Interview

FOTO: KAPUZINER/ANITA LEDERSBERGER

BR. Brian Joseph Thomas

(Jahr­gang 1992) lebt als Kapu­zi­ner in Salz­burg und stu­diert dort Theo­lo­gie. Im Jahr 2024 leg­te er sei­ne zeit­li­chen Gelüb­de ab. 

26. Novem­ber 2025

„Jeden Tag im Advent die Türe des eigenen Herzens öffnen“

Stress statt Besin­nung, Eile statt Sehn­sucht: Die Advents­zeit ist für vie­le Men­schen eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung. Wie sieht Advent im Klos­ter aus? Br. Bri­an aus Salz­burg im Interview. 

Kapu­zi­ner­klos­ter Salz­burg, die Advents­zeit steht an. Was ist der Advent für eine Zeit?

Br. Bri­an Tho­mas: Erfah­rungs­ge­mäß eine sehr vol­le und geschäf­ti­ge! Kurz vor dem Jah­res­en­de ballt es sich meis­tens. Aber der Glau­be gibt natür­lich einen ande­ren Ton vor: gespann­te Sehn­sucht und freu­di­ge Erwar­tung des Herrn. Daher ver­su­che ich, den Advent wie eine klei­ne Fas­ten­zeit zu gestal­ten, nur mit einem etwas ande­ren Akzent. 

Haben Sie sich etwas vor­ge­nom­men für die­se Zeit? 

Fas­ten, Beten, Almo­sen geben! Das alles aber nicht als Zusatz­leis­tung, son­dern als Schu­le der Sehn­sucht. Auf ein paar Lecke­rei­en ver­zich­ten, damit Weih­nach­ten umso süßer wird. Unnö­ti­ge Akti­vi­tät und Zer­streu­ung weg­las­sen, um in der Stil­le auf mein Herz zu hören und dem Wort Got­tes Raum zu geben. Mich gegen­über mei­nen Mit­men­schen im Zuhö­ren üben – damit auch Maria und Josef Platz hät­ten, wenn sie dann an mei­ner Türe ste­hen und klopfen. 

Advent im Klos­ter Salz­burg: Gibt es da beson­de­re Rituale?

Im Gegen­satz zu Weih­nach­ten gibt es im Advent weni­ger fixe Ritua­le bei uns Kapu­zi­nern. Advent­li­ches Bei­sam­men­sein bei einer Geschich­te oder ein paar Advents­lie­dern: das gehört aber natür­lich dazu. Und wir ver­su­chen ganz all­ge­mein, eine Atmo­sphä­re der Stil­le zu wah­ren im Haus. Des­we­gen haben wir ab dem 15. Dezem­ber auch eine gäs­te­freie Zeit – und damit mehr Zeit für uns als Brudergemeinschaft. 

Advent ist auch die Zeit der Roratemessen.

Ja, Rora­te­mes­sen gehö­ren natür­lich auch zu unse­rem Pro­gramm! Jeden Diens­tag im Advent sind die Gläu­bi­gen um 6:30 Uhr zu einer Früh­mes­se bei Ker­zen­schein und medi­ta­ti­ver musi­ka­li­scher Gestal­tung ein­ge­la­den – inklu­si­ve anschlie­ßen­dem ein­fa­chen Früh­stück bei uns im Klos­ter. Die­se Mes­sen sind jedes Jahr sehr gut besucht. Wahr­schein­lich, weil man in der dunk­len, stil­len Atmo­sphä­re am ehes­ten das spü­ren kann, was den Advent aus­ma­chen soll­te. Und das ist, neben all dem Tru­bel: Hin­ab­zu­stei­gen in die eige­ne Sehn­sucht und sich zu öff­nen für das, was Gott schen­ken will. 

Haben eigent­lich auch Kapu­zi­ner einen Adventskalender?

(lacht) Mei­ne Mama war mein Leben lang eine pas­sio­nier­te und krea­ti­ve Advents­ka­len­der-Bast­le­rin. Nach­dem ich ins Klos­ter gegan­gen bin, hat es mich eini­ges an Über­re­dung gekos­tet, sie davon abzu­hal­ten. Denn auf einen Kalen­der zu ver­zich­ten, das ist für mich per­sön­lich ein kon­kre­ter Aus­druck unse­res Armuts­ver­spre­chens: im Advent nicht neue Sachen anzu­sam­meln, son­dern eher alte loszuwerden!

Advent ist meist mit Stress ver­bun­den, Weih­nach­ten steht vor der Tür: Wo bleibt die Besinnung?

Den Stress wird man nicht ein­fach abschal­ten kön­nen. Aber viel­leicht kann er zum Werk­zeug der Besin­nung wer­den? Was mich stresst, ver­rät mir viel dar­über, was mich eigent­lich bewegt, was mir wich­tig ist. Die Vor­be­rei­tung von Weih­nach­ten ist ja unter ande­rem des­we­gen für vie­le Men­schen stres­sig, weil sich das Fest mit gro­ßen Erwar­tun­gen ver­bin­det: Zeit mit gelieb­ten Men­schen ver­brin­gen, nach Hau­se kom­men, sich an die eige­ne unbe­schwer­te Kind­heit erin­nern. Das kann eine Fra­ge zur Besin­nung sein: Was braucht es wirk­lich, um das Ersehn­te vor­zu­be­rei­ten? Was brin­ge ich von die­sem Jahr an Ent­täu­schun­gen und Freu­den mit in die Fei­er­ta­ge? Wie kann ich mein Herz ein­stim­men? Wel­che Bezie­hungs­pro­ble­me soll­ten am bes­ten vor­her geklärt werden? 

Haben Sie eine Lieb­lings­stel­le aus der Bibel zum Advent? 

Die Lit­ur­gie der Kir­che ist in der Advents­zeit unglaub­lich reich! Der Fokus der täg­li­chen Mess­le­sun­gen liegt auf dem Buch Jesa­ja, das in den schöns­ten Bil­dern die Ver­spre­chen Got­tes an sein Volk beschreibt. Ein ech­tes Hoff­nungs-Buch! Eine der schöns­ten Stel­len: Jesa­ja 40,1–11.

Advent und Weih­nach­ten bedeu­tet für vie­le auch: Einsamkeit.

Ja, das ist so. Das erle­be ich vor allem bei den Bedürf­ti­gen und Obdach­lo­sen, mit denen ich arbei­te. Ihre Situa­ti­on ist häu­fig die Fol­ge von zer­bro­che­nen Bezie­hun­gen. Da ist die Weih­nachts­zeit oft eine schmerz­li­che Erin­ne­rung an ver­lo­re­ne Men­schen, an geschei­ter­te Lebens­ent­wür­fe. Da hilft kein bil­li­ger Trost. Da-sein, das Leid aus­hal­ten – auch in der eige­nen Ohn­macht, das ist das größ­te Geschenk, das man einem Men­schen machen kann. Viel­leicht ist ja der Advent eine gute Gele­gen­heit, sich bei Men­schen zu mel­den, von denen man weiß, dass sie ein­sam sind? Das wäre doch mal ein schö­ner Advents­ka­len­der: jeden Tag die Türe des eige­nen Her­zens für jeman­den öffnen! 

Wenn man nichts Eige­nes besitzt: Was wünscht man sich da zu Weihnachten?

Wir Kapu­zi­ner haben zwar kein Eigen­tum, aber natür­lich Gegen­stän­de zum täg­li­chen Gebrauch. Wie Klei­dung, Bücher, Süßig­kei­ten. Da freu­en wir uns, wenn wir der Gemein­schafts­kas­se die eine oder ande­re Anschaf­fung erspa­ren kön­nen. Und Scho­ko­la­de und Kek­se gehen gut weg bei uns im Klos­ter (lacht)

Was wünschst Du Dir für die Welt in die­sem Advent?

Dass vie­le Men­schen den Mut haben, die digi­ta­le Betäu­bung zu redu­zie­ren und sich der Stil­le aus­zu­set­zen. Damit es „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“ wer­den kann, muss näm­lich erst­mal im eige­nen Her­zen auf­ge­räumt wer­den. Unse­re Welt lechzt nach Frie­den. Wir brau­chen Men­schen, die damit ernst machen, dem Frie­dens­fürs­ten in ihrem Leben einen Platz zu bereiten!

Vie­len Dank und eine gute Adventszeit!

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