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Im Gebet zur Begegnung mit Gott. Eine Anleitung.
Wie lässt sich Gott im Alltag erfahren? Das kontemplative Gebet öffnet einen Weg zu mehr innerer Ruhe, geistlicher Tiefe und einer lebendigen Gottesbeziehung. Eine erste Einführung in fünf Schritten.
Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ Diese prophetischen Worte aus den 1960er Jahren stammen von Karl Rahner. Seiner Einschätzung nach ist Christsein ohne persönliche Gotteserfahrung schlichtweg zum Scheitern verurteilt.
Wie zutreffend Rahners Prognose ist, lässt sich heute, Jahrzehnte später, klar erkennen. Glaube ist für viele Christen irrelevant geworden. Sie haben nie einen persönlichen Zugang zu Gott gefunden. Verliert der Glaube an Relevanz, leeren sich logischerweise die Kirchen.
Die Sehnsucht nach Transzendenz bleibt jedoch vielerorts in modifizierter Form bestehen und zeigt sich in mannigfaltigen exoterischen Praktiken und Meditationsmethoden asiatischer Prägung. Sogar das exzessive Konsumieren materieller Güter allein kann schon sinnstiftend wirken. Wer jedoch seine Gottesbeziehung nicht aufgeben, sondern vielmehr intensivieren will, wird nach einem, seinem Naturell entsprechenden Glaubensweg suchen müssen.
Das kontemplative Gebet ist ein solcher Weg und obendrein ein besonders kostbarer Schatz der spirituellen Lebensgestaltung. Das kontemplative Gebet ähnelt sehr dem Jesus- beziehungsweise Herzensgebet sowie den verschiedenen christlichen Meditationsformen, fokussiert aber nicht auf Konzentration, sondern auf Loslassen und Hingeben. Wer kontemplativ beten möchte, kann zwischen dem Gebet der Sammlung (Centering Prayer) und dem Ruhegebet (hesychastisches Gebet) wählen. Das Gebet der Sammlung wurde vom Trappistenmönch Thomas Keating Ende der 1970er Jahre entwickelt. „Die Wolke des Nichtwissens“ (um 1390), das Werk eines unbekannten, mystisch begabten Mönches, bildet die Grundlage dafür. Das Ruhegebet geht auf Johannes Cassian zurück und wurde in unserer Zeit durch Pfarrer Peter Dyckhoff bekannt gemacht. Obwohl sich die Genese beider Gebetsformen unterscheidet, weisen sie die gleiche Struktur auf, die sich gut in fünf Schritten darstellen lässt.
Es gibt viele Wege, Gott zu erfahren. Ein möglicher Weg ist, kontemplativ zu beten. Es ist ein einfacher Weg, der in seiner Schlichtheit einen persönlichen Zugang zu Gott ermöglicht und die Beziehung zu ihm zu vertiefen vermag. Wichtig ist, regelmäßig zu beten und nach Möglichkeit an einem Einübungskurs in diese Gebetsform teilzunehmen.
Zum Autor: P. Clemens Koch OSB lebt in der Abtei Michaelbeuern. Dort ist er Leiter des Exerzitien- und Bildungshauses, Exerzitienbegleiter, Geistlicher Begleiter und Begleiter im Ruhegebet.
Der Text ist zuerst in cap! erschienen, dem Magazin der Kapuziner.
