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FOTO: KAPUZINER/TOBIAS RAUSER

Basilika San Francesco

Die Reli­qui­en des Hei­li­gen wer­den in Unter­kir­che der Basi­li­ka San Fran­ces­co gezeigt

10. Febru­ar 2026

Zum 800. Todestag: Persönliche Begegnung mit Franziskus

In die­sem Jahr fei­ert die fran­zis­ka­ni­sche Fami­lie den 800. Todes­tag des hei­li­gen Franz von Assi­si. Ein Höhe­punkt des Fest­jah­res: die Aus­stel­lung sei­ner Reli­qui­en in sei­ner Geburtstadt.

Es war schon Nacht, als sich Ordens­män­ner in schwar­zen und grau­en Gewän­dern über ein schlich­tes Gefäß mit jahr­hun­der­te­al­ten Kno­chen­res­ten beug­ten: die Reli­qui­en des hei­li­gen Franz von Assi­si (1182–1226), ent­nom­men sei­nem Grab in der Kryp­ta der nach ihm benann­ten Basi­li­ka in sei­ner Geburts­stadt Assi­si. „Das war ein sehr bewe­gen­der Moment, die sterb­li­chen Über­res­te jenes Man­nes zu sehen, der bis heu­te so vie­le Men­schen begeis­tert“, erin­nert sich Br. Tho­mas Frei­del, deut­scher Fran­zis­ka­ner-Mino­rit und seit 18 Jah­ren Pil­ger­seel­sor­ger für die deutsch­spra­chi­gen Gäs­te in Assi­si, an das ein­zig­ar­ti­ge Ereig­nis 2015. „So etwas schafft eine emo­tio­na­le Ver­bin­dung über die Zeit hinweg.“

Ähn­li­che Erfah­run­gen wol­len die Fran­zis­ka­ner nun vie­len Men­schen ermög­li­chen: Erst­mals über­haupt wer­den im 800. Todes­jahr des Hei­li­gen sei­ne Reli­qui­en einer gro­ßen Öffent­lich­keit gezeigt, und das für einen gan­zen Monat. Am 21. Febru­ar brach­te der Päpst­li­che Beauf­trag­te, Kar­di­nal Àngel Fernán­dez Arti­me, in einer fei­er­li­chen Zere­mo­nie den Ple­xi­glas­sarg von der Kryp­ta hin­auf in die Unter­kir­che der Basi­li­ka San Fran­ces­co. Bis zum 22. März sind Men­schen aus aller Welt ein­ge­la­den, an der „Zur­schau­stel­lung“ der von Alter und Feuch­tig­keit porö­sen und geschwärz­ten Kno­chen des „Super­stars“ unter den Hei­li­gen teilzunehmen.

„Wir wol­len mit der Akti­on nicht irgend­ei­ne Sen­sa­ti­ons­lust befrie­di­gen, son­dern ein spi­ri­tu­ell-theo­lo­gisch fun­dier­tes Ange­bot machen“, stellt Br. Tho­mas klar, seit fast 40 Jah­ren Mit­glied der Fran­zis­ka­ner-Mino­ri­ten und Mit­or­ga­ni­sa­tor der Akti­on. Seit am 4. Okto­ber die Inter­net­sei­te „San Fran­ces­co vive“ (Der hei­li­ge Fran­zis­kus lebt) frei­ge­schal­tet wur­de, haben bereits über 300.000 Men­schen ein Besuchs-Zeit­fens­ter oder eine der Füh­run­gen in Ita­lie­nisch, Spa­nisch, Fran­zö­sisch, Eng­lisch, Pol­nisch oder Deutsch gebucht. Für Letz­te­re ist der gebür­ti­ge Pfäl­zer Frei­del zuständig.

Nach einer kur­zen his­to­ri­schen und geist­li­chen Ein­füh­rung betre­ten die Grup­pen den Altar­be­reich der Unter­kir­che, wo der Sarg mit den Reli­qui­en plat­ziert sein wird. Am Ende besteht in eige­nen Berei­chen der Kir­che mit den ein­zig­ar­ti­gen roma­ni­schen Fres­ken die Mög­lich­keit zu Gebet, Beich­te, per­sön­li­chem Segen und Tauf­er­neue­rung. Quer über den Hof geht es zur goti­schen Ober­kir­che, wo mehr­mals am Tag Got­tes­diens­te statt­fin­den – das gan­ze Jubi­lä­ums­jahr über. Eben­so wird es Kon­zer­te, eine eige­ne Jugend­wall­fahrt und Pil­ger­tou­ren ver­schie­de­ner Grup­pen und Bis­tü­mer geben. Außer­dem hat Papst Leo XIV. sein Kom­men ange­kün­digt. Wei­te­re Höhe­punk­te fin­den um den Gedenk­tag des Hei­li­gen am 4. Okto­ber statt.

Ein Kraft­akt und eine logis­ti­sche Her­aus­for­de­rung, die Bru­der Tho­mas aber nicht scheut. „Es ist alles pro­fes­sio­nell orga­ni­siert.“ Für die Reli­qui­en­aus­stel­lung ist gera­de auf dem Vor­platz der Basi­li­ka ein gro­ßes Zelt als War­te­be­reich für 1.500 Leu­te auf­ge­baut wor­den. Für Ein­lass­kon­trol­len und Hil­fe­stel­lun­gen aller Art ste­hen über 100 Frei­wil­li­ge bereit. Und die rund 55 fran­zis­ka­ni­schen Ordens­leu­te um Bru­der Tho­mas erhal­ten Unter­stüt­zung von 25 Mit­brü­dern aus der gan­zen Welt.

Schon in nor­ma­len Jah­ren kom­men etwa fünf Mil­lio­nen Besu­cher an den Ort, wo der radi­ka­le Bot­schaf­ter von Demut, Armut und Lie­be wirk­te. Vie­le die­ser Gäs­te aus der gan­zen Welt wis­sen nur wenig über den Hei­li­gen, erzählt Pil­ger­seel­sor­ger Frei­del. „Die Leu­te erah­nen in Fran­zis­kus eine Art Sehn­suchts­ge­stalt, die die Din­ge ver­kör­pert, die eigent­lich jedem Men­schen im Leben wich­tig sein soll­ten: die Ver­bin­dung mit Gott, der Ein­satz für Frie­den und Gerech­tig­keit, der Blick auf die Schöp­fung und die Ver­söh­nung zwi­schen den Religionen.“

Die Basi­li­ka in Assi­si bie­tet vie­le Gele­gen­hei­ten, Fran­zis­kus zu begeg­nen. In der Unter­kir­che befin­det sich sein Ori­gi­nal­ge­wand. An vie­len Stel­len ist der graue Habit geflickt und schad­haft. Auch ein Brief des Hei­li­gen, der sein Leben als rei­cher Kauf­manns­sohn für ein Dasein in abso­lu­ter Armut auf­gab, sowie sei­ne hand­ge­schrie­be­ne Ordens­re­gel sind zu sehen. In der Kryp­ta dar­un­ter steht der Altar, auf dem der Sar­ko­phag mit der Auf­schrift „San Fran­ces­co“ ruht. 1230, vier Jah­re nach Fran­zis­kus‘ Tod, wur­de sein Leich­nam von der Basi­li­ka San­ta Chia­ra in die Unter­kir­che gebracht und 3,50 Meter tief in Erd­reich und Fel­sen ein­ge­las­sen, ein­ge­mau­ert, ver­schlos­sen und fast ver­ges­sen – für knapp 600 Jahre.

1818 erteil­te Papst Pius VII. den Fran­zis­ka­nern die Erlaub­nis, nach dem Grab zu for­schen. Man ent­deck­te es, unter­such­te die Kno­chen auf Echt­heit und umbau­te alles mit einer neu­en Kryp­ta unter der Unter­kir­che. Bei einer wei­te­ren Öff­nung 1978 fin­den erneut ein­ge­hen­de wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen statt. 2015 soll aber­mals der Erhal­tungs­zu­stand der Reli­qui­en kon­trol­liert wer­den. „Wir haben die Gebei­ne nach oben in die Unter­kir­che gebracht, und mit allen Fran­zis­ka­nern aus der Umge­bung ein Abend­ge­bet vor den Reli­qui­en gehal­ten, und sie dann wie­der ein­ge­setzt“, fasst Frei­del zusammen.

Dies­mal fin­det die Schau am hell­lich­ten Tag statt. Denn die Reli­qui­en­aus­stel­lung habe nichts Maka­ber-Mys­ti­sches, sagt Bru­der Tho­mas. „Zum einen geht es um die klas­si­sche katho­li­sche Auf­fas­sung, dass wir nicht nur die See­le, son­dern auch den Leib für wich­tig hal­ten, und dass der Mensch in den sterb­li­chen Über­res­ten noch irgend­wie prä­sent ist“, erklärt der Dia­kon. „Außer­dem erin­nert uns der Anblick dar­an, was von jedem von uns blei­ben wird am Ende.“

Aber Angst vor dem Tod wol­len die Fran­zis­ka­ner nicht schü­ren, im Gegen­teil: Fran­zis­kus habe mit sei­nem Son­nen­ge­sang dem Tod eine posi­ti­ve Kon­no­ta­ti­on gege­ben. „Er hat ‚Sor­el­la Mor­te‘, Schwes­ter Tod, will­kom­men gehei­ßen als Weg­wei­ser zum Ewi­gen Leben.“ Die­sen tröst­li­chen Gedan­ken, so wünscht es sich Bru­der Tho­mas Frei­del, soll­ten die Besu­cher aus Assi­si mit nach Hau­se tra­gen. (KNA)

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