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Gesundheit als Schlüssel: Hilfe für Menschen ohne Wohnsitz
Seit 2024 stabilisiert die nervenärztliche Praxis des Franziskustreffs in Frankfurt Menschen ohne gesicherten Wohnsitz mit niedrigschwelligen Ansätzen und baut sie dank kontinuierlicher Versorgung wieder auf.
Wie wichtig Gesundheit für ein selbstbestimmtes und geregeltes Leben ist, wird den meisten Menschen meist dann bewusst, wenn sie krank sind. Für obdachlose Menschen erschwert mangelnde Gesundheit ihre ohnehin schwierige Lage zusätzlich. Bei körperlichen Erkrankungen nehmen viele aufgrund ihrer hygienischen Situation und ihres umfangreichen Gepäcks ohnehin nur im absoluten Notfall ärztliche Hilfe an.
Geht es um die mentale Gesundheit ist für die meisten die Hürde sich anzuvertrauen noch höher. Dabei spielt die psychische Verfassung eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, den Weg zurück in Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe zu finden. Viele obdachlose Menschen leiden unter psychischen Belastungen wie Depressionen, Angststörungen oder traumatischen Erfahrungen. Diese entstehen häufig nicht nur durch die Lebenssituation auf der Straße, sondern sind oft der Grund, warum jemand überhaupt in die Obdachlosigkeit geraten ist.
Die erfahrene Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. Eva Fucík, setzt sich seit Jahren für wohnsitzlose Menschen in Frankfurt ein. Gemeinsam mit der Franziskustreff-Stiftung hat sie 2024 die erste psychiatrische Praxis für Menschen ohne festen Wohnsitz eröffnet. Mit der ehrenamtlichen Ärztin Dr. med. Marion Liermann bietet sie auch offene Sprechstunden an.
In der Prävention steckt das größte Potenzial für Betroffene, gar nicht erst in Wohnungs- oder gar Obdachlosigkeit zu geraten.“
Dr. med. Eva Fucík
Der Bedarf ist groß: auch unter den obdachlosen Gästen im Franziskustreff ist seit Jahren ein Anstieg bei seelischen Erkrankungen zu verzeichnen. Ist das der Fall, stößt die Sozialberatung irgendwann an ihre Grenzen. Dann kann das Team der Praxis niedrigschwellig helfen. Die Gäste werden bei Bedarf direkt in die Sprechstunde vermittelt.
Das Bundesteilhabegesetz und das Hessische Psychisch-Kranken-Hilfegesetz stärken die Rechte von Menschen mit psychischen Erkrankungen und betonen ihre Beteiligung an Entscheidungen, die sie selbst betreffen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an ein Hilfesystem, das personenzentriert, vernetzt und niedrigschwellig arbeiten soll. Weil passende Hilfe noch immer mit vielen Hürden verbunden ist, setzt sich vor allem der Gemeindepsychiatrische Verbund für eine bessere Vernetzung der Einrichtungen und Organisationen ein, die psychisch erkrankte Menschen unterstützen. Dazu gehören psychiatrische Kliniken, Beratungsstellen, Wohnhilfen, Tagesstrukturangebote, öffentliche Stellen und bürgerliche Hilfsinitiativen wie der Franziskustreff und die gleichnamige Stiftung.
Es ist wichtig, Menschen in ihrer Individualität zu erkennen und nicht über Defizite zu definieren.“
Dr. med Marion Liermann
Wer obdachlosen Menschen wirklich helfen will, muss auch ihre Gesundheit ganzheitlich mitdenken. Ein geregeltes Leben beginnt im Inneren – mit Würde, psychischer Stabilität und der Chance auf Heilung.
