
FOTO: KAPUZINER/LEDERSBERGER
Vielfalt und Wandel: Kapuziner in Österreich
Kapuzinerklöster aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Teilen Österreichs bilden eine Provinz. Was die Kapuziner in den vier österreichischen Klöstern der Vier-Länder-Provinz ausmacht, lesen Sie hier.
Ganz im Westen Österreichs, nur fünf Kilometer von der Schweizer und Liechtensteiner Grenze entfernt, liegt das Kapuzinerkloster Feldkirch – ein Ort, an dem sich Geschichte, Glaube und Alltag seit Jahrhunderten begegnen. Das schlichte Gebäude grenzt direkt an die Altstadt. Hier lebte Anfang des 17. Jahrhunderts der heilige Fidelis von Sigmaringen, der später in Graubünden den Märtyrertod erlitt und heute als Schutzpatron der Schweiz verehrt wird. Täglich kommen Besucherinnen und Besucher nach Feldkirch, um die kleine Kirche zu sehen, eine Kerze zu entzünden oder den Segen des Heiligen zu erbitten.
Feldkirch gehört wie vier weitere Klöster in Österreich (Innsbruck, Irdning und Salzburg) zur sogenannten Deutschen Kapuzinerprovinz, die mittlerweile eine Vier-Länder-Provinz ist.
Seit 2022 ist das so. Die Ordensleitung in Rom beschloss damals, die Provinz Österreich-Südtirol aufzulösen. Es entstanden zwei Delegationen: die Delegation Wien (die nun zur Krakauer Kapuzinerprovinz gehört) und die Delegation Tirol, die seit November 2022 zur Deutschen Kapuzinerprovinz gehört. Die Klöster in Südtirol wurden an die Provinz Venedig angegliedert.
Diese Dreiteilung der Provinz war eine Antwort auf die schwindenden Kräfte innerhalb der Provinz Österreich-Südtirol. Der ehemalige Provinzial der Zwei-Länder-Provinz Österreich-Südtirol, Br. Erich Geir, sagte damals: «Wir stehen vor einem großen Wandel, dem wir uns als Kapuziner in ganz Europa stellen müssen und wollen.»
In der neuen, gemeinsamen Provinz mit Klöstern in vier Ländern schreibt jedes der vier österreichischen Klöster ein eigenes und einzigartiges Kapitel. «In unseren vier Klöstern haben wir sehr vielfältige Brüdergemeinschaften aus zahlreichen Nationen», berichtet Br. Joly Puthusserry Varghese, Delegat der vier Klöster in der Delegation. Der österreichische Kapuziner mit indischen Wurzeln sagt: «Auch wenn unsere vier Klöster alle ein eigenes, stark kontextbezogenes Profil besitzen, so eint sie alle, dass sie in ihren Regionen tief verwurzelt sind – mit engen Beziehungen zu den Menschen, besonders an den Rändern der Gesellschaft.»
Ein besonderer Ort der Stille ist das Kapuzinerkloster bei Irdning. Es wurde 1711 gegründet, seit mittlerweile drei Jahrzehnten werden dort kontemplative Exerzitien angeboten. Irdning lockt Gäste aus vielen Ländern an. Die Menschen finden hier Frieden für ihre Seele und können in der Stille die Nähe Gottes spüren.
In Innsbruck sitzt die Verwaltung für ganz Österreich sowie die Provinzbibliothek und das Provinzarchiv. Im Kloster Innsbruck lebt eine internationale Gemeinschaft, die sehr aktiv in der Seelsorge ist. «Innsbruck ist auch Willkommensort für internationale Brüder und ein Ort, an dem wir Kapuziner bei uns im Kloster studentisches Wohnen ermöglichen», sagt Br. Joly, der als Delegat im Kloster in der Landeshauptstadt von Tirol lebt.
Ein weiterer bekannter Ort ist das Kapuzinerkloster in Salzburg. Dort leben die Brüder seit über 400 Jahren, das Kloster ist spiritueller Fixpunkt hoch über der Mozartstadt. Nachdem die neue Struktur der Provinz umgesetzt war, wurde der Standort personell gestärkt und die lange Ordenstradition der Ausbildung vor Ort wieder belebt.
«Für Salzburg als Ausbildungskonvent unserer gemeinsamen Provinz sprechen viele Dinge», sagt Br. Thomas Schied, gewähltes Mitglied der Provinzleitung und seit vielen Jahren Teil der Kapuzinergemeinschaft auf dem Kapuzinerberg in Salzburg. «Die Stadt hat eine Uni und bietet gute Voraussetzungen für ein Theologiestudium. Ein entscheidender Punkt ist aber das konkrete Leben im Konvent: In Salzburg lebt eine Gemeinschaft, in der verschiedene Generationen und Nationen miteinander das Kapuzinerleben teilen. So bleibt die Ausbildung unsere jungen Kapuziner nicht nur auf das akademische Studium reduziert, sondern unsere Junioren können gut und ganz konkret in die Lebensrealität unserer Provinz hinein finden.»
Br. Thomas ist deutscher Kapuziner und nach der Vereinigung mit anderen Brüdern nach Österreich auf den Kapuzinerberg gewechselt. Er blickt positiv auf die letzten gemeinsamen Jahre: «Ich bin insgesamt sehr beeindruckt, wie gut das Miteinander funktioniert. Nicht nur mit den Brüdern aus Österreich, sondern auch mit jenen aus anderen Regionen wie Belgien und den Niederlanden», sagt der Junioratsleiter der Provinz. «Dazu kommen Brüder aus anderen Teilen der Welt. Nach meiner Erfahrung begegnen sich die Brüder mit großem Entgegenkommen, mit Geduld und mit einer spürbaren Gastfreundschaft.»
Auch Br. Joly sieht die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg grundsätzlich positiv. «Die Begegnung mit verschiedenen Mitbrüdern und Kulturen erweitert den Horizont und stärkt unsere Identität als Welt-Kapuziner», sagt er. In einer größeren Gemeinschaft könne man auch den anstehenden Wandel besser anpacken.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen: unterschiedliche Mentalitäten und die Gefahr, lokale Wurzeln und Identität zu verlieren. Auch die großen Entfernungen von Irdning in Österreich bis nach Velp in den Niederlanden erschweren den Austausch und das Zusammenleben. Und dennoch steht für Br. Joly fest: «Orden und Kirche verändern sich. In einer größeren Gemeinschaft ohne Grenzen im Kopf können wir diesen notwendigen Wandel besser, bewusster und solidarischer anpacken!»
Text: Tobias Rauser
