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Franziskanische Lebenskunst: mit leichtem Gepäck durchs Leben
Was dient dem Leben? Franziskus und seine franziskanische Lebenskunst zeigen uns auch heute noch, wie ein gutes Leben aussehen kann. Ein Standpunkt von Br. Helmut Rakowski, Provinzial der Kapuziner.
Vor ein paar Wochen durfte ich im Dommuseum in Salzburg die Franziskus-Ausstellung eröffnen. Was mir von meinem Rundgang durch die Ausstellung vor allem in Erinnerung bleibt, ist ein auf den ersten Blick unscheinbares und doch so starkes Zeugnis: die Holzsandalen des heiligen Johannes Capistran. Es sind einfache Schuhe. Abgetragen. Nichts Prunkvolles, nichts Repräsentatives. Und doch erzählen sie mehr als manches große Bild: Sie erzählen von einem Menschen, der unterwegs war – zu den Menschen, im Dienst des Evangeliums, auf den Spuren des heiligen Franziskus.
Johannes Capistran, im 15. Jahrhundert in Italien geboren, war Jurist, dann Franziskaner, ein leidenschaftlicher Prediger und ein Mann mit großer geistlicher Ausstrahlung. Seine Sandalen stehen für einen Weg: für das Gehen, für die Beweglichkeit des Glaubens, für eine Existenz, die sich nicht im Besitz absichert, sondern sich senden lässt.
Wer auf solche Schuhe schaut, schaut nicht nur auf die Vergangenheit. Er schaut auf einen Lebensentwurf. Für uns als Kirche, als Orden und als Gesellschaft geht es um die Kunst, das Leben von innen her zu gestalten. Der heilige Franz hat dafür ein Grundmodell vorgelebt, das bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat: aus dem Evangelium leben, Christus ähnlich werden, mit leichtem Gepäck gehen, den Armen nahe sein, Frieden stiften und die Schöpfung als Schwester und Bruder achten.
Was Franziskus von Assisi begonnen hat, ist nicht im Mittelalter stehen geblieben. Bis heute folgen wir Kapuziner und zahlreiche franziskanisch geprägte Frauen und Männer seinem Vorbild. Das geschieht in Klöstern, Pfarren, Schulen, Sozialprojekten, in der Seelsorge, in der Begleitung von Armen und Kranken, im Einsatz für Gerechtigkeit, Versöhnung und die Bewahrung der Schöpfung.
Franziskanische Lebenskunst ist keine fromme Erinnerung, sondern eine lebendige Form christlicher Gegenwart.
Gerade unsere Gesellschaft braucht solche Zeugnisse: Menschen, die nicht nur fragen, was nützlich ist, sondern was dem Leben dient; Menschen, die Einfachheit nicht mit Mangel verwechseln, sondern als Freiheit verstehen; Menschen, die aus dem Glauben heraus Nähe schaffen, Hoffnung wachhalten und Verantwortung für andere übernehmen.
Die Lebenskunst des Franz von Assisi ist eine Einladung, neu zu fragen, wie ein gutes, menschliches, gottverbundenes Leben heute aussehen kann. Daran erinnern mich auch die Sandalen des Johannes Capistran: Lebenskunst wächst dort, wo ein Mensch lernt, das Evangelium nicht nur zu bewundern, sondern es zu leben. Schritt für Schritt.
