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29. April 2026

Vielfalt und Wandel: Kapuziner in Österreich

Kapu­zi­ner­klös­ter aus Bel­gi­en, Deutsch­land, den Nie­der­lan­den und Tei­len Öster­reichs bil­den eine Pro­vinz. Was die Kapu­zi­ner in den vier öster­rei­chi­schen Klös­tern der Vier-Län­der-Pro­vinz aus­macht, lesen Sie hier. 

Ganz im Wes­ten Öster­reichs, nur fünf Kilo­me­ter von der Schwei­zer und Liech­ten­stei­ner Gren­ze ent­fernt, liegt das Kapu­zi­ner­klos­ter Feld­kirch – ein Ort, an dem sich Geschich­te, Glau­be und All­tag seit Jahr­hun­der­ten begeg­nen. Das schlich­te Gebäu­de grenzt direkt an die Alt­stadt. Hier leb­te Anfang des 17. Jahr­hun­derts der hei­li­ge Fide­lis von Sig­ma­rin­gen, der spä­ter in Grau­bün­den den Mär­ty­rer­tod erlitt und heu­te als Schutz­pa­tron der Schweiz ver­ehrt wird. Täg­lich kom­men Besu­che­rin­nen und Besu­cher nach Feld­kirch, um die klei­ne Kir­che zu sehen, eine Ker­ze zu ent­zün­den oder den Segen des Hei­li­gen zu erbitten.

Feld­kirch gehört wie vier wei­te­re Klös­ter in Öster­reich (Inns­bruck, Ird­ning und Salz­burg) zur soge­nann­ten Deut­schen Kapu­zi­ner­pro­vinz, die mitt­ler­wei­le eine Vier-Län­der-Pro­vinz ist.

Seit 2022 ist das so. Die Ordens­lei­tung in Rom beschloss damals, die Pro­vinz Öster­reich-Süd­ti­rol auf­zu­lö­sen. Es ent­stan­den zwei Dele­ga­tio­nen: die Dele­ga­ti­on Wien (die nun zur Kra­kau­er Kapu­zi­ner­pro­vinz gehört) und die Dele­ga­ti­on Tirol, die seit Novem­ber 2022 zur Deut­schen Kapu­zi­ner­pro­vinz gehört. Die Klös­ter in Süd­ti­rol wur­den an die Pro­vinz Vene­dig angegliedert.

Die­se Drei­tei­lung der Pro­vinz war eine Ant­wort auf die schwin­den­den Kräf­te inner­halb der Pro­vinz Öster­reich-Süd­ti­rol. Der ehe­ma­li­ge Pro­vin­zi­al der Zwei-Län­der-Pro­vinz Öster­reich-Süd­ti­rol, Br. Erich Geir, sag­te damals: «Wir ste­hen vor einem gro­ßen Wan­del, dem wir uns als Kapu­zi­ner in ganz Euro­pa stel­len müs­sen und wollen.»

In der neu­en, gemein­sa­men Pro­vinz mit Klös­tern in vier Län­dern schreibt jedes der vier öster­rei­chi­schen Klös­ter ein eige­nes und ein­zig­ar­ti­ges Kapi­tel. «In unse­ren vier Klös­tern haben wir sehr viel­fäl­ti­ge Brü­der­ge­mein­schaf­ten aus zahl­rei­chen Natio­nen», berich­tet Br. Joly Put­huss­er­ry Varg­he­se, Dele­gat der vier Klös­ter in der Dele­ga­ti­on. Der öster­rei­chi­sche Kapu­zi­ner mit indi­schen Wur­zeln sagt: «Auch wenn unse­re vier Klös­ter alle ein eige­nes, stark kon­text­be­zo­ge­nes Pro­fil besit­zen, so eint sie alle, dass sie in ihren Regio­nen tief ver­wur­zelt sind – mit engen Bezie­hun­gen zu den Men­schen, beson­ders an den Rän­dern der Gesellschaft.»

Ein beson­de­rer Ort der Stil­le ist das Kapu­zi­ner­klos­ter bei Ird­ning. Es wur­de 1711 gegrün­det, seit mitt­ler­wei­le drei Jahr­zehn­ten wer­den dort kon­tem­pla­ti­ve Exer­zi­ti­en ange­bo­ten. Ird­ning lockt Gäs­te aus vie­len Län­dern an. Die Men­schen fin­den hier Frie­den für ihre See­le und kön­nen in der Stil­le die Nähe Got­tes spüren.

In Inns­bruck sitzt die Ver­wal­tung für ganz Öster­reich sowie die Pro­vinz­bi­blio­thek und das Pro­vinz­ar­chiv. Im Klos­ter Inns­bruck lebt eine inter­na­tio­na­le Gemein­schaft, die sehr aktiv in der Seel­sor­ge ist. «Inns­bruck ist auch Will­kom­mens­ort für inter­na­tio­na­le Brü­der und ein Ort, an dem wir Kapu­zi­ner bei uns im Klos­ter stu­den­ti­sches Woh­nen ermög­li­chen», sagt Br. Joly, der als Dele­gat im Klos­ter in der Lan­des­haupt­stadt von Tirol lebt.

Ein wei­te­rer bekann­ter Ort ist das Kapu­zi­ner­klos­ter in Salz­burg. Dort leben die Brü­der seit über 400 Jah­ren, das Klos­ter ist spi­ri­tu­el­ler Fix­punkt hoch über der Mozart­stadt. Nach­dem die neue Struk­tur der Pro­vinz umge­setzt war, wur­de der Stand­ort per­so­nell gestärkt und die lan­ge Ordens­tra­di­ti­on der Aus­bil­dung vor Ort wie­der belebt.

«Für Salz­burg als Aus­bil­dungs­kon­vent unse­rer gemein­sa­men Pro­vinz spre­chen vie­le Din­ge», sagt Br. Tho­mas Schied, gewähl­tes Mit­glied der Pro­vinz­lei­tung und seit vie­len Jah­ren Teil der Kapu­zi­ner­ge­mein­schaft auf dem Kapu­zi­ner­berg in Salz­burg. «Die Stadt hat eine Uni und bie­tet gute Vor­aus­set­zun­gen für ein Theo­lo­gie­stu­di­um. Ein ent­schei­den­der Punkt ist aber das kon­kre­te Leben im Kon­vent: In Salz­burg lebt eine Gemein­schaft, in der ver­schie­de­ne Gene­ra­tio­nen und Natio­nen mit­ein­an­der das Kapu­zinerle­ben tei­len. So bleibt die Aus­bil­dung unse­re jun­gen Kapu­zi­ner nicht nur auf das aka­de­mi­sche Stu­di­um redu­ziert, son­dern unse­re Junio­ren kön­nen gut und ganz kon­kret in die Lebens­rea­li­tät unse­rer Pro­vinz hin­ein finden.»

Br. Tho­mas ist deut­scher Kapu­zi­ner und nach der Ver­ei­ni­gung mit ande­ren Brü­dern nach Öster­reich auf den Kapu­zi­ner­berg gewech­selt. Er blickt posi­tiv auf die letz­ten gemein­sa­men Jah­re: «Ich bin ins­ge­samt sehr beein­druckt, wie gut das Mit­ein­an­der funk­tio­niert. Nicht nur mit den Brü­dern aus Öster­reich, son­dern auch mit jenen aus ande­ren Regio­nen wie Bel­gi­en und den Nie­der­lan­den», sagt der Juni­o­rats­lei­ter der Pro­vinz. «Dazu kom­men Brü­der aus ande­ren Tei­len der Welt. Nach mei­ner Erfah­rung begeg­nen sich die Brü­der mit gro­ßem Ent­ge­gen­kom­men, mit Geduld und mit einer spür­ba­ren Gastfreundschaft.» 

Auch Br. Joly sieht die Zusam­men­ar­beit über Län­der­gren­zen hin­weg grund­sätz­lich posi­tiv. «Die Begeg­nung mit ver­schie­de­nen Mit­brü­dern und Kul­tu­ren erwei­tert den Hori­zont und stärkt unse­re Iden­ti­tät als Welt-Kapu­zi­ner», sagt er. In einer grö­ße­ren Gemein­schaft kön­ne man auch den anste­hen­den Wan­del bes­ser anpacken.

Natür­lich gibt es auch Her­aus­for­de­run­gen: unter­schied­li­che Men­ta­li­tä­ten und die Gefahr, loka­le Wur­zeln und Iden­ti­tät zu ver­lie­ren. Auch die gro­ßen Ent­fer­nun­gen von Ird­ning in Öster­reich bis nach Velp in den Nie­der­lan­den erschwe­ren den Aus­tausch und das Zusam­men­le­ben. Und den­noch steht für Br. Joly fest: «Orden und Kir­che ver­än­dern sich. In einer grö­ße­ren Gemein­schaft ohne Gren­zen im Kopf kön­nen wir die­sen not­wen­di­gen Wan­del bes­ser, bewuss­ter und soli­da­ri­scher anpacken!»

Text: Tobi­as Rauser

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