mich über­ra­schend, denn ich hat­te etwas ande­res im Kopf. Heu­te kann ich sagen: Die­se Ent­schei­dung war die bes­te mei­nes Lebens, denn ich habe durch sie eine neue Frei­heit gewon­nen. Seit­dem gehe ich Schritt für Schritt mei­nen Weg im Orden.

Wann war klar: Das wird eine Ent­schei­dung fürs Leben?

Die­se Ent­schei­dung ist in mei­nem Novi­zi­at in Ita­li­en gereift.

Mit dem Able­gen der ewi­gen Pro­fess ist der Weg nicht zu Ende. Ihre Ent­schei­dung wird immer wie­der mal her­aus­ge­for­dert werden.

Mit Sicher­heit. Aber auch die­se Pha­sen sind gut, denn es braucht die Her­aus­for­de­run­gen. Gott führt uns immer an unse­re eige­nen Gren­zen, damit wir wach­sen und uns auch verändern.

Was erwar­ten Sie von Ihrer Gemein­schaft, von den Brü­dern Kapuzinern? 

Ich wün­sche mir, dass wir eine Gemein­schaft sind: im Gebet und im All­tag. Gemein­schaft bedeu­tet Zuge­wandt­heit, ein­an­der wirk­lich Brü­der sein. Denn die Begeg­nung mit Men­schen und mit den Mit­brü­dern ist Got­tes­be­zie­hung. Das wün­sche ich mir und das ist auch der Anspruch an mich und mei­nen Umgang mit den Brüdern.

Es gibt eini­ge jun­ge Kapu­zi­ner, aber ins­ge­samt schrumpft die Gemein­schaft. Ist das ein The­ma für Sie?

Es ist die Rea­li­tät, des­we­gen beschäf­tigt mich das natür­lich. Ich wür­de mir wün­schen, dass mehr jun­ge Män­ner den Weg als Kapu­zi­ner ein­schla­gen, das ist klar. Ich sehe ja, wie gut die­se Ent­schei­dung für mich war und ist. Gleich­zei­tig hat die­ses The­ma kei­nen Ein­fluss auf die Fra­ge nach mei­ner Beru­fung. Die­se Beru­fung kommt von Gott und ich weiß, dass er mich nur dort­hin führt, wo ich wirk­lich glück­lich sein kann. Und das ist das Leben als Kapuziner.

Was treibt Sie an?

Ich lie­be Chris­tus und seh­ne mich nach ihm.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Das Inter­view führ­te Tobi­as Rauser

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