
FOTO: KAPUZINER/CHRISTINE PLÖSSER
Kapuziner-FAQ: Wie bete ich?
In unseren FAQ beantworten wir Fragen rund um Orden und Kirche. Heute geht es um das Gebet. Wie bete ich richtig? Gibt es eine Anleitung? Bekomme ich eine Antwort und was bringt mir das Gebet?
Wie bete ich richtig?
Richtig beten ist wie atmen. Einatmen. Ausatmen. Das kann man nicht richtig oder falsch machen. Es geschieht einfach, wie der Herzschlag. Beides empfangen Sie vom Leben. Oder wovon sonst? Von Gott? Beginnen Sie zu staunen. Sie merken: Beten ist eher stumm staunen. Mit einem leisten Gefühl von Dankbarkeit.
Wie bete ich konkret zu Gott?
Stellen Sie sich einen guten Freund vor. Wenden Sie sich ihm zu. Sprechen Sie einfach, wie es Ihnen gerade einfällt. Sagen Sie ein Wort, das in Ihnen aufsteigt. Etwa: Gott. Oder: Herr. Oder: Jesus. Mehr nicht. Atmen Sie tief ein. Beim Ausatmen sprechen Sie diesen Namen aus. Eine Minute lang täglich morgens. In der nächsten Woche morgens und abends. In der dritten Woche ohne lautes sprechen, aber um so herzlicher.
Was ist ein Gebet?
Ein kleiner Schritt vom Ego zum Du. Zur Liebe. Ein Satz. Ein dankbarer Blick nach innen. Ein Öffnen vor Gott, der Sie sieht, auch wenn Sie sich verstecken. Ein Wort, das leicht ist. Oder Schweigen.
Welche Arten von Gebet gibt es?
Lob. Dank. Bitte. Klage. Eine Fürbitte, die den Menschen meint, der Ihnen wichtig ist. Und sinnliches Verkosten der Gegenwart Gottes. Einswerden mit dem Universum. Und so einssein mit dem Schöpfer dieser Wunderwelt.
An welchem Ort bete ich am besten?
Wählen Sie einen Ort, an dem Sie ehrlich da sein können. Zuhause. Kirche. Unterwegs. Ein Ort, der Ihnen Raum gibt, wenn Sie suchen. Das kann auch mitten im Trubel sein. Stille ist auf jeden Fall hilfreich. Aber manchem auch der Lärm, in dem man ausruhen kann wie im Auge eines Orkans.
Wie lange dauert ein gebet?
Es gibt dafür keine Regeln. Manchmal kurz. Manchmal lang. Ein Atemzug kann schon alles enthalten. Oder viele Minuten, in denen Sie spüren, wie Sie sich langsam öffnen. Gott misst nicht. Sie dürfen frei bleiben. Wenn Sie sich in Gottes Gegenwart versenken, vergeht die Zeit wie im Fluge. Genießen Sie diese Zeit, egal wie lang.
Gibt es einen rituellen Rahmen für ein Gebet?
Es gibt keine Pflicht, aber ein Rahmen kann helfen. Kreuzzeichen. Amen. Oder einfach Stille, in der Sie sich sammeln, bevor Sie beginnen. Rituale sind ein Angebot wie ein Geländer, dass Sicherheit geben kann. Ein Ritual kann sein: Fünf Minuten früher aufstehen als nötig. Und die Zeit für Gott gestalten: Kerze an, das Kreuz anblicken, die Liebsten im Herzen wachrufen, sie dem Segen Gottes übergeben, genauso wie den Tag, der vor Ihnen liegt. Mit dem Kreuzzeichen schließen.
Gibt es eine Anleitung in der Bibel?
Ja, die gibt es. Da sind zum Beispiel die Psalmen. Das Vaterunser. Worte, die gewachsen sind aus dem Glauben vieler Menschen. Mehr brauchen Sie nicht. Oft gilt: Lieber weniger als mehr. Lernen Sie vier Verse auswendig, die Sie ansprechen. Wiederhole. Sie diese täglich mehrmals. So verinnerlichen Sie diese. Und sie formen Sie.
Wie formuliere ich MEIN Gebet?
Sprechen Sie, wie Sie sprechen. Ohne Druck. Ohne Form. Mit Worten, die aus Ihrem Leben kommen und sich echt anfühlen. Gott versteht Sie. Immer.
Ich würde gerne beten, kann aber nicht. und nun?
Setzen Sie sich hin und atmen Sie. Sagen Sie ein kleines Wort. Vielleicht „Herr“. Oder „Gott“. Verbinden Sie sich mit denen, die schon beten können. Vor allem ist wichtig: Sie sind nicht allein. Mehr braucht es nicht. Sie wachsen hinein.
Bekomme ich eine Antwort auf Mein GEbet?
Ja. Manchmal sofort. Manchmal später. In Gedanken, die aufsteigen, wenn Sie es nicht erwarten. In Menschen. Oder im Frieden danach. Oder indem Ihnen ein Licht aufgeht. Und wenn nichts kommt: Das ist auch Antwort für Sie, der gewohnt ist, auf eine Leistung eine Gegenleistung zu erhalten. Also bitte: Geduld!
Ist Gebet ein Dialog oder ein einseitiger Anruf?
Beides. Sie sprechen, er hört. Er antwortet leise, was Sie merken, wenn Ihr Herz ruhig wird. Manchmal im Schweigen. Manchmal im Wort.
Was ist der richtige ZEitpunkt für ein Gebet?
Wenn Sie dankbar sind. Wenn Sie suchen. Wenn Sie zweifeln. Wenn Sie Freude spüren, die Ihnen zeigt, wie lebendig Sie sind. Wenn Sie traurig sind. Kurz: Immer.
Warum soll ich beten, was bringt mir das Gebet?
Nichts. Das Gebet ist wie ein Kuss, den Sie geben, der Ihnen hoffentlich nichts bringen soll, sondern mit dem Sie etwas geben wollen. Ohne Erwartung. In freier Liebe. Reif. Gebet klärt, es tröstet. Es stärkt Sie, der Sie mehr tragen, als Sie nach Außen zeigen. Gebet verbindet und es führt weiter.
Die Fragen beantwortete Br. Paulus Terwitte. In der Reihe Kapuziner-FAQ sind bereit mehrere Artikel erschienen, etwa zum Stundengebet oder zur Vita Mixta. Einen Überblick über alle Beiträge finden Sie hier.
