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Fastenzeit: Weniger Ansprüche, mehr Beziehung
In der Fastenzeit geht es nicht nur darum, auf Süßigkeiten zu verzichten. Vielmehr kann das Spüren eines Mangels helfen, die Sehnsucht nach Gott zu vertiefen und die Sinne zu öffnen. Ein Impuls von Br. Romuald Hülsken.
Fasten ist wieder in. Zu Beginn diesen Jahres veröffentlichte eine Gesundheitskasse in Deutschland eine Studie, die deutlich macht, dass eine große Mehrheit der befragten Menschen unter 30 in der vorösterlichen Fastenzeit sehr wohl bereit ist, auf Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol zu verzichten. In der großen Fülle von Angebot und Konsum im Internet, in den Auslagen der Geschäfte und im Restaurant stellen sich viele die Frage: Braucht es dieses große Angebot? Lenkt es mich nicht eher ab? Führt es mich wirklich weiter?
Beim Fasten geht es für Christen neben Schlankheits- und Gesundheitsfragen auch um eine religiöse Motivation. Gott kommt ins Spiel und soll im Alltag mehr Raum bekommen. Bewusst einen Mangel spüren: Das kann helfen, der Sehnsucht nach Jesus Christus ein Empfinden zu geben, die Sinne zu öffnen und andere Eindrücke zu zulassen.
Wer verzichtet, lässt von Ansprüchen ab und tritt achtsam in Beziehung mit der Mitwelt. Wer sich freiwillig einschränkt, kommt unwillkürlich denen näher, die unfreiwillig hungern und dürsten. Und davon sind auf unserem Planeten mindestens 700 Millionen Menschen betroffen.
Aus der Fähigkeit zu verzichten, daraus entsteht „ein größeres Gut zum Wohl der anderen“, sagte Papst Franziskus einmal in einem Interview. Die Askese hilft uns, zu einer neuen Haltung des Miteinander-Teilens zu finden. In rücksichtsvoller und umfassender Weise.
Für unseren Ordensvater, den heiligen Franziskus, ist das Fasten ein Ausdruck der Armut, und darin hat er Jesus Christus gefunden. Vielleicht kann dies auch für uns ein Ansatz sein, sich neu auf den Weg mit Gott zu machen und ihn zu entdecken. Wenn ich feststelle: Ich muss nicht das neueste Handy haben, den letzten Modetrend mitmachen und eine besondere Schokolade gegessen haben, dann finde ich unter Umständen eine neue Freiheit, die mich wirklich leben und aufatmen lässt. Auch über die Fastenzeit hinaus.
