
FOTO: SLW/Gerhard Berger
BR. DHIL KONIKKARA
ist Jahrgang 1989 und wurde im indischen Bundesstaat Kerala geboren. Seit 2009 ist er Kapuziner. Seit 2022 lebt Br. Dhil in Österreich, zuerst im Kapuzinerkloster Innsbruck und seit 2023 in Feldkirch. Dort leitet er als Guardian die Gemeinschaft im Kloster.
„Ich habe gleich gewusst, dass ich hierher gehöre“
Br. Dhil Konikkara (36) hat schon früh seine Bestimmung im Kapuzinerorden gefunden. Im Kapuzinerkloster Feldkirch in Vorarlberg leitet der gebürtige Inder und Priester die Gemeinschaft vor Ort.
Sie sind seit Oktober 2025 neuer Guardian im Kapuzinerkloster Feldkirch. Was möchten Sie in dieser Funktion bewirken?
Das Kapuzinerkloster Feldkirch baut auf eine mehr als 420-jährige Tradition und damit auf eine lange Geschichte, die sehr viel positive Auswirkungen hervorgebracht hat. Dieses Gute will ich zusammen mit meinen Mitbrüdern, der Diözese und den Menschen aus Vorarlberg weitertragen – in der Gegenwart und in der Zukunft.
Sie stammen aus der indischen Provinz Kerala und leben seit 2022 in Österreich. Gibt es österreichische „Eigenheiten“, die Sie bis heute irritieren?
Irritieren tut mich eigentlich nichts. Im Gegenteil: Ich finde es schön, dass jeder Mensch ein wenig anders ist. Ich verwende da gerne den Begriff „kreativ“ und ich schätze diese Kreativität der Menschen sehr.
Was gefällt Ihnen an Österreich – speziell an Feldkirch – besonders gut?
Ich finde, dass die Leute in Feldkirch sehr nett sind. Wir Kapuziner haben ein sehr gutes Verhältnis zur Stadt. Es gibt hier auch einen Freundeskreis der Vorarlberger Kapuziner, der sehr aktiv ist und uns bei Problemen hilft und bei Aktivitäten unterstützt. Ganz besonders merkt man das beim Fidelis-Fest im April, wo sich der Freundeskreis auf den unterschiedlichsten Ebenen einbringt. Dafür sind wir sehr dankbar!
Sie sind mit 16 Jahren dem Kapuzinerorden beigetreten. Die ewigen Gelübde haben Sie mit Mitte 20 abgelegt, kurz darauf wurden Sie zum Priester geweiht. War immer klar, dass Sie Kapuziner werden wollen?
Ja, das war für mich immer ganz klar. Es gab auch andere Orden in Kerala, die mir ihre Türen geöffnet hätten, aber für mich kamen nur die Kapuziner in Frage. Das brüderliche Zusammenleben, das von Einfachheit geprägt ist, hat mich von Anfang an beeindruckt. Ich habe gleich gewusst, dass ich hierher gehöre.
Haben Sie ein Herzensgebet?
Mein Name Dhil bedeutet auf Hindi Herz. Mein Gebet ist immer: Nicht ich habe dich erwählt, sondern du, Gott, hast mich erwählt, deshalb sollst du auch für mich sorgen.
Wie wollen Sie die Welt im franziskanischen Sinn zu einem besseren Ort machen?
Die Barmherzigkeit von Jesus steht für mich über allem: Er begegnete allen Menschen, die mit gebrochenem Herzen und Schwierigkeiten zu ihm kamen, mit großer Barmherzigkeit. Auch der Heilige Franziskus war Zeit seines Lebens barmherzig und brüderlich: Das war ihm wichtiger, als sich an jede Regel zu halten. Und es ist diese Barmherzigkeit, die ich auch in die Welt hinaustragen will.
Was macht Ihnen Angst?
Manchmal macht mir die deutsche Sprache Angst. Vor allem so komplizierte Worte wie „Brandmeldeanlage“ (lacht).
Die Welt scheint gerade aus dem Takt geraten zu sein. Kann der Glaube hier ein Rettungsanker sein?
Wir denken, dass wir in unsicheren, problematischen Zeiten leben. Aber die Welt war schon immer so – das zeigt sich in jeder Phase der Geschichte. Doch mit Glauben, Geduld und Barmherzigkeit kann jeder einzelne Mensch im Kleinen Großes bewirken. Es geht darum, zuzuhören, Vertrauen zu spenden und Liebe zu schenken. Das macht die Welt besser.
Das Interview führte Christiane Fasching.
Es ist zuerst in „fidelis“ erschienen, dem Magazin des slw.
