Interview

FOTO: KAPUZINER/TOBIAS RAUSER

BR. HERIBERT LEIBOLD

ist Jahr­gang 1954 und wur­de in Kle­ve gebo­ren. 1983 wur­de er zum Pries­ter geweiht, 1999 trat Br. Heri­bert in den Kapu­zi­ner­or­den ein. Zur­zeit lebt er im Kapu­zi­ner­klos­ter in Werne. 

10. Sep­tem­ber 2025

Transitus des Franziskus: „Anfang von etwas Neuem“

Was bedeu­tet „Tran­si­tus“ und wel­che Bezie­hung hat­te Fran­zis­kus zu Schwes­ter Tod? Br. Heri­bert Lei­pold im Gespräch über die Sehn­sucht nach Chris­tus und eine gute Sterbestunde. 

 Was bedeu­tet der Begriff „Tran­si­tus“?

Br. Heri­bert Lei­bold: Es geht um Über­gän­ge. Das Wort „tran­si­re“ bedeu­tet „hin­über­ge­hen“. Unser gan­zes mensch­li­ches Leben ist von Über­gän­gen und Pha­sen geprägt. Es geht auch um Abschied: Um etwas Neu­es ange­hen zu kön­nen, muss ich etwas zurück­las­sen. Das Wich­tigs­te aber ist: Das Hin­über­ge­hen ist kein End­punkt, son­dern der Anfang von etwas Neu­em. Selbst beim letz­ten Über­gang des mensch­li­chen Lebens, dem Tod.

Anfang Okto­ber fei­ern die Kapu­zi­ner und ande­re fran­zis­ka­ni­sche Gemein­schaf­ten den Tran­si­tus, das Hin­über­ge­hen des hei­li­gen Fran­zis­kus in die Gemein­schaft mit Gott. Was ist das für ein Tag?

Wir fran­zis­ka­ni­schen Ordens­leu­te bli­cken auf die Todes­stun­de des hei­li­gen Fran­zis­kus. Unser Ordens­grü­ner ist am 3. Okto­ber 1226 in den Abend­stun­den gestor­ben. Die Quel­len beschrei­ben sein Ster­ben als „Hin­über­gang“ Und für ihn trifft die­ses Wort wirk­lich zu: Fran­zis­kus woll­te Chris­tus nach­fol­gen und er woll­te hin­über­ge­hen in die Gemein­schaft mit Christus.

Bezie­hun­gen und Freund­schaf­ten sind wich­tig – bis zum letz­ten Atemzug

Wo starb Franziskus?

Fran­zis­kus starb in der klei­nen Kapel­le Por­ti­un­cu­la unter­halb von Assi­si. Das war sein Wunsch, dafür ließ er sich aus dem Bischofs­pa­last der Stadt her­un­ter­tra­gen. Auf sei­nem Weg ließ er sich noch­mal umdre­hen und seg­ne­te sei­ne Stadt ein letz­tes Mal. Heu­te steht am Ort der klei­nen Kapel­le eine gro­ße Kir­che, die über den Ster­be­ort des Hei­li­gen gebaut wur­de. Ich bin jedes Mal sehr berührt, wenn ich dort bin. Eine klei­ne Kir­che, die unse­ren Orden sym­bo­li­siert, in einer sehr viel grö­ße­ren Kirche.

Wel­che Geschich­te rund um den Tod des Hei­li­gen berührt Sie am meisten?

Kurz vor sei­nem Tod bat Fran­zis­kus noch dar­um, eine Freun­din namens Jaco­ba, aus Rom an sein Ster­be­bett zu holen. Gera­de als die Brü­der los­zie­hen woll­ten, stand Jaco­ba schon vor der Tür. Im Gepäck hat­te sie Man­del­ge­bäck, das Fran­zis­kus bei ihr in Rom immer genos­sen hat­te. Für mich wird hier deut­lich, wie wich­tig Bezie­hun­gen und Freund­schaf­ten sind – auch im letz­ten Über­gang, bis zum letz­ten Atemzug. 

Ist das Tran­si­tus­fest ein trau­ri­ges Fest?

Ich wür­de sagen: Es ist eine erns­te Stun­de. Sie führt mir als fran­zis­ka­ni­schem Ordens­mann vor Augen, was es heißt, wirk­lich in die Fuß­stap­fen die­ses Man­nes zu tre­ten. Es bedeu­tet, los­las­sen zu kön­nen, Abschied zu neh­men und Neu­es in den Blick zu neh­men. Die letz­ten Wor­te von Fran­zis­kus lau­te­ten: „Brü­der, ich habe das Mei­ni­ge getan. Jetzt ist es an euch, das Eure zu tun.“ Das ist für mich ganz per­sön­lich ein Auftrag.

Es bleibt vor allem der Wunsch, eine gute Ster­be­stun­de zu haben

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein. „Ich seh­ne mich danach, bei Chris­tus zu sein“, sag­te schon der Apos­tel Pau­lus. Und für mich als Christ ist das doch das Ziel mei­nes Lebens. Ich bin jetzt über sieb­zig Jah­re alt. Auch das ist ein Über­gang: Ich gehe in eine neue Rea­li­tät, die von gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen, etwa beim Lau­fen, geprägt ist. Das for­dert mich her­aus. Ich muss mich dar­auf ein­stel­len und darf mich nicht ein­fach hän­gen las­sen, bis es ans Ende geht. Ich will die­sen letz­ten Abschnitt mei­nes Lebens gut gestal­ten. Ich will mein Leben ange­hen, das Gott mir geschenkt hat.

Hilft Ihnen das Tran­si­tus-Fest dabei?

Unbe­dingt. In unse­rer Gesell­schaft wird der Tod immer mehr ver­drängt oder sti­li­siert. Fran­zis­kus zeigt mir die nack­te Rea­li­tät. Er lässt sich nackt auf den Boden legen, erwar­tet mit Hoff­nung das, was kommt. Er zeigt mir: Ich wer­de erwar­tet. Das ist eine Gewiss­heit, die natür­lich auch ab und an von Zwei­feln durch­zo­gen wird.

Wie hat sich Ihr Ver­hält­nis zum Tod über die Jah­re verändert?

Nach dem Stu­di­um ging es dar­um, die Ärmel hoch­zu­krem­peln und Din­ge anzu­ge­hen. Auch wenn man, etwa bei Beer­di­gun­gen, mit dem Tod kon­fron­tiert war, blieb ich doch meis­tens in der Außen­per­spek­ti­ve. Doch seit auch mei­ne Kräf­te nach­las­sen, mache ich mir immer mehr Gedan­ken. Es bleibt vor allem der Wunsch, eine gute Ster­be­stun­de zu haben. Dar­um bete ich jeden Abend.

Ich will mein Leben ange­hen, das Gott mir geschenkt hat.

Hat­te Fran­zis­kus eine gute Sterbestunde?

Ja, das wür­de ich schon sagen. Es war ein guter Schluss­punkt sei­nes Lebens, das von Höhen und Tie­fen geprägt war. Ich den­ke, es ist ihm gelun­gen, zum Tod eine geschwis­ter­li­che Bezie­hung auf­zu­bau­en. Er konn­te am Ende die Gewiss­heit haben: Ich habe nicht umsonst gelebt. „Brü­der, ich habe das Mei­ni­ge getan.“

Das Inter­view führ­te Tobi­as Rauser

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