Interview

FOTO: KAPUZINER/TOBIAS RAUSER

BR. Jürgen Maria Böhm

wur­de 1963 in Kro­nach gebo­ren. Seit 1982 ist er Kapu­zi­ner, 2007 wur­de er zum Pries­ter geweiht. Er lebt im Kapu­zi­ner­klos­ter Werne. 

22. April 2026

„Mir hilft der Blick auf Maria. Ganz unkompliziert. Wie zu einer Mutter“

Br. Jür­gen Maria Böhm lebt als Kapu­zi­ner und Pries­ter im Klos­ter Wer­ne. Seit Kin­des­bei­nen ver­bin­det ihn viel mit der Got­tes­mut­ter Maria. Ein Inter­view über eine lebens­lan­ge Beglei­te­rin und den Mari­en­mo­nat Mai.

War­um ist der Mai ein Marienmonat?

Der Mai als Mari­en­mo­nat ist ein Hoff­nungs­zei­chen, ein Zei­chen der blü­hen­den Schöp­fung. Nach dem Win­ter, einer Zeit der Trost­lo­sig­keit, bricht das Früh­jahr auf. Die Natur öff­net sich wie­der und zeigt sich in vol­ler Blü­te. Die Schön­heit des Mais, wo alles blüht, wird in Ver­bin­dung mit Maria gebracht: Sie ist, wie man bild­haft sagt, die schöns­te Blu­me in die­sem Gar­ten. Und sie hat uns Chris­tus gebracht.

Wel­che Bedeu­tung hat Maria grund­sätz­lich für die Kir­che und für den Glau­ben der Kirche?

Für die Kir­che ist Maria die Mut­ter Jesu. Papst Paul VI. erklär­te Maria in der Pha­se des zwei­ten vati­ka­ni­schen Kon­zils zur „Mut­ter der Kir­che“, auf lateinsch „Mater Eccle­siae“. Sie hat uns den Erlö­ser gebo­ren. Der Engel sagt: „Sei gegrüßt, du Begna­de­te.“ Sie ist begna­det in dem Sinn, dass sie Chris­tus emp­fan­gen hat und „Ja“ gesagt hat zu die­sem Auf­trag. Man muss sich das vor­stel­len: Mut­ter des Erlö­sers zu wer­den, das nicht leicht zu akzep­tie­ren. Nach einer Bedenk­zeit, das lesen wir im Lukas­evan­ge­li­um, fragt sie: „Wie soll das gesche­hen?“ Und dann sagt sie „Ja“. Jesus wäre nicht ohne Maria. Natür­lich hät­te Gott alle Mög­lich­kei­ten, aber er woll­te es so. 

Die Bibel berich­tet viel über die Zeit vor der Geburt, weni­ger über das Mut­ter­sein danach. 

Das ist so. Bemer­kens­wert ist: Jesus spricht sei­ne Mut­ter auch nicht mit „Mut­ter“, son­dern mit „Frau“ an. Etwa bei der Hoch­zeit zu Kana oder unter dem Kreuz: „Frau, sie­he dein Sohn.“ Und zu Johan­nes sagt er: „Sie­he, dei­ne Mut­ter.“ Dar­um sagt die Theo­lo­gie: Gott hat uns Maria allen zur Mut­ter gegeben.

Um Maria gibt es immer wie­der Dis­kus­sio­nen um Anbe­tung oder Ver­eh­rung. Wo ist da die Trennlinie?

Es ist ganz klar: Wir beten aus­schließ­lich Gott an. Da gibt es nichts dazwi­schen. Maria wird ver­ehrt, nicht ange­be­tet. Eben weil sie uns Chris­tus gebracht hat. Schon von Anfang an war sie Teil der jun­gen Kir­che: im Abend­mahls­saal am Pfingst­tag mit den Jün­gern. Wir bit­ten sie um etwas, als Fürsprecherin.

Der Mai als Mari­en­mo­nat ist ein Hoff­nungs­zei­chen, ein Zei­chen der blü­hen­den Schöpfung.“

Wie ist denn Ihre per­sön­li­che Bezie­hung zu Maria?

Die­se Bezie­hung ist von klein auf da und sie ist inten­siv. Mei­ne Mut­ter hat mit uns Kin­dern gebe­tet, beson­ders vor dem Schla­fen­ge­hen. Etwa das Ave Maria oder Kin­der­ge­be­te. Das ist dann mit der Zeit gewach­sen: durch die Minis­tran­ten­zeit oder auch die Mai­an­dach­ten. Ich hat­te als Kind eine Madon­na im Zim­mer, die ich im Mai geschmückt habe – so mit zehn, elf, zwölf Jahren.

Was hat Sie fasziniert?

Ja, sicher, in der Puber­tät. Da gab es all­ge­mein eine gewis­se kirch­li­che Distanz. Doch mei­ne Lie­be zur Got­tes­mut­ter kam dann mit dem Ordens­ein­tritt voll zurück – vor allem in Alt­öt­ting. Da konn­te man der Madon­na ja auch gar nicht aus­wei­chen (lacht). Ich war dort fast täg­lich in der Gna­den­ka­pel­le, auch weil mein Arbeits­platz in der Nähe war. Das hat mich geprägt.

Wie ist Maria heu­te Teil Ihres Glaubens?

Sie ist es mehr denn je. Sie ist Für­spre­che­rin, Beglei­te­rin. Sie beglei­tet mich bei Zwei­feln und bei Fra­gen zu mei­ner Beru­fung. Mir hilft der Blick auf Maria. Ganz unkom­pli­ziert, wie zu einer Mutter.

Wel­che Mari­en­fi­gur steht heu­te in Ihrer Klosterzelle?

Ich habe seit eini­gen Jah­ren eine Fati­ma-Madon­na. Sie geht auf die Mari­en­er­schei­nun­gen von 1917 zurück. Maria ruft dort zur Umkehr auf. Die­se Dar­stel­lung – ohne Kind, mit beten­den Hän­den – ist wun­der­bar. In mei­nem klei­nen Arbeits­zim­mer hier im Klos­ter Wer­ne steht die Madon­na von Alt­öt­ting und der hei­li­ge Bru­der Kon­rad. Ohne die bei­den wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

Glau­ben Sie an die Mari­en­er­schei­nun­gen, von denen immer wie­der berich­tet wird?

Ja, das tue ich. Ich war auch schon sel­ber in Lour­des und in Fati­ma, zwei sehr berühm­te Mari­en-Wall­fahrts­or­te. Auch in Med­ug­or­je, aber da steht die kirch­li­che Aner­ken­nung noch aus.

Gibt es ein Mari­en­ge­bet, das Sie beson­ders begleitet?

Das ist natür­lich der Rosen­kranz. Er bedeu­tet mir sehr viel. Er bringt mich zur Ruhe, zur Medi­ta­ti­on. Ich bete ihn oft mit kon­kre­ten Anlie­gen. Durch die Wie­der­ho­lung kommt man in einen inne­ren Rhyth­mus, der Frie­den schenkt.

Maria ist Für­spre­che­rin, Beglei­te­rin. Sie beglei­tet mich bei Zwei­feln und bei Fra­gen zu mei­ner Berufung.“

Wenn jemand es jetzt im Mari­en­mo­nat Mai mit Maria pro­bie­ren will: Was raten Sie ganz konkret?

In die Kir­che gehen. Eine Ker­ze vor der Got­tes­mut­ter anzün­den und ein Ave Maria beten. Das kos­tet nicht viel Zeit, kann aber viel bewir­ken. Es ist ja für alle zu sehen: Über­all und in jeder katho­li­schen Kir­che steht eine Madon­na, wo Ker­zen ange­zün­det wer­den kön­nen. Für mich sagt das schon alles: Die Men­schen gehen zur Mut­ter. Und Maria sagt, wie in Kana: „Was er euch sagt, das tut.“

Vie­len Dank für das Gespräch!
Das Inter­view führ­te Tobi­as Rauser

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