
FOTO: KAPUZINER/TOBIAS RAUSER
BR. Jürgen Maria Böhm
wurde 1963 in Kronach geboren. Seit 1982 ist er Kapuziner, 2007 wurde er zum Priester geweiht. Er lebt im Kapuzinerkloster Werne.
„Mir hilft der Blick auf Maria. Ganz unkompliziert. Wie zu einer Mutter“
Br. Jürgen Maria Böhm lebt als Kapuziner und Priester im Kloster Werne. Seit Kindesbeinen verbindet ihn viel mit der Gottesmutter Maria. Ein Interview über eine lebenslange Begleiterin und den Marienmonat Mai.
Warum ist der Mai ein Marienmonat?
Der Mai als Marienmonat ist ein Hoffnungszeichen, ein Zeichen der blühenden Schöpfung. Nach dem Winter, einer Zeit der Trostlosigkeit, bricht das Frühjahr auf. Die Natur öffnet sich wieder und zeigt sich in voller Blüte. Die Schönheit des Mais, wo alles blüht, wird in Verbindung mit Maria gebracht: Sie ist, wie man bildhaft sagt, die schönste Blume in diesem Garten. Und sie hat uns Christus gebracht.
Welche Bedeutung hat Maria grundsätzlich für die Kirche und für den Glauben der Kirche?
Für die Kirche ist Maria die Mutter Jesu. Papst Paul VI. erklärte Maria in der Phase des zweiten vatikanischen Konzils zur „Mutter der Kirche“, auf lateinsch „Mater Ecclesiae“. Sie hat uns den Erlöser geboren. Der Engel sagt: „Sei gegrüßt, du Begnadete.“ Sie ist begnadet in dem Sinn, dass sie Christus empfangen hat und „Ja“ gesagt hat zu diesem Auftrag. Man muss sich das vorstellen: Mutter des Erlösers zu werden, das nicht leicht zu akzeptieren. Nach einer Bedenkzeit, das lesen wir im Lukasevangelium, fragt sie: „Wie soll das geschehen?“ Und dann sagt sie „Ja“. Jesus wäre nicht ohne Maria. Natürlich hätte Gott alle Möglichkeiten, aber er wollte es so.
Die Bibel berichtet viel über die Zeit vor der Geburt, weniger über das Muttersein danach.
Das ist so. Bemerkenswert ist: Jesus spricht seine Mutter auch nicht mit „Mutter“, sondern mit „Frau“ an. Etwa bei der Hochzeit zu Kana oder unter dem Kreuz: „Frau, siehe dein Sohn.“ Und zu Johannes sagt er: „Siehe, deine Mutter.“ Darum sagt die Theologie: Gott hat uns Maria allen zur Mutter gegeben.
Um Maria gibt es immer wieder Diskussionen um Anbetung oder Verehrung. Wo ist da die Trennlinie?
Es ist ganz klar: Wir beten ausschließlich Gott an. Da gibt es nichts dazwischen. Maria wird verehrt, nicht angebetet. Eben weil sie uns Christus gebracht hat. Schon von Anfang an war sie Teil der jungen Kirche: im Abendmahlssaal am Pfingsttag mit den Jüngern. Wir bitten sie um etwas, als Fürsprecherin.
Der Mai als Marienmonat ist ein Hoffnungszeichen, ein Zeichen der blühenden Schöpfung.“
Wie ist denn Ihre persönliche Beziehung zu Maria?
Diese Beziehung ist von klein auf da und sie ist intensiv. Meine Mutter hat mit uns Kindern gebetet, besonders vor dem Schlafengehen. Etwa das Ave Maria oder Kindergebete. Das ist dann mit der Zeit gewachsen: durch die Ministrantenzeit oder auch die Maiandachten. Ich hatte als Kind eine Madonna im Zimmer, die ich im Mai geschmückt habe – so mit zehn, elf, zwölf Jahren.
Was hat Sie fasziniert?
Ja, sicher, in der Pubertät. Da gab es allgemein eine gewisse kirchliche Distanz. Doch meine Liebe zur Gottesmutter kam dann mit dem Ordenseintritt voll zurück – vor allem in Altötting. Da konnte man der Madonna ja auch gar nicht ausweichen (lacht). Ich war dort fast täglich in der Gnadenkapelle, auch weil mein Arbeitsplatz in der Nähe war. Das hat mich geprägt.
Wie ist Maria heute Teil Ihres Glaubens?
Sie ist es mehr denn je. Sie ist Fürsprecherin, Begleiterin. Sie begleitet mich bei Zweifeln und bei Fragen zu meiner Berufung. Mir hilft der Blick auf Maria. Ganz unkompliziert, wie zu einer Mutter.
Welche Marienfigur steht heute in Ihrer Klosterzelle?
Ich habe seit einigen Jahren eine Fatima-Madonna. Sie geht auf die Marienerscheinungen von 1917 zurück. Maria ruft dort zur Umkehr auf. Diese Darstellung – ohne Kind, mit betenden Händen – ist wunderbar. In meinem kleinen Arbeitszimmer hier im Kloster Werne steht die Madonna von Altötting und der heilige Bruder Konrad. Ohne die beiden wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.
Glauben Sie an die Marienerscheinungen, von denen immer wieder berichtet wird?
Ja, das tue ich. Ich war auch schon selber in Lourdes und in Fatima, zwei sehr berühmte Marien-Wallfahrtsorte. Auch in Medugorje, aber da steht die kirchliche Anerkennung noch aus.
Gibt es ein Mariengebet, das Sie besonders begleitet?
Das ist natürlich der Rosenkranz. Er bedeutet mir sehr viel. Er bringt mich zur Ruhe, zur Meditation. Ich bete ihn oft mit konkreten Anliegen. Durch die Wiederholung kommt man in einen inneren Rhythmus, der Frieden schenkt.
Maria ist Fürsprecherin, Begleiterin. Sie begleitet mich bei Zweifeln und bei Fragen zu meiner Berufung.“
Wenn jemand es jetzt im Marienmonat Mai mit Maria probieren will: Was raten Sie ganz konkret?
In die Kirche gehen. Eine Kerze vor der Gottesmutter anzünden und ein Ave Maria beten. Das kostet nicht viel Zeit, kann aber viel bewirken. Es ist ja für alle zu sehen: Überall und in jeder katholischen Kirche steht eine Madonna, wo Kerzen angezündet werden können. Für mich sagt das schon alles: Die Menschen gehen zur Mutter. Und Maria sagt, wie in Kana: „Was er euch sagt, das tut.“
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Tobias Rauser
