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Der heilige Fidelis von Sigmaringen

Fide­lis wur­de 1578 in Sig­ma­rin­gen als zweit­jüngs­ter Sohn von Hans Roy und sei­ner Gat­tin Geno­ve­va, geb. Rosen­ber­ger, gebo­ren. Sein Geburts­na­me war Mar­kus. Bei­de Eltern ver­lor er früh: Sein Vater starb 1591, sei­ne Mut­ter ging eine zwei­te Ehe ein und ver­ließ in deren Fol­ge Sig­ma­rin­gen. Zurück blie­ben min­des­tens zwei min­der­jäh­ri­ge Kin­der (Mar­kus und sein jün­ge­rer Bru­der Georg), für die der ältes­te Bru­der die Vor­mund­schaft über­nahm. Georg Roy wird spä­ter – noch vor Mar­kus – in den Kapu­zi­ner­or­den eintreten.

Mar­kus selbst wur­de zunächst Jurist und pro­mo­vier­te 1611 zum Dok­tor bei­der Rech­te. Er arbei­te­te etwa ein Jahr in Ensis­heim im Elsass als Anwalt. Die ernüch­tern­den Erfah­run­gen sei­ner ers­ten Berufs­jah­re, in denen er auch der Unge­rech­tig­keit inner­halb der Juris­te­rei begeg­ne­te, lös­ten bei ihm eine inten­si­ve Pha­se der per­sön­li­chen Neu­ori­en­tie­rung aus.

1612 bat er im Alter von 34 Jah­ren in Alt­dorf (Schweiz) um Auf­nah­me in den Kapu­zi­ner­or­den. Noch vor dem Ein­tritt in das Novi­zi­at (Pro­be­jahr) der Kapu­zi­ner wur­de Mar­kus Roy vom Weih­bi­schof von Kon­stanz zum Pries­ter geweiht. Am 4. Okto­ber 1612 fei­er­te er sei­ne ers­te hei­li­ge Mes­se in der Kapu­zi­ner­kir­che in Frei­burg im Breis­gau. Anschlie­ßend wur­de er ein­ge­klei­det und erhielt den Namen Fide­lis. Ein Jahr spä­ter leg­te er die ewi­gen Ordens­ge­lüb­de ab.

In der nächs­ten Zeit wech­sel­te er mehr­fach sei­nen Ein­satz­ort, stu­dier­te wei­ter und wirk­te als Beicht­va­ter und Pre­di­ger. Auch die Rechts­be­ra­tung für Arme gehör­te zu sei­nen Auf­ga­ben. 1618/19 war er Guar­di­an (Lei­ter der Gemein­schaft) in Rhein­fel­den (Schweiz), im Jahr dar­auf erst­mals in Feld­kirch. Es folg­te ein Ein­satz in Fri­bourg in der fran­zö­si­schen Schweiz sowie vom 1. Juli 1621 bis zu sei­nem Tod erneut in Feldkirch.

Grau­bün­den in der Schweiz, und mit ihm der Prät­ti­gau, war auf­grund sei­ner geo­gra­fi­schen Lage poli­tisch und mili­tä­risch bedeut­sam und weck­te das Inter­es­se ver­schie­de­ner euro­päi­scher Mäch­te. In den Kapu­zi­nern sahen sowohl Habs­bur­ger als auch der zustän­di­ge Bischof auf­grund ihrer Beliebt­heit und ihres unbe­schol­te­nen Lebens­wan­dels geeig­ne­te Mis­sio­na­re. Da sie bereits seit gerau­mer Zeit in Grau­bün­den tätig waren, wur­de Fide­lis mit der räti­schen Mis­si­on betraut.

Fide­lis konn­te zwar ein­zel­ne Erfol­ge ver­zeich­nen, letzt­lich wur­de er jedoch als Reprä­sen­tant der Habs­bur­ger gese­hen, der die ursprüng­lich zuge­si­cher­te reli­giö­se Selbst­stän­dig­keit unter­mi­nier­te. Der Kapu­zi­ner war zwar der Mei­nung, man dür­fe nie­man­den zum Glau­ben zwin­gen, zeig­te jedoch wenig Nach­sicht, wenn es um Glau­bens­in­hal­te ging.

So ergab eines das ande­re, und als Fide­lis den Prät­ti­gau­ern nicht mehr anders bei­zu­kom­men glaub­te, schrieb er das soge­nann­te „Reli­gi­ons­straf­man­dat“, das mit­hil­fe staat­li­chen Rechts die Aus­übung des refor­mier­ten Glau­bens ver­bie­ten und Men­schen zwin­gen soll­te, katho­li­schen Pre­di­gern zuzu­hö­ren. Es kam zum Eklat: Fide­lis wur­de bei einem bewaff­ne­ten Auf­stand in See­wis, wohin er zum Pre­di­gen gekom­men war, am 24. April 1622 getötet.

Fide­lis gilt als ers­ter Mär­ty­rer des Kapu­zi­ner­or­dens. Auf­grund sei­ner her­aus­ra­gen­den Fähig­kei­ten als Seel­sor­ger setz­te bald nach sei­nem Tod sei­ne Ver­eh­rung ein. 1729 wur­de er selig- und 1746 heiliggesprochen.

Heu­te ist das Leben und Ster­ben des hei­li­gen Fide­lis für uns Kapu­zi­ner Leh­re und Mah­nung zugleich, mehr auf das Lie­bes­ge­bot Jesu und auf das Bei­spiel des hei­li­gen Fran­zis­kus von Assi­si zu ach­ten, sowie sich für Frie­den und Gerech­tig­keit ein­zu­set­zen. Kei­nes­falls wol­len wir uns von welt­li­chen oder kirch­li­chen Macht­in­ter­es­sen ver­ein­nah­men las­sen. Wir sind auf­ge­ru­fen, den Dia­log mit unse­ren Schwes­tern und Brü­dern in den christ­li­chen Kir­chen und Gemein­schaf­ten zu för­dern und die inter­re­li­giö­sen Kon­tak­te zu pflegen.

Zum 400. Todes­tag des hei­li­gen Fide­lis fand auf Initia­ti­ve von Mar­kus Hofer katho­li­scher­seits sowie des refor­mier­ten Pas­tors und His­to­ri­kers Johan­nes Flu­ry ein öku­me­ni­scher Ver­söh­nungs­weg von Feld­kirch nach See­wis statt. Höhe­punkt war eine Ver­söh­nungs­fei­er in der refor­mier­ten Kir­che von See­wis, bei der sich der Chu­rer Bischof Joseph M. Bonn­emain und Tho­mas Mül­ler, Dekan der refor­mier­ten Kir­che Grau­bün­den, herz­lich umarm­ten. Eben­so reich­ten sich Nina Gan­ser, Gemein­de­prä­si­den­tin von See­wis, und Br. Karl-Mar­tin Gort, zu die­ser Zeit Guar­di­an des Kapu­zi­ner­klos­ters Feld­kirch, die Hand, eben­so wie Andre­as Ander­fuh­ren, refor­mier­ter Pfar­rer von See­wis, und Lars Gschwend als katho­li­scher Gemeindeleiter.

Lie­ber Gott, gib mir das Geschenk, dass ich nie jeman­den ver­ur­tei­le, auch wenn er noch so schlimm mit mir umgeht oder mir Böses tut, dass ich das Wohl­wol­len behal­ten kann.“

GEBET DES HEI­LI­GEN FIDELIS

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