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Weihnachten: Staunen und sich bewegen lassen!
Wir gehen unseren Weg durch diese Welt an Gottes Hand: Daran erinnert uns jedes Jahr das Kind in der Krippe. Ein Weihnachtsimpuls von Br. Helmut Rakowski.
Wann haben Sie zum letzten Mal staunend gedacht: „Wow“? Ich merke bei mir selbst, dass ich oft über die negativen Dinge staune: „Dass der sich das traut!“, „Dass so etwas möglich ist!“, „Ganz schön dreist!“ Das Bild unseres Weihnachtsgrußes zeigt in diesem Jahr eine kleine Hand, die nach einer viel größeren Hand greift. Darüber steht das Wort: „Staune!“
An Weihnachten kommt Gott auf uns zu – er streckt uns seine kleine Hand entgegen. Lassen wir uns berühren. Lassen wir uns ergreifen. Ergriffenheit ist dabei mehr als ein kurzer, sentimentaler Moment zum Fest. Ergriffensein meint: Ich vertraue mich Gottes Hand an. Ich lasse mich führen.
Veränderungen und Wandel prägen unser Leben, sind oft mit Herausforderungen verbunden. Und selbst dort, wo scheinbar alles beim Alten bleibt, erinnert uns Weihnachten daran, in wessen Hand wir wirklich leben. Nicht unsere persönlichen Ideale stehen im Zentrum, erst recht nicht unser eigenes Ansehen. Wir legen unser Leben in die kleine Hand, die uns Leben verheißt. Es ist diese franziskanische Erfahrung, die Gott im Kleinen erkennt. Und wir wissen, welche Kraft Kinder haben, wenn sie uns an die Hand nehmen und sagen: „Komm mit!“
Im kommenden Jahr begehen wir den 800. Todestag des heiligen Franziskus. Er wollte in dieser Welt nie wirklich ankommen. Nichts bleibt für immer – egal, was wir planen, organisieren oder aufbauen. Gott, den Franziskus mit ganzem Herzen suchte, bleibt immer einen Schritt voraus. Man kann ihn nicht festhalten. Bonaventura fasste dieses Lebensgefühl und Glaubensprogramm in einem Wort zusammen: Transitus, das heißt Hinübergang.
Unser Leben ist kein Weg im Kreis, es ist ein Übergang. Und gerade darin dürfen wir sicher sein: Wir gehen an Gottes Hand. Und genau das feiern wir an Weihnachten. Ich wünsche Ihnen die Erfahrung, gehalten zu sein, geführt zu werden und nicht verloren gehen zu können. Möge uns alle an diesem Weihnachtsfest das Staunen über Gott neu bewegen.
Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten!
Br. Helmut Rakowski
Provinzialminister der Kapuziner in Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Teilen Österreichs
