

FOTO: Kapuziner/Lemrich (links), Archiv
BR. GEORG GREIMEL
(links) ist Jahrgang 1958. Der Kapuziner und Priester lebt im Kapuzinerkloster in Altötting.
Ingbert Naab: Mutige Stimme gegen den Nationalsozialismus
Der Kapuziner Ingbert Naab (1885 bis 1935) war Priester und wurde durch seinen Widerstand gegen die Rassenlehre und die Ideen des Nationalsozialismus bekannt. Br. Georg Greimel aus Altötting sagt im Interview, was den mutigen Kapuziner ausgezeichnet hat.
Br. Georg, woher stammt der Kapuziner Ingbert Naab?
Br. Georg Greiml: Pater Ingbert Naab stammte aus Dahn, einer Gemeinde der Pfälzischen Schweiz. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend bei seinem strengen Vater Friedrich und seiner sehr religiösen Mutter Karolina. In der siebten Klasse meldete er sich von seinem Gymnasium im Speyer ab und ging ins Kapuziner-Tertiarklerikat in Burghausen. Außerdem machte er Exerzitien im Haus der Exerzitien in Königshofen bei Straßburg im Elsaß. Dabei spürte er seine Berufung, Kapuziner zu werden.
Was war Ingbert Naab für ein Mensch?
Er war sicherlich ein Mensch voller Geheimnisse. Ein Charakterkopf und später auch ein echter und authentischer Kapuziner.
Welche Aufgaben hatte er im Orden inne?
Das waren eine ganze Menge. So war er beispielsweise Seelsorger in Laufen und auch Wallfahrtsseelsorger in Altötting, der Ort, an dem ich lebe. Hier war der Vizepräses der Marianischen Männerkongregation. Oft wurde Ingbert Naab als „Studentenvater“ und „Studentenfreund“ bezeichnet. Insgesamt war er an vielen Orten tätig, oft in der Jugend- und Studentenarbeit: etwa in Eichstätt, in Regensburg oder in Passau.
Heute ist der Kapuziner vor allem sein Widerstand gegen die Nationalsozialisten bekannt. Schon 1923 warnte er vor Ihnen. Was erkannte er so früh, was viele in Kirche und Politik übersahen?
In seiner Zeitschrift „Der gerade Weg“ hat Pater Ingbert schon im Jahr 1923 Stellung genommen zu den großen Gefahren der neuen Bewegung Hitlers. „Der gerade Weg“ war eine katholisch-konservative Zeitung. Ingbert Naab hat den Niedergang durch Hitler und das Dritte Reich mit präziser Genauigkeit vorausgesehen. Kurz gesagt: Dieser mutige Kapuziner setzte dem Nazi-Regime das Licht der Wahrheit entgegen und erhob seine Stimme.
Ein einem berühmten Artikel fragte er: „Ist Hitler ein Christ?“ Wie lautete die Antwort?
Ingbert Naab schrieb damals: „Das Bekenntnis Hitlers zum positiven Christentum in seinem Parteiprogramm ist unglaubwürdig. Wir müssen nochmal die Frage stellen: Ist Hitler ein Christ? Leider muss unsere Antwort lauten: Nein!“ Ingbert Naab legte in seinem Artikel gut dar, dass die wichtigsten Grundlagen und Ideen des Nationalsozialismus im absoluten Widerspruch zum Christentum stehen. In vielen weiteren Schriften, etwa in einer Denkschrift an die Bischofskonferenz oder in einem offenen Brief an Hitler, kritisierte er – millionenfach gelesen – die Rassenlehre und den Nationalsozialismus.
Wie hat eigentlich der Orden reagiert?
Die Ordensoberen baten ihn, sich in Sicherheit zu bringen. Im März 1933 verbrachte er ein paar Wochen in Kapuzinerkloster Maria Birnbaum bei Aichach. Später, als die Lage etwas besser wurde, kehrte er nach Eichstätt zurück. Nach der Machtergreifung musste er fliehen. Am 27. Juni 1933 wäre Pater Ingbert in Eichstätt fast gefangen genommen worden. Während des Mittagessens konnte er zum Glück noch fluchtartig die Stadt verlassen – mithilfe eines Mitbruders. Über einige Umwegen über die Schweiz kam er nach Königshofen ins Kapuzinerkloster Elsaß bei Straßburg.
2025 jährte sich sein Todestag. Wo und wie wird sein Andenken lebendig gehalten?
Am 28. März 1935 starb er im Exil im Elsass, 1953 wurde er nach Eichstätt überführt. Schon damals wurde er verehrt, deswegen begleitete ihn eine gewaltige Zahl an Eichstätter Einwohnerinnen und Einwohnern. In Eichstätt wurde eine Straße nach ihm genannt, die Pater-Ingbert-Naab-Straße, auch an der Katholischen Universität ist ein Studienraum als „Ingbert-Naab-Hörsaal“ benannt. Auch in Landshut oder in Dahn existiert eine Ingbert-Naab-Straße. Auch wenn er jetzt keine absolute Berühmtheit ist, ich würde sagen: Dieser besondere Kapuziner ist nicht vergessen.
Wo ist er Ihnen ein Vorbild?
Ingbert Naab hatte Durchblick und Weitblick, für mich ist er da ein Vorbild. Für mich und auch jeden anderen gilt mit Blick auf diesen Kapuziner: Selber fest mitdenken, wenn andere in Politik und Gesellschaft über Dinge entscheiden.
Danke für das Gespräch!
