
FOTO: Kapuziner/Ledersberger
BR. JULIAN PFEIFFER
wurde 1999 geboren und legte im Jahr 2021 seine zeitlichen Gelübde als Kapuziner ab. Er lebt im Kloster auf dem Kapuzinerberg in Salzburg. In der Stadt an der Salzach studiert er katholische Theologie und Philosophie.
Für einen Verkehr, der dem Gemeinwohl dient
Mobilität entscheidet darüber, wer dazugehört – und wer ausgeschlossen bleibt. Ein Plädoyer von Br. Julian Pfeiffer aus dem Kapuzinerkloster in Salzburg für einen Richtungswechsel.
Wenn Sprit an der Zapfsäule (mal wieder) teurer wird, merke ich an mir selbst, wie schnell der Reflex kommt: Es braucht Unterstützung, denn Mobilität ohne Auto ist nicht denkbar. Genau diese Fixierung ist aber ein Problem. Die Wirtschaft darf nicht länger am Auto als Leitindustrie hängen. Denn unser Verkehr folgt oft einer Eigentumslogik: Nicht der Bedarf organisiert Bewegung, sondern Besitz, Absatz und Rendite.
Das ist „besitzender“ Verkehr: Mobilität entsteht dort, wo Kapital steht und nicht dort, wo Menschen sie brauchen. Ich sehe das jedes Mal, wenn wieder über Kaufprämien, Steuervorteile und Rabatte gestritten wird, aber kaum darüber, wie man verlässlich zur Arbeit, zum Arzt oder zu Freunden kommt. Wer kein Auto besitzt, spürt das als Mangel an Zeit und Teilhabe; wer eines besitzt, spürt es als Zwang, es zu finanzieren.
Der Nutzen dieser Ordnung ist privat, ihre Nebenfolgen sind öffentlich: Flächen, die fehlen, Lärm, der bleibt, Stauzeit und die Abhängigkeit von Weltmärkten. Und sobald es wackelt, soll die Allgemeinheit zahlen, damit der Motor des Alten weiterläuft. Die Logik ist einfach: Produktion folgt der Verwertung, nicht dem Bedürfnis. Die Politik wird zur Werkbank dessen. Doch diese Logik ist unsere freie Entscheidung, kein Naturgesetz.
Stattdessen wäre Folgendes vernünftig: Wir brauchen einen Richtungswechsel zu einem Verkehr, der vom Bedarf ausgeht und dem Gemeinwohl dient. Mit Schiene und Bus als Rückgrat. Mit Wegeketten, Takt und Verlässlichkeit auch dort, wo Profit fehlt. Dazu eine Industriepolitik, die den Übergang organisiert. So kann man sicher aus der Autoabhängigkeit herausinvestieren. Und mit franziskanischem Blick heißt das für mich: Luxus nicht länger fördern, Mobilität so bauen, dass Armut nicht einsperrt. Wer wenig hat, darf nicht abgeschnitten sein. Und wer viel hat, muss mit den Armen solidarisch sein.
