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5. April 2026

Geheimnisvolles Osterfest: Auferstehung staunend erleben

Die Auf­er­ste­hung des gekreu­zig­ten Jesus durch Got­tes Kraft ist ein Geheim­nis jen­seits unse­res Hori­zon­tes. Wie kann ich mir von Ostern ein Bild machen? Ein Impuls von Br. Adri­an Mül­ler aus Luzern. 

Jedes Jahr fei­ern wir Geburts­tag; doch gebo­ren wor­den sind wir alle nur ein­mal. Mag sein, dass das Erwa­chen am Mor­gen in unse­rer Erfah­rung etwas mit einer Neu­ge­burt zu tun hat, aber sie ist kei­ne Geburt. Viel­leicht ein Hin­weis aufs Gebo­ren-Wer­den. Auch die jähr­li­che Geburts­tags­fei­er ist kei­ne Geburt, son­dern eine Erin­ne­rung an unse­re Geburt vor Jah­ren, sowie ein Indi­ka­tor mei­nes Alters, mei­nes Alterns.

Eben­so ver­ste­he ich das jähr­li­che Oster­fest als eine Erin­ne­rung an das Auf­er­stan­den-Wer­den des gekreu­zig­ten Jesus von Naza­reth durch Got­tes Kraft. Wir wis­sen, was Leben ist, und wir wis­sen auch eini­ges über das irdi­sche Leben von Jesus von Naza­reth, aber was es heißt, beim „Vater“ zu sein oder in der „Gegen­wart Got­tes“ zu leben, auf­er­stan­den zu sein, das ist und bleibt ein Geheim­nis jen­seits unse­res Erfah­rungs­ho­ri­zon­tes oder mei­ner Vor­stel­lun­gen; eben ein Geheim­nis. Selbst eine Nah­tod­erfah­rung geht nicht über die Schwel­le zum Neu­en Leben. Sie nähert sich viel­leicht einem Licht, einer Ver­wand­lung. Aber was kommt nach dem Licht?

Neu­gie­ri­ge Men­schen – und als sol­chen sehe ich mich – möch­ten mehr wis­sen. Und man kann die Bibel öff­nen und fin­det vie­le wun­der­ba­re Erzäh­lun­gen von Men­schen, die dem Auf­er­stan­de­nen begeg­net sind; und auch span­nen­de theo­lo­gi­sche Kom­men­ta­re dazu. Doch eine Ant­wort, was es heißt, auf­er­stan­den zu sein, habe ich nicht gefun­den. Es blei­ben ver­mut­lich das Stau­nen und das Betrof­fen- Wer­den, zwei Erfah­run­gen, wie sie den Freun­din­nen und Freun­den Jesu, die dem Auf­er­stan­de­nen begeg­nen durf­ten, eigen sind. Sie waren noch nicht sel­ber auf­er­stan­den, son­dern sind erst ein­mal als irdi­sche Men­schen dem Auf­er­stan­de­nen begegnet.

In der Kunst durf­te ich eine span­nen­de Ent­de­ckung machen: Manch­mal ist auf Bil­dern der Krip­pe ein Schmet­ter­ling bei­gefügt. Das wun­der­schö­ne zer­brech­li­che Tier ist ein Hin­weis auf die Auf­er­ste­hung. Der Schmet­ter­ling ist, wenn es nun wirk­lich Vor­stel­lun­gen zur Auf­er­ste­hung braucht, für mich das idea­le Vor­stel­lungs- und Medi­ta­ti­ons­ob­jekt: Rau­pe – Pup­pe – Schmet­ter­ling / Leben – Tod (Wand­lung) – Auferstehung.

Dabei sind für mich Erfah­run­gen die­ses Rau­pen-Pup­pe-Schmet­ter­ling-Pro­zes­ses prä­gend. Man kann im Früh­ling auf die Suche nach Rau­pen gehen und die­se in einem Ter­ra­ri­um oder in einer Kar­ton­schach­tel auf­zie­hen. Ein­mal habe ich es ver­sucht: Zuerst habe ich gestaunt, was eine Rau­pe so alles frisst. Ich kam fast nicht nach, mit der Nah­rungs­su­che. Dann plötz­lich kommt bei der Rau­pe der Still­stand mit Essen, aber sie beginnt zu lau­fen und rennt und rennt und rennt. Schlim­mer als ein Mensch in sei­nem Hams­ter­rad. So hat­te ich die Rau­pen in mei­nem Zim­mer. Den Schlaf konn­te ich direkt ver­ges­sen. Lauf grü­ne Rau­pe, lauf!

Plötz­lich ist es ruhig. Und ein brau­ner Kokon hängt an zwei fei­nen Fäden und das lan­ge War­ten beginnt. Hät­te man nicht das Wis­sen oder sogar die Gewiss­heit vom Schmet­ter­ling, man wür­de den brau­nen Kokon ent­sor­gen. Er ist eher das Bild des Todes, denn eines fili­gra­nen, far­bi­gen Schmetterlings.

Plötz­lich knackt es und lang­sam öff­net sich der Kokon. Der Pro­zess des Schlüp­fens wie auch der Kör­per­ent­wick­lung brau­chen Zeit, Kraft und Geduld. Aber wehe, man passt nicht auf, dann ist der wun­der­schö­ne und leich­te Gesel­le in der Luft und weg.

Ich weiß, auch die­ses Pro­zess-Bild ist nicht voll­kom­men. Auf­er­ste­hung hat mit Gott und des­sen Wir­ken zu tun. Doch das Bild eines irdi­schen, gefrä­ßi­gen, ruhe­lo­sen Lebens, das sich nach dem Tod oder Über­gang zu einem ein­ma­li­gen Wesen wan­delt, das den Him­mel bevöl­kert, begeis­tert und bestärkt mich im Glau­ben. Es ist das­sel­be Wesen, aber gleich­wohl ganz anders. Erst Rau­pe, dann Schmet­ter­ling. Ich blei­be nicht­wis­send, aber stau­nend zurück. Welch eine Wand­lung. Welch schö­nes Bild für die Auf­er­ste­hung des Gekreu­zig­ten! Und so auch ein Bild für dich, für mich, für alle Menschen.

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