
FOTO: Kapuziner/Anita Ledersberger
BR. JOLY PUTHUSSERRRY VARGHESE
ist Jahrgang 1977 und Delegat der Kapuziner in Feldkirch, Innsbruck, Irdning und Salzburg. Der österreichische Priester mit indischen Wurzeln lebt und arbeitet im Kapuzinerkloster in Innsbruck.
Heiliger Josef: vom Mut zur Stille und zur Barmherzigkeit
Am 19. März feiern Christinnen und Christen den heiligen Josef. Was ihn am Ziehvater Jesu fasziniert, sagt Br. Joly Puthusserry Varghese, Kapuziner im Kapuzinerkloster in Innsbruck.
Im Internet habe ich vor einiger Zeit ein kleines, eindrückliches Video gesehen. Es trägt den Titel: „Papa lügt“. Ein kleines Mädchen erzählt darin von seinem Vater. Am Anfang sagt es voller Stolz: „Mein Papa ist der liebste Mensch der Welt.“ Doch später sagt es: „Mein Papa hat ein Problem – er lügt.“
Wenn er seine Arbeit verloren hat, sagt er, er habe noch eine. Wenn die Kinder im Restaurant essen, sagt er, er habe keinen Hunger. Wenn er müde ist, sagt er, er sei nicht müde. Wenn er selbst nichts hat, sagt er: „Uns fehlt es an nichts.“ Und am Ende schließt das Kind mit einem Satz, der mich berührt: „Alle diese Lügen erzählt Papa nur für mich.“
Im Herzen eines jeden Menschen lebt der Vater weiter. Wir sprechen oft davon, wie sehr die Mutter unsere Spiritualität prägt. Doch auch der Vater hinterlässt stille Linien in unserer Seele. Man könnte sagen: Die Mutter ist wie die Erde – der Vater ist wie der Same. Viele Väter zeigen ihre Gefühle (zu) selten. Und doch bleiben gerade diese wenigen Momente, in denen sie sich wirklich zeigen, kostbare Erinnerungen unseres Lebens.
Die Bibel sagt über den heiligen Josef nur einen einzigen Satz: „Er war ein gerechter Mann.“ In diesem schlichten Wort liegt ein ganzes Leben.
Josef war ein stiller Mensch. Er suchte Antworten nicht im Lärm der Welt, sondern im Gespräch mit Gott. Als Josef erfuhr, dass Maria ein Kind erwartete, hätte er gehen können. Doch im Hören auf Gottes leise Stimme blieb er – und sein Bleiben wurde Schutz für Mutter und Kind. Vielleicht hat Jesus genau dort etwas gelernt: dass wahre Stärke nicht in Härte liegt, sondern im Mut zur Barmherzigkeit.
Als man ihm später eine Frau brachte, die gesteinigt werden sollte, folgte er nicht dem Lärm der Menge, sondern dem Weg der Barmherzigkeit. Vielleicht ist das größte Kompliment für Josef, dass Jesus Gott „Vater“ nennen konnte. Denn ein Vater spiegelt immer auch etwas von Gott wider.
Darum denke ich mit Blick auf den heiligen Josef auch an die stillen Väter unserer Zeit – und natürlich an jene Mütter, die in schwierigen Zeiten beide Rollen tragen mussten und müssen.
