Interview

FOTO: KAPUZINER/ANITA LEDERSBERGER

BR. BERND KOBER

lebt als Kapu­zi­ner und Pries­ter in Frank­furt am Main. Dort ist er Seel­sor­ger an der Frank­fur­ter Lieb­frau­en­kir­che. Br. Bernd ist Jahr­gang 1972 und trat 1999 in den Orden ein.

28. Sep­tem­ber 2026

„Ein Hinübergehen zu Gott“: Todestag des heiligen Franziskus

In die­sem Jahr jährt sich der Todes­tag des hei­li­gen Fran­zis­kus von Assi­si zum 800. Mal. Br. Bernd Kober, Kapu­zi­ner in Frank­furt im Gespräch über die Hoff­nung des Fran­zis­kus, End­lich­keit und ech­te Nähe. 

Im Okto­ber jährt sich der Todes­tag des hei­li­gen Fran­zis­kus zum 800. Mal. War­um ist das Jubi­lä­um mehr als ein Blick in die Vergangenheit?

Br. Bernd Kober: Fran­zis­kus lebt. Er lebt in vie­len Men­schen, die sich nicht nur an ihn erin­nern, son­dern ver­su­chen, aus sei­nem Geist zu leben. Men­schen, die Jesus fol­gen, die die Armen und Bedürf­ti­gen im Blick haben, die sich der gro­ßen Fra­gen der Bewah­rung der Schöp­fung anneh­men. Nicht zuletzt Papst Fran­zis­kus hat durch sei­nen Namen und sein Pro­gramm ein­drück­lich an die Lebens­art des Franz von Assi­si erinnert.

In die­sem Zusam­men­hang ist oft vom Tran­si­tus die Rede. Was bedeu­tet das?

Tran­si­tus heißt wört­lich Hin­über­gang. Für Franz war der Tod kein abrup­ter Abbruch des Lebens. Der Tod mar­kiert nur eine Gren­ze. Franz glaub­te an ein Hin­über­ge­hen zu Gott.

„Schwes­ter Tod“ nann­te Fran­zis­kus den Tod. Wel­che Hal­tung steckt dahinter?

Es ist eine Stro­phe des Son­nen­ge­sangs, in dem die­se Anru­fung vor­kommt. Fran­zis­kus dich­te­te die­se Stro­phe, als er selbst von Krank­heit und Depres­si­on gezeich­net war. Wenn wir vom mensch­li­chen Leben spre­chen, spre­chen wir immer auch von Begrenzt­heit und End­lich­keit. Das ist ein­fach nur realistisch.

Wie gehen Sie selbst per­sön­lich damit um, ist die­se Hal­tung for­dernd für Sie?

Begrenzt­heit und End­lich­keit als Geschwis­ter zu „adop­tie­ren“ ist nicht leicht. In der Seel­sor­ge bin ich oft damit kon­fron­tiert, Men­schen dabei zu beglei­ten, Gren­zen und Sterb­lich­keit anzu­neh­men. Es für mich selbst anzu­neh­men und den Tod als „Schwes­ter“ zu bezeich­nen, ist min­des­tens genau­so her­aus­for­dernd, wie die Beglei­tung anderer.

Wie ver­än­dert die Aus­sicht auf den Tod Ihren Blick auf das Leben?

Die Aus­sicht auf den Tod macht das Leben, sie macht jeden Tag kost­bar! Und sie macht mich auch hin und wie­der nach­denk­lich, wann und wie der Tod für mich kom­men wird.

Alle wol­len jung, gesund, erfolg­reich sein: War­um ist Tod und Altern heu­te ein Tabu-Thema?

Tod und Altern pas­sen nicht in ein Lebens­ge­fühl, dass stän­dig gepusht wird in Rich­tung „schö­ner, bes­ser, wei­ter, rei­cher“. Wir stel­len fest: eine Gesell­schaft, die immer rei­cher gewor­den ist in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten, bringt nicht zwin­gend zufrie­de­ne­re und fro­he­re Men­schen her­vor. Ein gesun­der, beschei­de­ner Rea­lis­mus lie­ße vie­le Men­schen zufrie­de­ner sein. Tod und Ver­zicht wären dann viel­leicht weni­ger ein Tabu.

Was ist die Hoff­nung des Franziskus?

Fran­zi­kus‘ Hoff­nung ist Gott. An ihm macht er sich fest. Er weiß: nichts gehört mir in die­ser Welt. Die Din­ge gehö­ren viel­mehr uns allen gemein­sam. Es gilt, los­zu­las­sen und tei­len zu ler­nen. Das Ich in ein Wir ver­wan­deln. Auf die­se Ver­wand­lung, bei sich selbst, hofft er bis zum Ende.

Was kann das in einer Welt bedeu­ten, die von Angst und Kri­sen beherrscht wird?

Hat ein Kind Angst, so braucht es die Nähe der Mut­ter oder des Vaters. Nähe aber ist in unse­rer Zeit rar gewor­den. Vie­le Likes erset­zen kei­ne Nähe. Wenn Men­schen das „Wir“ neu ent­de­cken, ein­an­der Schwes­ter und Bru­der wer­den, wer­den sie bereit, ein­an­der Nähe zu schen­ken und Angst zu lin­dern. Dazu braucht es kei­ne digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on, son­dern einen kon­kre­ten Ort an dem ein leben­di­ger Mensch mit füh­len­dem Her­zen spür­bar den Arm um die Schul­ter des Ängst­li­chen legt.

Fran­zis­kus starb arm, umge­ben von sei­nen Brü­dern. Was ist das für eine Botschaft?

Völ­li­ges Gott­ver­trau­en. „Ich habe mein Leben nicht selbst gemacht, nichts mit­ge­bracht in die­se Welt. Ich neh­me auch nichts mit und lege es zurück in die Hän­de des­sen, der mich geschaf­fen hat.“

Wäre Fran­zis­kus erstaunt, was 800 Jah­re nach sei­nem Tod aus sei­ner Bewe­gung gewor­den ist?

Ja, defi­ni­tiv. Schon zu sei­ner Zeit war er ja erstaunt über das, was sei­ne Brü­der unter „fran­zis­ka­ni­schem Leben“ verstanden.

800 Jah­re Todes­tag: Was ist der wich­tigs­te Punkt, der bei die­ser Fei­er durch­schei­nen sollte?

Es geht für mich um schlich­te Dank­bar­keit ohne Selbstdarstellung.

Vie­len Dank für das Gespräch!

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