
FOTO: Kapuziner/Ledersberger
BR. LAURENTIUS WENK
ist Jahrgang 1958 und trat im Jahr 1981 in den Kapuzinerorden ein. Zurzeit leitet er das Kapuzinerkloster in Werne.
Start in Werne: Br. Laurentius über sein Ankommen in Stadt und Kloster
Ein Neuanfang im Winter, ein starkes Team – und ein Kloster, das von Ehrenamtlichen lebt: Bruder Laurentius Wenk spricht über sein Ankommen in Werne und die Kraft der Gemeinschaft.
Br. Laurentius, wie waren Ihre ersten Monate in Werne?
Das Ankommen war intensiv und geprägt von besonderen Umständen, vor allem weil es in die Advents- und Weihnachtszeit fiel. Diese Phase in der dunklen und kalten Jahreszeit ist für einen Neuanfang nicht ideal, zugleich hat sie mir vieles bewusst gemacht. Heute sehe ich diese erste Zeit als eine intensive Phase des Übergangs, die den Boden dafür gelegt hat, dass ich jetzt gut hier angekommen bin.
Sie sind aus Kloster Münster nach Werne gekommen. Was war das für ein Abschied?
Der Abschied in Münster war für mich sehr stimmig. Es gab einen Gottesdienst mit der Gemeinde, ein gemeinsames Kaffeetrinken und einen Abend mit den Mitarbeitenden. Auch mit den Brüdern gab es eine offizielle Amtsübergabe. Insgesamt hatte ich die Möglichkeit, gut Abschied zu nehmen und vieles loszulassen. Das war mir wichtig. Hier in Werne gab es eine gemeinsame Begrüßung am 6. Januar. Die Kirche war voll, und die Vorstellung durch meinen Vorgänger Br. Harald war sehr warmherzig. Das hat gutgetan.
Hatten Sie eine Verbindung zu Werne?
Eine kleine, aber nicht sehr starke. Ich war vor über 40 Jahren im Noviziat hier, von der Stadt habe ich damals kaum etwas mitbekommen. Aber ich komme selbst aus einem kleinen Ort und fühle mich in einer überschaubaren Stadt wie Werne grundsätzlich sehr wohl.
Insgesamt kamen drei Kapuziner neu ins Kloster Werne. Wie funktioniert das Miteinander?
Sehr gut. Wir kennen uns teilweise schon länger und verstehen uns gut. Inzwischen sind wir ein eingespieltes Team. Wir haben die Aufgaben im Haus aufgeteilt und achten auch aufeinander. Wir haben uns bewusst Zeit genommen, um anzukommen, und auch darüber gesprochen, wie jeder seinen Abschied erlebt hat. Das war wichtig. Heute habe ich das Gefühl, dass wir alle gut angekommen sind. Ich fühle mich auf jeden Fall wohl und mache meine Aufgaben gerne.
Ist es für Sie wichtig, Verantwortung zu teilen?
Unbedingt. Das war für mich auch eine Bedingung. Verantwortung darf nicht auf einer Person lasten. Es muss Vertretung geben, damit jeder auch einmal loslassen kann. Gerade im Umgang mit älteren Brüdern ist das wichtig, damit sie sich sicher fühlen und gut begleitet wissen.
Was ist das Besondere am Kapuzinerkloster Werne?
Werne ist ein sehr komplexes Kloster, sein größter Reichtum sind die Ehrenamtlichen. Es gibt viele Gruppen, die uns Kapuziner im Alltag unterstützen: an der Pforte, bei Fahrdiensten, im Garten, bei technischen Fragen oder organisatorischen Dingen. Diese Unterstützung ist enorm wertvoll und entlastet uns sehr.
Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?
In dieser Form nicht. Es gab auch in anderen Klöstern Ehrenamtliche, aber nicht in dieser Breite und Intensität. Hier in Werne ist das ein echtes Zukunftsmodell. Ohne diese Unterstützung könnte das Kloster in dieser Form kaum bestehen.
Wie erleben Sie die Verbindung zur Stadt?
Als sehr stark. Die Offenheit und Wertschätzung, die uns entgegengebracht wird, hat mich überrascht. Das gilt nicht nur für katholische Kreise. Auch darüber hinaus spürt man eine große Verbundenheit. Die Menschen freuen sich, wenn wir präsent sind. Das merke ich immer wieder, wenn ich in der Stadt unterwegs bin.
Was macht dieses Kloster im Kern aus?
Für mich ist es vor allem die Gemeinschaft der Brüder. Wir geben Zeugnis durch unser gemeinsames Leben – in Gebet, Alltag und Begegnung. Die Menschen schätzen nicht zuerst das Gebäude, sondern uns als Gemeinschaft. Gerade auch die Erfahrung und Lebensgeschichte der älteren Brüder ist ein großer Schatz.
Was ist Ihnen im Umgang mit den älteren Brüdern wichtig?
Dass sie Freiheit haben. Sie sollen selbst entscheiden können, was sie noch übernehmen möchten und wo ihre Grenzen liegen. Es geht darum, eine gute Lebensqualität zu ermöglichen, mit Raum für Freude und Eigenverantwortung.
Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr?
Auf den Sommer und die Feste. Persönlich blicke ich auch gespannt auf eine Auszeit im Juli in Münsterschwarzach. Dort möchte ich die letzten Jahre noch einmal reflektieren. Außerdem steht das Jubiläum der Wallfahrt Werne–Werl an, dem ich ebenfalls mit großer Freude entgegensehe.
Das Interview führte Tobias Rauser
