
FOTO: Unsplash/Vincent van Zalinge
Liebe zur Schöpfung und Liebe zu den Menschen
Der heilige Franz von Assisi ist weltberühmt. Warum? Auch weil seine Liebe zur Schöpfung zur Legende geformt wurde. Diese Zugewandtheit wird anerkannt – nicht nur bei Christen. Ein Impuls von Br. Michael Maldacker.
Der heilige Franziskus war Tieren zugewandt, angeblich begeisterte er sie. Seine Predigt vor den Vögeln, sein Zähmen des Wolfes von Gubbio: Das zeigt Wertschätzung auf Augenhöhe, die es derart ausdrücklich in der Geschichte von Heiligen und unseres Glaubens selten gegeben hat.
Bis ein Argentinier Papst wurde, der sich der Tradition des heiligen Franziskus verpflichtet fühlte. Der seinen Namen wählte, und der neben dem Augenmerk auf die Armen dieser Welt, auch den Fokus auf die Bewahrung der Schöpfung richtete. Der verstorbene Papst Franziskus erinnerte an die Verantwortung, die jeder Mensch zur Bewahrung der Natur hat.
Im Jahr 2013 sagte der Papst, „wenn der Mensch dieser Verantwortung nicht nachkommt, wenn wir uns nicht um die Schöpfung und um die Mitmenschen kümmern, dann gewinnt die Zerstörung Raum und das Herz verdorrt.“ Der Papst erinnerte daran, dass er nicht nur zu den Christen sprach, sondern dass unsere Umwelt, unser Lebensraum, alle Menschen angeht, vom Glauben und von der Religion unabhängig. Er bezog in die Verantwortung für die Schöpfung die Verantwortung für den Mitmenschen ein, denn, dort, wo Raubbau an der Natur fortschreitet, ist kein menschliches Leben mehr möglich. Dafür tragen wir alle, auch wir in Deutschland, für die ganze Welt Verantwortung.
Und der Papst nannte das Wegsehen vieler Menschen vor dem schrecklichen Wandel der Natur und des Klimas, vor dem verantwortungslosen Akzeptieren, wie die Natur ausgebeutet wird, „das Herz verdorren“. Die Wortwahl „verdorren“ des Papstes beschreibt damit drastisch eine menschliche Gleichgültigkeit, die kein mitfühlendes und solidarisch schlagendes Herz mehr zulässt. Papst Franziskus wollte nicht dramatisieren, er wollte mahnen. Mahnen, dass ein Leben für uns Menschen nicht von der Natur, sondern mit der Natur notwendig ist.
Franziskus knüpfte an die Linie seines Namensgebers, des heiligen Franziskus von Assisi, an. Wer die Natur und das Geschöpf nicht hütet, versündigt sich insbesondere gegen die Schwachen und am Rand Stehenden. Denn die Armen sind meist auch die ersten Leidtragenden an den weltweiten Freveltaten an der Natur. Der heilige Franziskus und der verstorbene Papst Franziskus fordern uns auf, Hüter der Schöpfung zu sein, denn die Hüter der Schöpfung sind die Hüter der Menschen.
Die Idee, dass die Bewahrung der Schöpfung, des Geschenks Gottes an die Menschen, göttlicher Auftrag ist, eint im übrigen Weltreligionen. Der Koran etwa erinnert Musliminnen und Muslime an verschiedenen Stellen daran, sich gegenüber der Schöpfung und damit gegenüber der Natur respektvoll zu verhalten. In den Hadithen (Aussagen über den Propheten Mohammed, die nicht Teil des Korans sind), finden Musliminnen und Muslime sogar zahlreiche praktische Anregungen zum Natur- und Umweltschutz. Im Hinduismus gibt es keinen Schöpfergott. Trotzdem ist der Auftrag gläubiger Hinduisten klar: Sie sind zum Naturschutz verpflichtet, denn jedes Element der Natur ist eine Gottheit. Im Judentum ist der Auftrag an die Gläubigen ebenfalls klar: Nachhaltiges Handeln, Naturschutz und der respektvolle Umgang mit Tieren und Ressourcen sind Pflicht. Laut der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg ist „Tikkun Olam“ („Reparatur der Welt“) ein zentrales jüdisches Konzept, das auf Umweltschutz, Klimaschutz und die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume angewandt wird. Ein ethisches Prinzip im jüdischen Gesetz Halacha ist „Bal Taschit“ („Verbot der Zerstörung“). Abgeleitet aus der Tora (Deuteronomium 20,19–20), verbietet dieses Prinzip die sinnlose Zerstörung oder Verschwendung von Ressourcen.
Noch ein letzter Gedanke: so sehr wir unseren Fokus auf das Bewahren des Irdischen richten, so sehr müssen wir aber auch unser Verhältnis zu Gott bewahren, die Treue halten, seine Nähe erwidern. Und so auch unser Verhältnis zu ihm, dem Allmächtigen, dem Schöpfer, hüten.
