
FOTO: KAPUZINER/ANITA LEDERSBERGER
BR. BERND KOBER
lebt als Kapuziner und Priester in Frankfurt am Main. Dort ist er Seelsorger an der Frankfurter Liebfrauenkirche. Br. Bernd ist Jahrgang 1972 und trat 1999 in den Orden ein.
„Ein Hinübergehen zu Gott“: Todestag des heiligen Franziskus
In diesem Jahr jährt sich der Todestag des heiligen Franziskus von Assisi zum 800. Mal. Br. Bernd Kober, Kapuziner in Frankfurt im Gespräch über die Hoffnung des Franziskus, Endlichkeit und echte Nähe.
Im Oktober jährt sich der Todestag des heiligen Franziskus zum 800. Mal. Warum ist das Jubiläum mehr als ein Blick in die Vergangenheit?
Br. Bernd Kober: Franziskus lebt. Er lebt in vielen Menschen, die sich nicht nur an ihn erinnern, sondern versuchen, aus seinem Geist zu leben. Menschen, die Jesus folgen, die die Armen und Bedürftigen im Blick haben, die sich der großen Fragen der Bewahrung der Schöpfung annehmen. Nicht zuletzt Papst Franziskus hat durch seinen Namen und sein Programm eindrücklich an die Lebensart des Franz von Assisi erinnert.
In diesem Zusammenhang ist oft vom Transitus die Rede. Was bedeutet das?
Transitus heißt wörtlich Hinübergang. Für Franz war der Tod kein abrupter Abbruch des Lebens. Der Tod markiert nur eine Grenze. Franz glaubte an ein Hinübergehen zu Gott.
„Schwester Tod“ nannte Franziskus den Tod. Welche Haltung steckt dahinter?
Es ist eine Strophe des Sonnengesangs, in dem diese Anrufung vorkommt. Franziskus dichtete diese Strophe, als er selbst von Krankheit und Depression gezeichnet war. Wenn wir vom menschlichen Leben sprechen, sprechen wir immer auch von Begrenztheit und Endlichkeit. Das ist einfach nur realistisch.
Wie gehen Sie selbst persönlich damit um, ist diese Haltung fordernd für Sie?
Begrenztheit und Endlichkeit als Geschwister zu „adoptieren“ ist nicht leicht. In der Seelsorge bin ich oft damit konfrontiert, Menschen dabei zu begleiten, Grenzen und Sterblichkeit anzunehmen. Es für mich selbst anzunehmen und den Tod als „Schwester“ zu bezeichnen, ist mindestens genauso herausfordernd, wie die Begleitung anderer.
Wie verändert die Aussicht auf den Tod Ihren Blick auf das Leben?
Die Aussicht auf den Tod macht das Leben, sie macht jeden Tag kostbar! Und sie macht mich auch hin und wieder nachdenklich, wann und wie der Tod für mich kommen wird.
Alle wollen jung, gesund, erfolgreich sein: Warum ist Tod und Altern heute ein Tabu-Thema?
Tod und Altern passen nicht in ein Lebensgefühl, dass ständig gepusht wird in Richtung „schöner, besser, weiter, reicher“. Wir stellen fest: eine Gesellschaft, die immer reicher geworden ist in den vergangenen Jahrzehnten, bringt nicht zwingend zufriedenere und frohere Menschen hervor. Ein gesunder, bescheidener Realismus ließe viele Menschen zufriedener sein. Tod und Verzicht wären dann vielleicht weniger ein Tabu.
Was ist die Hoffnung des Franziskus?
Franzikus‘ Hoffnung ist Gott. An ihm macht er sich fest. Er weiß: nichts gehört mir in dieser Welt. Die Dinge gehören vielmehr uns allen gemeinsam. Es gilt, loszulassen und teilen zu lernen. Das Ich in ein Wir verwandeln. Auf diese Verwandlung, bei sich selbst, hofft er bis zum Ende.
Was kann das in einer Welt bedeuten, die von Angst und Krisen beherrscht wird?
Hat ein Kind Angst, so braucht es die Nähe der Mutter oder des Vaters. Nähe aber ist in unserer Zeit rar geworden. Viele Likes ersetzen keine Nähe. Wenn Menschen das „Wir“ neu entdecken, einander Schwester und Bruder werden, werden sie bereit, einander Nähe zu schenken und Angst zu lindern. Dazu braucht es keine digitale Kommunikation, sondern einen konkreten Ort an dem ein lebendiger Mensch mit fühlendem Herzen spürbar den Arm um die Schulter des Ängstlichen legt.
Franziskus starb arm, umgeben von seinen Brüdern. Was ist das für eine Botschaft?
Völliges Gottvertrauen. „Ich habe mein Leben nicht selbst gemacht, nichts mitgebracht in diese Welt. Ich nehme auch nichts mit und lege es zurück in die Hände dessen, der mich geschaffen hat.“
Wäre Franziskus erstaunt, was 800 Jahre nach seinem Tod aus seiner Bewegung geworden ist?
Ja, definitiv. Schon zu seiner Zeit war er ja erstaunt über das, was seine Brüder unter „franziskanischem Leben“ verstanden.
800 Jahre Todestag: Was ist der wichtigste Punkt, der bei dieser Feier durchscheinen sollte?
Es geht für mich um schlichte Dankbarkeit ohne Selbstdarstellung.
Vielen Dank für das Gespräch!
