Standpunkte

FOTO: Kapuziner/Ledersberger

BR. JULIAN PFEIFFER

wur­de 1999 gebo­ren und leg­te im Jahr 2021 sei­ne zeit­li­chen Gelüb­de als Kapu­zi­ner ab. Er lebt im Klos­ter auf dem Kapu­zi­ner­berg in Salz­burg. In der Stadt an der Salz­ach stu­diert er katho­li­sche Theo­lo­gie und Philosophie.

31. August 2026

Für einen Verkehr, der dem Gemeinwohl dient

Mobi­li­tät ent­schei­det dar­über, wer dazu­ge­hört – und wer aus­ge­schlos­sen bleibt. Ein Plä­doy­er von Br. Juli­an Pfeif­fer aus dem Kapu­zi­ner­klos­ter in Salz­burg für einen Richtungswechsel.

Wenn Sprit an der Zapf­säu­le (mal wie­der) teu­rer wird, mer­ke ich an mir selbst, wie schnell der Reflex kommt: Es braucht Unter­stüt­zung, denn Mobi­li­tät ohne Auto ist nicht denk­bar. Genau die­se Fixie­rung ist aber ein Pro­blem. Die Wirt­schaft darf nicht län­ger am Auto als Leit­in­dus­trie hän­gen. Denn unser Ver­kehr folgt oft einer Eigen­tums­lo­gik: Nicht der Bedarf orga­ni­siert Bewe­gung, son­dern Besitz, Absatz und Rendite.

Das ist „besit­zen­der“ Ver­kehr: Mobi­li­tät ent­steht dort, wo Kapi­tal steht und nicht dort, wo Men­schen sie brau­chen. Ich sehe das jedes Mal, wenn wie­der über Kauf­prä­mi­en, Steu­er­vor­tei­le und Rabat­te gestrit­ten wird, aber kaum dar­über, wie man ver­läss­lich zur Arbeit, zum Arzt oder zu Freun­den kommt. Wer kein Auto besitzt, spürt das als Man­gel an Zeit und Teil­ha­be; wer eines besitzt, spürt es als Zwang, es zu finanzieren.

Der Nut­zen die­ser Ord­nung ist pri­vat, ihre Neben­fol­gen sind öffent­lich: Flä­chen, die feh­len, Lärm, der bleibt, Stau­zeit und die Abhän­gig­keit von Welt­märk­ten. Und sobald es wackelt, soll die All­ge­mein­heit zah­len, damit der Motor des Alten wei­ter­läuft. Die Logik ist ein­fach: Pro­duk­ti­on folgt der Ver­wer­tung, nicht dem Bedürf­nis. Die Poli­tik wird zur Werk­bank des­sen. Doch die­se Logik ist unse­re freie Ent­schei­dung, kein Naturgesetz.

Statt­des­sen wäre Fol­gen­des ver­nünf­tig: Wir brau­chen einen Rich­tungs­wech­sel zu einem Ver­kehr, der vom Bedarf aus­geht und dem Gemein­wohl dient. Mit Schie­ne und Bus als Rück­grat. Mit Wege­ket­ten, Takt und Ver­läss­lich­keit auch dort, wo Pro­fit fehlt. Dazu eine Indus­trie­po­li­tik, die den Über­gang orga­ni­siert. So kann man sicher aus der Auto­ab­hän­gig­keit her­aus­in­ves­tie­ren. Und mit fran­zis­ka­ni­schem Blick heißt das für mich: Luxus nicht län­ger för­dern, Mobi­li­tät so bau­en, dass Armut nicht ein­sperrt. Wer wenig hat, darf nicht abge­schnit­ten sein. Und wer viel hat, muss mit den Armen soli­da­risch sein.

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