Standpunkte

FOTO: KAPUZINER/ANITA LEDERSBERGER

BR. CHRISTIAN ALBERT

wur­de 1986 in Rin­teln gebo­ren. Mit 22 Jah­ren trat der gelern­te Bank­kauf­mann in den Kapu­zi­ner­or­den ein. Nach einer Aus­bil­dung zum Koch leb­te er eini­ge Jah­re im Klos­ter zum Mit­le­ben in Stüh­lin­gen. Seit Juni 2020 arbei­tet er als Mis­sio­nar in Fus­hë-Arrëz in Albanien.

7. August 2025

Nächstenliebe hört nicht an der eigenen Türschwelle auf

Ver­langt christ­li­che Nächs­ten­lie­be, die Lie­be zu prio­ri­sie­ren? Nein, denn dann ver­liert sie ihren wah­ren Sinn und wider­spricht dem christ­li­chen Auf­trag, sagt Br. Chris­ti­an Albert in sei­nem Standpunkt. 

Man stel­le sich vor: Die Nächs­ten­lie­be ist ein Rei­hen­haus – oder im Fall von US-Vize­prä­si­dent J. D. Van­ce eine Vil­la mit mar­kan­ter Veran­da in einer park­ähn­li­chen Umge­bung. Drin­nen sit­zen Mut­ter, Vater und drei Kin­der. Drau­ßen steht ein Asyl­su­chen­der. Er klopft, bit­tet um Ein­lass. Im Haus wird dis­ku­tiert: Muss man wirk­lich jedem helfen?

In einem Inter­view sag­te der US-Vize­prä­si­dent: „Du liebst dei­ne Fami­lie, dann dei­nen Nach­barn, dann dei­ne Gemein­de, dann dei­ne Mit­bür­ger im eige­nen Land und erst danach den Rest der Welt.“ Dies sei, so Van­ce, nicht nur gesun­der Men­schen­ver­stand, son­dern das christ­li­che Prin­zip des „ordo amo­ris“. Also eine Prio­ri­sie­rung der Lie­be, die sei­ner Ansicht nach auch poli­ti­sche Kon­se­quen­zen haben müs­se, etwa in der Migra­ti­ons­po­li­tik. Die gestaf­fel­te Nächs­ten­lie­be hört also an der Gar­ten­pfor­te auf. Für Geflüch­te­te bleibt da nichts übrig.

Tho­mas von Aquin wird in die­ser Dis­kus­si­on her­an­ge­zo­gen. Die­ser habe die Hier­ar­chie der Lie­be erfun­den. Und tat­säch­lich unter­schei­det der Theo­lo­ge in sei­ner Ord­nung der Nächs­ten­lie­be: Die eige­ne Fami­lie steht uns natur­ge­mäß näher als der Frem­de. Dar­aus aber zu schlie­ßen, dass der Frem­de kei­ne Lie­be ver­dient, das ist ein Kurz­schluss. Tho­mas von Aquin schreibt: „Wir sol­len allen Men­schen Lie­be erwei­sen, aber nicht allen in glei­chem Maße.“ Die Lie­be zum Nächs­ten ist uni­ver­sal, sie ist gestuft – nicht aus­schlie­ßend. Wer dar­aus eine Lizenz zur Gleich­gül­tig­keit bas­telt, hat Tho­mas von Aquin gründ­lich missverstanden.

„JD Van­ce irrt: Jesus ver­langt nicht von uns, unse­re Lie­be zu ande­ren zu prio­ri­sie­ren“, pos­te­te Kar­di­nal Robert F. Pre­vost, der spä­ter zu Papst Leo XIV. gewählt wur­de. Doch Van­ce und sei­ne Apo­lo­ge­ten hören lie­ber auf ihren inne­ren Haus­meis­ter: Wer nicht zur Fami­lie gehört, bleibt drau­ßen. Für mich hin­ge­gen steht fest: Wer Nächs­ten­lie­be auf den eige­nen Vor­gar­ten begrenzt, macht aus dem Chris­ten­tum eine Besitz­stands­wah­rung. Das ist nicht katho­lisch, son­dern kleingeistig.

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