News
11. Juni 2026

Liebe zur Schöpfung und Liebe zu den Menschen

Der hei­li­ge Franz von Assi­si ist welt­be­rühmt. War­um? Auch weil sei­ne Lie­be zur Schöp­fung zur Legen­de geformt wur­de. Die­se Zuge­wandt­heit wird aner­kannt – nicht nur bei Chris­ten. Ein Impuls von Br. Micha­el Maldacker. 

Der hei­li­ge Fran­zis­kus war Tie­ren zuge­wandt, angeb­lich begeis­ter­te er sie. Sei­ne Pre­digt vor den Vögeln, sein Zäh­men des Wol­fes von Gub­bio: Das zeigt Wert­schät­zung auf Augen­hö­he, die es der­art aus­drück­lich in der Geschich­te von Hei­li­gen und unse­res Glau­bens sel­ten gege­ben hat. 

Bis ein Argen­ti­ni­er Papst wur­de, der sich der Tra­di­ti­on des hei­li­gen Fran­zis­kus ver­pflich­tet fühl­te. Der sei­nen Namen wähl­te, und der neben dem Augen­merk auf die Armen die­ser Welt, auch den Fokus auf die Bewah­rung der Schöp­fung rich­te­te. Der ver­stor­be­ne Papst Fran­zis­kus erin­ner­te an die Ver­ant­wor­tung, die jeder Mensch zur Bewah­rung der Natur hat.

Im Jahr 2013 sag­te der Papst, „wenn der Mensch die­ser Ver­ant­wor­tung nicht nach­kommt, wenn wir uns nicht um die Schöp­fung und um die Mit­men­schen küm­mern, dann gewinnt die Zer­stö­rung Raum und das Herz ver­dorrt.“ Der Papst erin­ner­te dar­an, dass er nicht nur zu den Chris­ten sprach, son­dern dass unse­re Umwelt, unser Lebens­raum, alle Men­schen angeht, vom Glau­ben und von der Reli­gi­on unab­hän­gig. Er bezog in die Ver­ant­wor­tung für die Schöp­fung die Ver­ant­wor­tung für den Mit­men­schen ein, denn, dort, wo Raub­bau an der Natur fort­schrei­tet, ist kein mensch­li­ches Leben mehr mög­lich. Dafür tra­gen wir alle, auch wir in Deutsch­land, für die gan­ze Welt Verantwortung. 

Und der Papst nann­te das Weg­se­hen vie­ler Men­schen vor dem schreck­li­chen Wan­del der Natur und des Kli­mas, vor dem ver­ant­wor­tungs­lo­sen Akzep­tie­ren, wie die Natur aus­ge­beu­tet wird, „das Herz ver­dor­ren“. Die Wort­wahl „ver­dor­ren“ des Paps­tes beschreibt damit dras­tisch eine mensch­li­che Gleich­gül­tig­keit, die kein mit­füh­len­des und soli­da­risch schla­gen­des Herz mehr zulässt. Papst Fran­zis­kus woll­te nicht dra­ma­ti­sie­ren, er woll­te mah­nen. Mah­nen, dass ein Leben für uns Men­schen nicht von der Natur, son­dern mit der Natur not­wen­dig ist.

Fran­zis­kus knüpf­te an die Linie sei­nes Namens­ge­bers, des hei­li­gen Fran­zis­kus von Assi­si, an. Wer die Natur und das Geschöpf nicht hütet, ver­sün­digt sich ins­be­son­de­re gegen die Schwa­chen und am Rand Ste­hen­den. Denn die Armen sind meist auch die ers­ten Leid­tra­gen­den an den welt­wei­ten Fre­vel­ta­ten an der Natur. Der hei­li­ge Fran­zis­kus und der ver­stor­be­ne Papst Fran­zis­kus for­dern uns auf, Hüter der Schöp­fung zu sein, denn die Hüter der Schöp­fung sind die Hüter der Menschen.

Die Idee, dass die Bewah­rung der Schöp­fung, des Geschenks Got­tes an die Men­schen, gött­li­cher Auf­trag ist, eint im übri­gen Welt­re­li­gio­nen. Der Koran etwa erin­nert Mus­li­min­nen und Mus­li­me an ver­schie­de­nen Stel­len dar­an, sich gegen­über der Schöp­fung und damit gegen­über der Natur respekt­voll zu ver­hal­ten. In den Hadi­then (Aus­sa­gen über den Pro­phe­ten Moham­med, die nicht Teil des Korans sind), fin­den Mus­li­min­nen und Mus­li­me sogar zahl­rei­che prak­ti­sche Anre­gun­gen zum Natur- und Umwelt­schutz. Im Hin­du­is­mus gibt es kei­nen Schöp­fer­gott. Trotz­dem ist der Auf­trag gläu­bi­ger Hin­du­is­ten klar: Sie sind zum Natur­schutz ver­pflich­tet, denn jedes Ele­ment der Natur ist eine Gott­heit. Im Juden­tum ist der Auf­trag an die Gläu­bi­gen eben­falls klar: Nach­hal­ti­ges Han­deln, Natur­schutz und der respekt­vol­le Umgang mit Tie­ren und Res­sour­cen sind Pflicht. Laut der Hoch­schu­le für Jüdi­sche Stu­di­en in Hei­del­berg ist „Tik­kun Olam“ („Repa­ra­tur der Welt“) ein zen­tra­les jüdi­sches Kon­zept, das auf Umwelt­schutz, Kli­ma­schutz und die Wie­der­her­stel­lung natür­li­cher Lebens­räu­me ange­wandt wird. Ein ethi­sches Prin­zip im jüdi­schen Gesetz Halacha ist „Bal Tas­chit“ („Ver­bot der Zer­stö­rung“). Abge­lei­tet aus der Tora (Deu­te­ro­no­mi­um 20,19–20), ver­bie­tet die­ses Prin­zip die sinn­lo­se Zer­stö­rung oder Ver­schwen­dung von Ressourcen.

Noch ein letz­ter Gedan­ke: so sehr wir unse­ren Fokus auf das Bewah­ren des Irdi­schen rich­ten, so sehr müs­sen wir aber auch unser Ver­hält­nis zu Gott bewah­ren, die Treue hal­ten, sei­ne Nähe erwi­dern. Und so auch unser Ver­hält­nis zu ihm, dem All­mäch­ti­gen, dem Schöp­fer, hüten.

Pressekontakt

Bei Fra­gen zu die­ser Mel­dung oder zur Auf­nah­me in den Pres­se­ver­tei­ler mel­den Sie sich per Mail oder Tele­fon bei Tobi­as Rau­ser, Lei­ter Pres­­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit: Tele­fon: +49 (0)160–99605655 oder

KAPNEWS

Der News­let­ter der Kapuziner
Wol­len Sie über die Kapu­zi­ner und ihr Enga­ge­ment  infor­miert blei­ben? Dann mel­den Sie sich kos­ten­los für unse­re monat­li­chen „KAPNEWSan.
www.kapuziner.org/newsletter

Pressekontakt

Bei Fra­gen zu die­ser Mel­dung oder zur Auf­nah­me in den Pres­se­ver­tei­ler mel­den Sie sich per Mail oder Tele­fon bei Tobi­as Rau­ser, Lei­ter Pres­­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit: Tele­fon: +49 (0)160–99605655 oder

KAPNEWS

Der News­let­ter der Kapuziner
Wol­len Sie über die Kapu­zi­ner und ihr Enga­ge­ment  infor­miert blei­ben? Dann mel­den Sie sich kos­ten­los für unse­re monat­li­chen „KAPNEWSan.
www.kapuziner.org/newsletter