Interview

FOTO: Kapuziner/Ledersberger

BR. LAURENTIUS WENK

ist Jahr­gang 1958 und trat im Jahr 1981 in den Kapu­zi­ner­or­den ein. Zur­zeit lei­tet er das Kapu­zi­ner­klos­ter in Werne. 

8. Juni 2026

Start in Werne: Br. Laurentius über sein Ankommen in Stadt und Kloster

Ein Neu­an­fang im Win­ter, ein star­kes Team – und ein Klos­ter, das von Ehren­amt­li­chen lebt: Bru­der Lau­ren­ti­us Wenk spricht über sein Ankom­men in Wer­ne und die Kraft der Gemeinschaft.

Br. Lau­ren­ti­us, wie waren Ihre ers­ten Mona­te in Werne?

Das Ankom­men war inten­siv und geprägt von beson­de­ren Umstän­den, vor allem weil es in die Advents- und Weih­nachts­zeit fiel. Die­se Pha­se in der dunk­len und kal­ten Jah­res­zeit ist für einen Neu­an­fang nicht ide­al, zugleich hat sie mir vie­les bewusst gemacht. Heu­te sehe ich die­se ers­te Zeit als eine inten­si­ve Pha­se des Über­gangs, die den Boden dafür gelegt hat, dass ich jetzt gut hier ange­kom­men bin.

Sie sind aus Klos­ter Müns­ter nach Wer­ne gekom­men. Was war das für ein Abschied?

Der Abschied in Müns­ter war für mich sehr stim­mig. Es gab einen Got­tes­dienst mit der Gemein­de, ein gemein­sa­mes Kaf­fee­trin­ken und einen Abend mit den Mit­ar­bei­ten­den. Auch mit den Brü­dern gab es eine offi­zi­el­le Amts­über­ga­be. Ins­ge­samt hat­te ich die Mög­lich­keit, gut Abschied zu neh­men und vie­les los­zu­las­sen. Das war mir wich­tig. Hier in Wer­ne gab es eine gemein­sa­me Begrü­ßung am 6. Janu­ar. Die Kir­che war voll, und die Vor­stel­lung durch mei­nen Vor­gän­ger Br. Harald war sehr warm­her­zig. Das hat gutgetan.

Hat­ten Sie eine Ver­bin­dung zu Werne?

Eine klei­ne, aber nicht sehr star­ke. Ich war vor über 40 Jah­ren im Novi­zi­at hier, von der Stadt habe ich damals kaum etwas mit­be­kom­men. Aber ich kom­me selbst aus einem klei­nen Ort und füh­le mich in einer über­schau­ba­ren Stadt wie Wer­ne grund­sätz­lich sehr wohl.

Ins­ge­samt kamen drei Kapu­zi­ner neu ins Klos­ter Wer­ne. Wie funk­tio­niert das Miteinander?

Sehr gut. Wir ken­nen uns teil­wei­se schon län­ger und ver­ste­hen uns gut. Inzwi­schen sind wir ein ein­ge­spiel­tes Team. Wir haben die Auf­ga­ben im Haus auf­ge­teilt und ach­ten auch auf­ein­an­der. Wir haben uns bewusst Zeit genom­men, um anzu­kom­men, und auch dar­über gespro­chen, wie jeder sei­nen Abschied erlebt hat. Das war wich­tig. Heu­te habe ich das Gefühl, dass wir alle gut ange­kom­men sind. Ich füh­le mich auf jeden Fall wohl und mache mei­ne Auf­ga­ben gerne.

Ist es für Sie wich­tig, Ver­ant­wor­tung zu teilen?

Unbe­dingt. Das war für mich auch eine Bedin­gung. Ver­ant­wor­tung darf nicht auf einer Per­son las­ten. Es muss Ver­tre­tung geben, damit jeder auch ein­mal los­las­sen kann. Gera­de im Umgang mit älte­ren Brü­dern ist das wich­tig, damit sie sich sicher füh­len und gut beglei­tet wissen.

Was ist das Beson­de­re am Kapu­zi­ner­klos­ter Werne?

Wer­ne ist ein sehr kom­ple­xes Klos­ter, sein größ­ter Reich­tum sind die Ehren­amt­li­chen. Es gibt vie­le Grup­pen, die uns Kapu­zi­ner im All­tag unter­stüt­zen: an der Pfor­te, bei Fahr­diens­ten, im Gar­ten, bei tech­ni­schen Fra­gen oder orga­ni­sa­to­ri­schen Din­gen. Die­se Unter­stüt­zung ist enorm wert­voll und ent­las­tet uns sehr.

Haben Sie so etwas schon ein­mal erlebt?

In die­ser Form nicht. Es gab auch in ande­ren Klös­tern Ehren­amt­li­che, aber nicht in die­ser Brei­te und Inten­si­tät. Hier in Wer­ne ist das ein ech­tes Zukunfts­mo­dell. Ohne die­se Unter­stüt­zung könn­te das Klos­ter in die­ser Form kaum bestehen.

Wie erle­ben Sie die Ver­bin­dung zur Stadt?

Als sehr stark. Die Offen­heit und Wert­schät­zung, die uns ent­ge­gen­ge­bracht wird, hat mich über­rascht. Das gilt nicht nur für katho­li­sche Krei­se. Auch dar­über hin­aus spürt man eine gro­ße Ver­bun­den­heit. Die Men­schen freu­en sich, wenn wir prä­sent sind. Das mer­ke ich immer wie­der, wenn ich in der Stadt unter­wegs bin.

Was macht die­ses Klos­ter im Kern aus?

Für mich ist es vor allem die Gemein­schaft der Brü­der. Wir geben Zeug­nis durch unser gemein­sa­mes Leben – in Gebet, All­tag und Begeg­nung. Die Men­schen schät­zen nicht zuerst das Gebäu­de, son­dern uns als Gemein­schaft. Gera­de auch die Erfah­rung und Lebens­ge­schich­te der älte­ren Brü­der ist ein gro­ßer Schatz.

Was ist Ihnen im Umgang mit den älte­ren Brü­dern wichtig?

Dass sie Frei­heit haben. Sie sol­len selbst ent­schei­den kön­nen, was sie noch über­neh­men möch­ten und wo ihre Gren­zen lie­gen. Es geht dar­um, eine gute Lebens­qua­li­tät zu ermög­li­chen, mit Raum für Freu­de und Eigenverantwortung.

Wor­auf freu­en Sie sich in die­sem Jahr?

Auf den Som­mer und die Fes­te. Per­sön­lich bli­cke ich auch gespannt auf eine Aus­zeit im Juli in Müns­ter­schwarz­ach. Dort möch­te ich die letz­ten Jah­re noch ein­mal reflek­tie­ren. Außer­dem steht das Jubi­lä­um der Wall­fahrt Werne–Werl an, dem ich eben­falls mit gro­ßer Freu­de entgegensehe.

Das Inter­view führ­te Tobi­as Rauser

 

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