Interview

FOTO: Kapuziner/Anita Ledersberger

BR. PAULUS TERWITTE

lebt als Kapu­zi­ner und Pries­ter im Kon­vent in Müns­ter. Dort lei­tet er die Gemein­schaft im Kloster. 

22. Juli 2026

Mut und Vertrauen: „Veränderung ist ein Lebenszeichen“

Wie in unsi­che­ren Zei­ten die Hoff­nung bewah­ren? Br. Pau­lus Ter­wit­te erläu­tert im Inter­view, war­um Wan­del für ihn etwas Leben­di­ges ist und wes­halb nie­mand Angst vor Ver­än­de­run­gen haben muss.

Bru­der Pau­lus, vie­le Men­schen bli­cken mit Sor­ge in die Zukunft. Was ant­wor­ten Sie, wenn jemand sagt: „Ich habe Angst vor dem, was kommt“?

Zunächst ein­mal höre ich zu. Ich fra­ge: „Inter­es­sant. Erzäh­len Sie mir, was Sie kom­men sehen.“ Oft zeigt sich erst im Erzäh­len, was einen Men­schen wirk­lich bewegt. Hin­ter vie­len kon­kre­ten Sor­gen steckt letzt­lich die­sel­be Fra­ge: Wer­de ich bestehen, wenn sich mein Leben ver­än­dert? Seel­sor­ge bedeu­tet für mich, die­sen Ängs­ten Raum zu geben. Wer sie aus­spricht, ent­deckt häu­fig schon einen neu­en Blick auf das, was ihn belastet.

Der Titel eines Buchs von Ihnen lau­tet „Stark durch den Wan­del“. Was bedeu­tet Ver­än­de­rung für Sie?

Ver­än­de­rung ist für mich ein Lebens­zei­chen. Solan­ge ich mich ver­än­dern kann, lebe ich. Still­stand gibt es erst auf dem Fried­hof. Natür­lich brin­gen Ver­än­de­run­gen Kri­sen mit sich, aber Kri­sen sind auch Ein­la­dun­gen, neue Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und zu wach­sen. Das Leben über­rascht uns stän­dig. Manch­mal schmerz­haft, oft aber auch auf eine Wei­se, die wir vor­her nie erwar­tet hätten.

Vie­le Men­schen erle­ben Ver­än­de­run­gen trotz­dem eher als Bedro­hung. Wor­an liegt das?

Weil wir uns nach Sicher­heit seh­nen und das Gewohn­te fest­hal­ten möch­ten. Aber Leben lässt sich nicht voll­stän­dig pla­nen. Die ent­schei­den­de Fra­ge ist des­halb nicht, wie ich jede Ver­än­de­rung ver­hin­dern kann, son­dern ob ich ein Fun­da­ment habe, das mich trägt. Für mich ist die­ses Fun­da­ment der Glau­be. Wer inner­lich behei­ma­tet ist, kann krea­ti­ver und hoff­nungs­vol­ler mit Ver­än­de­run­gen umgehen.

Vie­le Kir­chen­ge­mein­den und kirch­li­che Ein­rich­tun­gen ste­hen der­zeit vor gro­ßen Ver­än­de­run­gen. Auch die Zukunft von Kir­chen­ge­bäu­den bewegt vie­le Men­schen. Was möch­ten Sie den Men­schen dazu mitgeben?

Die Kir­che war nie dazu da, alles beim Alten zu las­sen. Sie ver­steht sich von Anfang an als Weg­ge­mein­schaft. Sogar in der Mit­te jeder Eucha­ris­tie steht die Wand­lung. Des­halb dür­fen wir Ver­än­de­run­gen nicht auto­ma­tisch als Nie­der­la­ge sehen. Manch­mal endet etwas, damit Neu­es ent­ste­hen kann. Das gilt für Gebäu­de genau­so wie für unser per­sön­li­ches Leben. Wan­del kann eine Ein­la­dung zur Auf­er­ste­hung sein.

In Ihrem Buch schrei­ben Sie dar­über, wie Men­schen durch Ver­än­de­run­gen stär­ker wer­den kön­nen. Gibt es einen ers­ten Schritt?

Ja: zurück­schau­en. Ich lade Men­schen ein, sich zu erin­nern, wel­che uner­war­te­ten Ver­än­de­run­gen sie in ihrem Leben bereits gemeis­tert haben. Fast jeder ent­deckt dann Situa­tio­nen, die zunächst schwie­rig erschie­nen und sich spä­ter als Chan­ce erwie­sen haben. Die­se Erin­ne­run­gen schen­ken Ver­trau­en für das, was noch kommt. Wer sei­ne eige­ne Geschich­te kennt, geht muti­ger in die Zukunft.

Was ist Ihr Rat für die­se Zukunft?

Ich wün­sche mir, dass Men­schen den Mut gewin­nen, Ver­än­de­rung nicht nur als Ver­lust zu sehen. Aus christ­li­cher Sicht endet unser Weg nicht im Schei­tern, son­dern in der Voll­endung. Die­ses Ver­trau­en schenkt Frei­heit für das Leben hier und heu­te. Wer einen fes­ten Stand hat, kann sich bewe­gen. Oder, wie ich es manch­mal sage: Ich habe ein himm­li­sches Stand­bein – und des­halb ein irdi­sches Spiel­bein. Genau dar­aus wächst Zuversicht.

Das Inter­view führ­te Ann-Chris­tin Lader­mann für die Pres­se­stel­le des Bis­tums Müns­ter.

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