Interview

FOTO: SLW/Gerhard Berger

BR. DHIL KONIKKARA

ist Jahr­gang 1989 und wur­de im indi­schen Bun­des­staat Kera­la gebo­ren. Seit 2009 ist er Kapu­zi­ner. Seit 2022 lebt Br. Dhil in Öster­reich, zuerst im Kapu­zi­ner­klos­ter Inns­bruck und seit 2023 in Feld­kirch. Dort lei­tet er als Guar­di­an die Gemein­schaft im Kloster. 

22. April 2026

„Ich habe gleich gewusst, dass ich hierher gehöre“

Br. Dhil Konik­ka­ra (36) hat schon früh sei­ne Bestim­mung im Kapu­zi­ner­or­den gefun­den. Im Kapu­zi­ner­klos­ter Feld­kirch in Vor­arl­berg lei­tet der gebür­ti­ge Inder und Pries­ter die Gemein­schaft vor Ort.

Sie sind seit Okto­ber 2025 neu­er Guar­di­an im Kapu­zi­ner­klos­ter Feld­kirch. Was möch­ten Sie in die­ser Funk­ti­on bewirken?
Das Kapu­zi­ner­klos­ter Feld­kirch baut auf eine mehr als 420-jäh­ri­ge Tra­di­ti­on und damit auf eine lan­ge Geschich­te, die sehr viel posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen her­vor­ge­bracht hat. Die­ses Gute will ich zusam­men mit mei­nen Mit­brü­dern, der Diö­ze­se und den Men­schen aus Vor­arl­berg wei­ter­tra­gen – in der Gegen­wart und in der Zukunft.

Sie stam­men aus der indi­schen Pro­vinz Kera­la und leben seit 2022 in Öster­reich. Gibt es öster­rei­chi­sche „Eigen­hei­ten“, die Sie bis heu­te irritieren?
Irri­tie­ren tut mich eigent­lich nichts. Im Gegen­teil: Ich fin­de es schön, dass jeder Mensch ein wenig anders ist. Ich ver­wen­de da ger­ne den Begriff „krea­tiv“ und ich schät­ze die­se Krea­ti­vi­tät der Men­schen sehr.

Was gefällt Ihnen an Öster­reich – spe­zi­ell an Feld­kirch – beson­ders gut?
Ich fin­de, dass die Leu­te in Feld­kirch sehr nett sind. Wir Kapu­zi­ner haben ein sehr gutes Ver­hält­nis zur Stadt. Es gibt hier auch einen Freun­des­kreis der Vor­arl­ber­ger Kapu­zi­ner, der sehr aktiv ist und uns bei Pro­ble­men hilft und bei Akti­vi­tä­ten unter­stützt. Ganz beson­ders merkt man das beim Fide­lis-Fest im April, wo sich der Freun­des­kreis auf den unter­schied­lichs­ten Ebe­nen ein­bringt. Dafür sind wir sehr dankbar!

Sie sind mit 16 Jah­ren dem Kapu­zi­ner­or­den bei­getre­ten. Die ewi­gen Gelüb­de haben Sie mit Mit­te 20 abge­legt, kurz dar­auf wur­den Sie zum Pries­ter geweiht. War immer klar, dass Sie Kapu­zi­ner wer­den wollen?
Ja, das war für mich immer ganz klar. Es gab auch ande­re Orden in Kera­la, die mir ihre Türen geöff­net hät­ten, aber für mich kamen nur die Kapu­zi­ner in Fra­ge. Das brü­der­li­che Zusam­men­le­ben, das von Ein­fach­heit geprägt ist, hat mich von Anfang an beein­druckt. Ich habe gleich gewusst, dass ich hier­her gehöre. 

Haben Sie ein Herzensgebet?
Mein Name Dhil bedeu­tet auf Hin­di Herz. Mein Gebet ist immer: Nicht ich habe dich erwählt, son­dern du, Gott, hast mich erwählt, des­halb sollst du auch für mich sorgen.

Wie wol­len Sie die Welt im fran­zis­ka­ni­schen Sinn zu einem bes­se­ren Ort machen?
Die Barm­her­zig­keit von Jesus steht für mich über allem: Er begeg­ne­te allen Men­schen, die mit gebro­che­nem Her­zen und Schwie­rig­kei­ten zu ihm kamen, mit gro­ßer Barm­her­zig­keit. Auch der Hei­li­ge Fran­zis­kus war Zeit sei­nes Lebens barm­her­zig und brü­der­lich: Das war ihm wich­ti­ger, als sich an jede Regel zu hal­ten. Und es ist die­se Barm­her­zig­keit, die ich auch in die Welt hin­aus­tra­gen will.

Was macht Ihnen Angst?
Manch­mal macht mir die deut­sche Spra­che Angst. Vor allem so kom­pli­zier­te Wor­te wie „Brand­mel­de­an­la­ge“ (lacht)

Die Welt scheint gera­de aus dem Takt gera­ten zu sein. Kann der Glau­be hier ein Ret­tungs­an­ker sein?
Wir den­ken, dass wir in unsi­che­ren, pro­ble­ma­ti­schen Zei­ten leben. Aber die Welt war schon immer so – das zeigt sich in jeder Pha­se der Geschich­te. Doch mit Glau­ben, Geduld und Barm­her­zig­keit kann jeder ein­zel­ne Mensch im Klei­nen Gro­ßes bewir­ken. Es geht dar­um, zuzu­hö­ren, Ver­trau­en zu spen­den und Lie­be zu schen­ken. Das macht die Welt besser.

Das Inter­view führ­te Chris­tia­ne Fasching.
Es ist zuerst in „fide­lis“ erschie­nen, dem Maga­zin des slw

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