Interview

FOTO: Kapuziner/Lemrich (links), Archiv

BR. GEORG GREIMEL

(links) ist Jahr­gang 1958. Der Kapu­zi­ner und Pries­ter lebt im Kapu­zi­ner­klos­ter in Altötting. 

3. Febru­ar 2026

Ingbert Naab: Mutige Stimme gegen den Nationalsozialismus

Der Kapu­zi­ner Ing­bert Naab (1885 bis 1935) war Pries­ter und wur­de durch sei­nen Wider­stand gegen die Ras­sen­leh­re und die Ideen des Natio­nal­so­zia­lis­mus bekannt. Br. Georg Grei­mel aus Alt­öt­ting sagt im Inter­view, was den muti­gen Kapu­zi­ner aus­ge­zeich­net hat.

Br. Georg, woher stammt der Kapu­zi­ner Ing­bert Naab?

Br. Georg Greiml: Pater Ing­bert Naab stamm­te aus Dahn, einer Gemein­de der Pfäl­zi­schen Schweiz. Er ver­brach­te sei­ne Kind­heit und Jugend bei sei­nem stren­gen Vater Fried­rich und sei­ner sehr reli­giö­sen Mut­ter Karo­li­na. In der sieb­ten Klas­se mel­de­te er sich von sei­nem Gym­na­si­um im Spey­er ab und ging ins Kapu­zi­ner-Ter­ti­ar­kle­ri­kat in Burg­hau­sen. Außer­dem mach­te er Exer­zi­ti­en im Haus der Exer­zi­ti­en in Königs­ho­fen bei Straß­burg im Elsaß. Dabei spür­te er sei­ne Beru­fung, Kapu­zi­ner zu werden.

Was war Ing­bert Naab für ein Mensch?

Er war sicher­lich ein Mensch vol­ler Geheim­nis­se. Ein Cha­rak­ter­kopf und spä­ter auch ein ech­ter und authen­ti­scher Kapuziner.

Wel­che Auf­ga­ben hat­te er im Orden inne?

Das waren eine gan­ze Men­ge. So war er bei­spiels­wei­se Seel­sor­ger in Lau­fen und auch Wall­fahrts­seel­sor­ger in Alt­öt­ting, der Ort, an dem ich lebe. Hier war der Vize­prä­ses der Maria­ni­schen Män­ner­kon­gre­ga­ti­on. Oft wur­de Ing­bert Naab als „Stu­den­ten­va­ter“ und „Stu­den­ten­freund“ bezeich­net. Ins­ge­samt war er an vie­len Orten tätig, oft in der Jugend- und Stu­den­ten­ar­beit: etwa in Eich­stätt, in Regens­burg oder in Passau.

Heu­te ist der Kapu­zi­ner vor allem sein Wider­stand gegen die Natio­nal­so­zia­lis­ten bekannt. Schon 1923 warn­te er vor Ihnen. Was erkann­te er so früh, was vie­le in Kir­che und Poli­tik übersahen? 

In sei­ner Zeit­schrift „Der gera­de Weg“ hat Pater Ing­bert schon im Jahr 1923 Stel­lung genom­men zu den gro­ßen Gefah­ren der neu­en Bewe­gung Hit­lers. „Der gera­de Weg“ war eine katho­lisch-kon­ser­va­ti­ve Zei­tung. Ing­bert Naab hat den Nie­der­gang durch Hit­ler und das Drit­te Reich mit prä­zi­ser Genau­ig­keit vor­aus­ge­se­hen. Kurz gesagt: Die­ser muti­ge Kapu­zi­ner setz­te dem Nazi-Regime das Licht der Wahr­heit ent­ge­gen und erhob sei­ne Stimme.

Ein einem berühm­ten Arti­kel frag­te er: „Ist Hit­ler ein Christ?“ Wie lau­te­te die Antwort?

Ing­bert Naab schrieb damals: „Das Bekennt­nis Hit­lers zum posi­ti­ven Chris­ten­tum in sei­nem Par­tei­pro­gramm ist unglaub­wür­dig.  Wir müs­sen noch­mal die Fra­ge stel­len: Ist Hit­ler ein Christ? Lei­der muss unse­re Ant­wort lau­ten: Nein!“ Ing­bert Naab leg­te in sei­nem Arti­kel gut dar, dass die wich­tigs­ten Grund­la­gen und Ideen des Natio­nal­so­zia­lis­mus im abso­lu­ten Wider­spruch zum Chris­ten­tum ste­hen. In vie­len wei­te­ren Schrif­ten, etwa in einer Denk­schrift an die Bischofs­kon­fe­renz oder in einem offe­nen Brief an Hit­ler, kri­ti­sier­te er – mil­lio­nen­fach gele­sen – die Ras­sen­leh­re und den Nationalsozialismus. 

Wie hat eigent­lich der Orden reagiert?

Die Ordens­obe­ren baten ihn, sich in Sicher­heit zu brin­gen. Im März 1933 ver­brach­te er ein paar Wochen in Kapu­zi­ner­klos­ter Maria Birn­baum bei Aich­ach. Spä­ter, als die Lage etwas bes­ser wur­de, kehr­te er nach Eich­stätt zurück. Nach der Macht­er­grei­fung muss­te er flie­hen. Am 27. Juni 1933 wäre Pater Ing­bert in Eich­stätt fast gefan­gen genom­men wor­den. Wäh­rend des Mit­tag­essens konn­te er zum Glück noch flucht­ar­tig die Stadt ver­las­sen – mit­hil­fe eines Mit­bru­ders. Über eini­ge Umwe­gen über die Schweiz kam er nach Königs­ho­fen ins Kapu­zi­ner­klos­ter Elsaß bei Straßburg.

2025 jähr­te sich sein Todes­tag. Wo und wie wird sein Andenken leben­dig gehalten?

Am 28. März 1935 starb er im Exil im Elsass, 1953 wur­de er nach Eich­stätt über­führt. Schon damals wur­de er ver­ehrt, des­we­gen beglei­te­te ihn eine gewal­ti­ge Zahl an Eich­stät­ter Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­nern. In Eich­stätt wur­de eine Stra­ße nach ihm genannt, die Pater-Ing­bert-Naab-Stra­ße, auch an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät ist ein Stu­di­en­raum als „Ing­bert-Naab-Hör­saal“ benannt. Auch in Lands­hut oder in Dahn exis­tiert eine Ing­bert-Naab-Stra­ße. Auch wenn er jetzt kei­ne abso­lu­te Berühmt­heit ist, ich wür­de sagen: Die­ser beson­de­re Kapu­zi­ner ist nicht vergessen.

Wo ist er Ihnen ein Vorbild?

Ing­bert Naab hat­te Durch­blick und Weit­blick, für mich ist er da ein Vor­bild. Für mich und auch jeden ande­ren gilt mit Blick auf die­sen Kapu­zi­ner: Sel­ber fest mit­den­ken, wenn ande­re in Poli­tik und Gesell­schaft über Din­ge entscheiden.

Dan­ke für das Gespräch!

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